Flugtipps für die Küste
Sicher mit den Möwen soaren

Die Dänische Delta- und Gleitschirmunion DHPU verzeichnete letzten Sommer an ihrer Küste – in Løkken, Nørre Lyngby und Bovbjerg – einige schwere Gleitschirmunfälle. In der Mehrheit verursacht durch ausländische Piloten, die mit den örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut waren und die Gefahren des Küstensoarings unterschätzten.

Niels Jensen, Präsident DHPU

Nach dieser Unfallserie begannen sich die dänischen Behörden und Medien zu fragen, ob dieser Flugtourismus in ihrem Land überhaupt akzeptabel sei. Und was die Dänische Delta- und Gleitschirmunion DHPU zu unternehmen gedenke, um solche Unfälle in Zukunft zu verhindern.
Als Erstes möchte die DHPU aber darauf hinweisen, dass die ausländischen Piloten in ihrem Land nach wie vor sehr willkommen sind. Allerdings gilt es zu beachten, dass auch das Fliegen am Meer nicht gefahrlos ist! Soaren entlang der Küste ist etwas anderes als das Fliegen in den Bergen. Auf diese Unterschiede möchte die DHPU aufmerksam machen; die Gefahren aufzeigen und auch Verhaltensregeln für Küstenflüge mit Hängegleitern aufstellen.
Erste und wichtigste Sicherheitsmassnahme: Messen der Windstärke! Und zwar nicht nur ein Mal, sondern mehrere Male! Der Wind kann nämlich sowohl die Stärke als auch die Richtung innerhalb weniger Sekunden ändern. Ein Start wird nur dann empfohlen, wenn der Wind gleichmässig und nicht böig daherkommt und mit einem Winkel von rund 90 Grad auf die Küste trifft. Dänische Piloten starten normalerweise nicht, wenn die Windrichtung mehr als 20 Grad vom rechten Winkel abweicht (zwei Handbreiten bei ausgestreckten Armen). Trifft der Wind mit einer grösseren Abweichung an der Küste auf, wird es auch im Luv gefährlich. Und um genügend Höhe über der Ridge beizubehalten, muss der Pilot mit grösstmöglicher Geschwindigkeit fliegen. Dies führt zu einer sehr gefährlichen Kombination: Windgeschwindigkeit von über 50 km/h am Boden, und das bei stark abnehmendem Auftrieb.
Als absolutes Ausrüstungsminimum für Flüge an der Küste empfiehlt die DHPU daher, einen Windmesser mitzuführen. Und: Die Windgeschwindigkeit wird an drei verschiedenen Stellen gemessen – am Strand unten, oben auf der Kante der Ridge, und in zwei Metern Höhe über der Ridge. Gleitschirmpiloten sollten nur bis zu Windgeschwindigkeiten von 7 m/s starten; Deltapiloten bis maximal 10 m/s.

Ausgeprägter Windgradient
An der Küste gilt es, den sehr ausgeprägten Windgradienten zu beachten. Der Wind bläst mit zunehmender Höhe immer stärker. Darin liegt höchstwahrscheinlich der Hauptgrund der meisten Unfälle von Ausländern. Die Piloten beachten die speziellen Konditionen und den anscheinend gutartig aussehenden Windgradienten zu wenig. 
Die Gleitschirmpiloten unterschätzen die Windstärke oft! Sie stehen am Strand, unterhalb der Dünen und Kalksteinklippen, ziehen dort ihren Gleitschirm auf... und sind dann 7 m über Grund baff erstaunt, wie stark der Wind tatsächlich ist. Ein Resultat davon: die Piloten werden gegen den Scheitelpunkt der Düne und darüber hinaus getrieben. Oft mit schlimmen Folgen: Rückenverletzungen, Arm- oder Beinbrüche und sogar Kopfverletzungen.
 

Wer nicht aufpasst... holt einen Schuh voll Wasser raus.
 

 

Fliegen als Sandkastenspiel – trotzdem nicht harmlos.
 

 

Deltapiloten kann es passieren, dass sie beim Flug entlang der Ridge feststellen, dass sich die eine Flügelspitze noch im Aufwindband befindet, die andere aber bereits in der sinkenden Luft. Resultat: Kontrollverlust über den Delta und das Ende des Fluges direkt in der Ridge.
Oft kommen auch ausländische Flugschulen an die dänische Küste. Mit Fluglehrern, die über keine notwendige Erfahrungen über die lokalen Bedingungen verfügen. Ein dänischer Fluglehrer würde seinen Schülern zum Beispiel niemals erlauben, mit dem Wind zu landen. Er würde auch intervenieren, wenn einer seiner Schüler nicht in der Lage ist, den Gleitschirm zu kontrollieren und in der Folge davon die Ridge hinauf und dann dahinter gespült wird. Gleitschirmpiloten müssen auch wissen, dass unter gewissen Bedingungen das Manöver «grosse Ohren» sehr wichtig sein kann. 

Einfluss der Wassertemperatur
Ein anderes Phänomen, auf das geachtet werden muss, sind die thermischen Aktivitäten, die direkt mit dem Wasser zusammenhängen. Vor allem, wenn die Wassertemperatur höher ist als diejenige der Umgebung. Dies kann Turbulenzen in der laminaren Windströmung zur Folge haben! Diese Turbulenzen haben keinen so grossen Einfluss auf die Deltapiloten. Gleitschirmpiloten hingegen müssen sehr vorsichtig sein – ihr Fluggerät ist sehr empfänglich zu kollabieren; mit der Folge eines abrupten Höhenverlustes.
Ist das Wasser kälter als die umgebende Luft, hat das am Fuss der Ridge eine windstille Region zur Folge, über welche die wärmere Luft hinausfliesst. Solange sich der Pilot über diesem Gebiet aufhält, hat dies keine gravierenden Folgen. Sobald er aber in diese tote Zone absinkt, verschwinden die Aufwinde, und es bleibt dem Piloten nur noch wenig Zeit, sich einen trockenen Landeplatz zu suchen.
Entwickelt sich das Wetter so, dass isolierte Schauerzellen entstehen, muss der Pilot die Entwicklung der Wellen im Meer draussen beobachten. Sturmfronten sind sehr gut sichtbar, wenn man der Küste entlangfliegt. Weisse Gischt ist ein Indikator für auffrischenden Wind und sollte als ein Zeichen gedeutet werden, innerhalb kurzer Zeit zu landen.
Sollte aber trotz allen Vorsichtsmassnahmen doch ein Unfall geschehen, der den Einsatz eines Rettungsdienstes zur Folge hat, muss man der Notfallnummer 112 telefonieren und genau erklären, was passiert ist und wo man sich aufhält. Nach einem Unfall sollte man auch die Unfallkommission der DHPU informieren (Tel. +45 294 329 67). Unter dieser Nummer bekommt der Pilot auch wertvolle Ratschläge, und es wird versucht, ihm in bestmöglicher Art beizustehen.

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