Mit dem Schrecken davongekommen

Den Notschirm vernachlässigen kann verheerende Auswirkungen haben. Alain Zoller verdeutlicht dies anhand eines Beispiels: An einem Sicherheitstraining zieht ein Pilot sein Rettungssystem, doch die Öffnung verläuft anders als erwartet. Zum Glück wurden zuvor optimale Sicherheitsmassnahmen getroffen.


Ungewohnte und ungewollte Stellung:
Kopf voran am Notschirm.

Vom Nutzen des Sicherheitstrainings
Schönwetterwochenende. Die Piloten bereiten sich auf den letzten Flug ihres Sicherheitstrainings vor. Nun heisst es, den Notschirm ziehen. Reto fliegt über den See und führt seinen Flügel in die Autorotation. Dann zieht er den Notschirmgriff. Er ist drauf und dran, das Paket zu werfen, als plötzlich sämtliche Leinenstränge runterpurzeln. Die nach hinten gefallene Kalotte öffnet sich, während die Leinen noch in seinen Füssen hängen. Das Unvorstellbare geschieht: Die Hauptleine wickelt sich um einen Fuss, weitere Leinen verfangen sich an den Schuhösen. Und da ein Unglück nur selten alleine kommt, taucht auch noch der Gleitschirm nach vorne, prallt auf Reto und umhüllt ihn. Die Sinkrate, vom Boden aus betrachtet, ist beeindruckend. Mit hämmerndem Herz und viel Mut gelingt es Reto, die Leinen des Gleit- und Rettungsschirmes von seinen Füssen zu lösen. Das ganze Gespann nimmt eine mehr oder weniger normale Position ein, doch Reto hängt weiterhin mit dem Kopf nach unten und kann seinen Fuss nicht von der Hauptleine befreien. Wie konnte das geschehen? Unsere Schlussfolgerung:

Notschirm regelmässig falten
Grundsätzlich sollte immer die Anleitung des Herstellers befolgt und der Notschirm regelmässig gefaltet werden, im Minimum alle vier bis sechs Monate. Falls jemand einen Couvert-Pod besitzt: Bitte auswechseln. Er bietet kaum Vorteile; der Schirm ist darin weniger schön gefaltet, und die Leinenstränge eher schlecht zu versorgen. Wir empfehlen den Kleeblatt-Container (Pod in Form eines griechischen Kreuzes). Der sauber gefaltete Schirm sowie die Leinenstränge lassen sich darin einfacher plazieren, und das Ganze ist leichter zu befestigen.

Zum Glück nahm der Zwischenfall für Reto ein gutes Ende. Lehren aus solchen Ereignissen können unserem Sport nur dienlich sein. Wie bereits erwähnt, sind Couvert-Pods zu vermeiden. Achtet darauf, beim Kauf eines Rettungsystems. Jeder Notschirm kann für den Kleeblatt-Container angepasst werden. Den Originalgriff hingegen sollte man behalten. Diese Regel ist immer gültig, ausser vielleicht bei Gurtzeugen, die ursprünglich vom Hersteller mit Notschirmen ausgerüstet wurden.

Wo anbringen?
Schauen wir uns die Vor- und Nachteile der verschiedenen Befestigungen von Notschirmen an.

Am Rücken: Die klassische Variante. Verlangt den geringsten Aufwand. Vor jedem Flug muss lediglich überprüft werden, ob die Abzugssplinte den Container noch schliesst und der Griff noch am Klettband hängt. Je nach Situation kann das Erreichen des Griffes an der rechten oder linken Seite problematisch sein.

Vorne: Mit Airbag empfohlen. Von vielen Piloten bevorzugt, da der Griff immer im Blickfeld und mit beiden Händen erreichbar ist. Ferner dient der Notschirm als Ablagefläche für Instrumente wie Vario und GPS. Ein Nachteil bleibt: vor jedem Start muss geprüft werden, ob der Notschirm am Gurtzeug eingehängt ist.

Unter dem Gesäss: Nicht so üblich. Stellt eine effiziente Lösung dar, vorausgesetzt, der Notschirm-Container wird von einer Klappe zurückgehalten, die im Notfall nach unten aufgeht. Das Rohrprinzip, bei dem der Notschirm seitlich des Gurtzeugs herauskommt, ist weniger empfehlenswert. Unter dem Gewicht des Körpers wird der Pack zusammengepresst, was das Herausziehen erschweren kann.

Hinter dem Kopf: Damit besitzen wir wenig Erfahrung. Aus vielen Gesprächen und Meinungen geht dennoch hervor, dass das System nicht besonders ideal ist. Zum einen scheint das Herausziehen schwierig (wenig Kraft, der Pilot muss mit dem Arm das Paket über den Kopf tragen), zum anderen ist der Zugang bei einem Twist oder in ähnlichen Situationen eher fragwürdig. Eure Meinungen und Erfahrungen hierzu interessieren uns.

Seitlich: Nicht ratsam. Ein Seitenklapper auf Seite des Notschirmes würde aufgrund des zusätzlichen Gewichts das Kreisen verstärken. Auch darf die eingeschränkte Bewegungsfreiheit des einen Armes nicht unterschätzt werden. Keine gute Lösung.

Befestigungspunkt
Ein quadratischer 6-mm-Karabiner verbindet die Traggurte des Notschirms mit dem Gurtzeug. Es ist äusserst wichtig, dass der Karabiner symmetrisch zwischen der V-Traggurte des Gurtzeugs und der Notschirm-Traggurte sitzt. Mittels Naht wird das Hin- und Herrutschen entlang der V-Traggurte verhindert. Ganze Seiten könnten noch über Rettungssysteme und ihre Anwendung geschrieben werden. Bei offenen Fragen wendet man sich an: Alain Zoller, www.airturquoise.ch

Frédéric Lovis, Alain Zoller

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