Einen Notschirm haben ist gut, ihn richtig anwenden besser
Heutzutage besitzen die meisten Gleitschirmpiloten einen Notschirm. Trotzdem gibt es ein paar Unverbesserliche, die denken, er sei zu nichts nütze.
![]() 1 Damit der Auslösegriff leicht gepackt werden kann, sollte er halbkreisförmig und etwas steif sein. 2 Der Auslösegriff sollte leicht zugänglich sein. |
Respektiert man gewisse Regeln, ist der Notschirm zuverlässig. Dabei sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. So hält auch der Notschirm nicht ewig. Das Gewebe altert aufgrund des Lichts, der Wärme, des Staubs und der Feuchtigkeit. Auch dann, wenn der Notschirm alle vier Monate gelüftet und gefaltet wird. Darum übernehmen die meisten Hersteller nach Ablauf von zehn Jahren keine Garantie mehr. Ausserdem haben wir eine solche Entwicklung, dass zehnjährige Notschirme nicht mehr mit heutigen Produkten vergleichbar sind. Abnutzung und Alterung haben einen direkten Einfluss auf die Öffnungs- und die Sinkgeschwindigkeit. Es ist deshalb sinnvoll, den Notschirm nach einer gewissen Zeit auszuwechseln.
Funktionsweise
Die heutigen Gurtzeuge haben im Allgemeinen einen integrierten
Rettungsschirm-Container. Er befindet sich auf dem Rücken, unter dem Gesäss, auf den
Schultern, seitlich oder vorne. Der Notschirm sitzt in einem Innencontainer, dem ´Podª,
an dem der Öffnungsgriff angebracht ist. Er bildet eine Einheit mit dem Gurtzeug, an
dessen Traggurten er mittels Karabiner oder Verschlaufung befestigt ist. Wird der
Notschirm geworfen, trennen sich Pod und Auslösegriff vom Letzteren. Die
Vorwärtsgeschwindigkeit und das erhöhte Sinken erlauben dem Notschirm sich zu öffnen
und die Verbindungsgurte zum Sitz zu strecken. Nun kommt der offene Rettungsschirm über
den Piloten zu stehen. Passt auf, dass nichts diesen Ablauf hindert, wie zum Beispiel eine
unter dem Beschleunigungssystem durchlaufende Notschirmverbindung. Sobald der Notschirm
offen ist, sollte der Pilot versuchen, den Gleitschirm über die A-, B-, C- oder D-Leinen
gleichmässig an sich zu ziehen. Damit verbessert er die Pendelstabilität und das Sinken.
Deltapiloten sollten für eine sichere Landung wenn immer möglich ihre Füsse aus dem
Gurtzeug ziehen. Sie haben ausserdem die Möglichkeit, die Sinkgeschwindigkeit dadurch zu
verringern, indem sie mit den Beinen das Trapez nach vorne drücken und so dem Flügel
einen höheren Anstellwinkel geben. Auf keinen Fall sollten die Piloten ihre Hände zur
Schockminderung brauchen. Die Beine sind kräftiger, und mit einer Rolle wird dem Aufprall
viel mehr Energie entzogen.
![]() 4 Ist das Notschirmpaket einmal gelöst, sollte es aus der Gleitschirmflugbahn herausgeworfen werden. 5 Auslösegriff und Pod. Die mit dem Sitz verbundenen Leinen. 6 Kommt der Notschirm über den Piloten zu stehen, sollte der Körper möglichst aufrecht sein. |
Zwei wichtige Faktoren
Es ist notwendig, dass der Pod, ob in Form eines griechischen Kreuzes (vier
gegenüberliegende Blätter) oder als Couvert, weder zu eng noch zu locker im
Aussencontainer sitzt. Im ersten Fall wäre der Druck auf die Abzugssplinte zu gross und
würde bei der Auslösung einen erhöhten Kraftaufwand verlangen. Der Notschirm muss in
diesem Fall neu gepackt werden, und zwar so, dass sein Volumen abnimmt. Sollte der Pod
allerdings in seinem Fach hin und her rutschen, kann man mit etwas Schaumstoff im
Zwischenraum Abhilfe schaffen. Wenn nämlich der Notschirm auf Grund des ständigen Hin-
und Herrutschens verdreht rauskommt, riskiert man eine verspätete Öffnung.
Der Auslösegriff ist ebenfalls wichtig. Er sollte etwas steif sein, damit die Hand problemlos zupacken kann. Für die Öffnung muss er weggerissen werden. Auf keinen Fall sollte man den Griff parallel zum Klettband ziehen dies braucht zu viel Kraft. Der Auslösegriff darf nicht direkt auf den Pod wirken. Zuerst wird die Abzugssplinte herausgezogen, dann kommt Zug auf den Pod, der ihn aus dem Aussencontainer befördert. Nun muss dieses Paket, um einen Zusammenstoss mit dem Gleitschirm oder den Leinen zu vermeiden, in den freien Luftraum geworfen werden. Beim Delta ist das Prinzip dasselbe, mit dem Unterschied, dass die Verbindungsleine Pilot/Delta länger ist. Wenn der Pod aus seinem Aussencontainer gezogen wird, sollte man darauf achten, ihn nicht zu energisch herauszuzerren. Er könnte sich um die Hand oder beim Delta gar um das Trapez wickeln. Für Deltapiloten ist es empfehlenswert, einen Wirbel unterhalb der Leinenzusammenführung anzubringen. Hiermit wird dem Twist der Leinen, was die Schirmoberfläche reduziert, vorgebeugt. Wer dies alles beachtet, gewinnt im Ernstfall wertvolle Sekunden. Zögert nicht, bei einem der vielen Profis den Notschirm überprüfen und regelmässig packen zu lassen.
Frédéric Lovis, Alain Zoller