CCC 1999

Der Sommer fand am 3. Juli statt

Gute Gelegenheiten, CCC-Punkte zu sammeln, gab es im Frühling und im Frühsommer. Die Hoffnung auf die Hundstage Anfang August, an welchen oft sehr weite Strecken geflogen werden, wurde bitter enttäuscht. So gewannen jene, die die ersten guten Wetterlagen nutzten. Und für einmal war das Wallis nicht der Ort der Entscheidung.

Günstige Bedingungen nicht nur für Spitzenkönner herrschten am 1. und 2. Mai, Ende Mai und Anfang Juli. Auch dazwischen wurden weite Strecken geflogen, jedoch nur von einzelnen Piloten, vielleicht weil Petrus die Sonne an einem Arbeitstag und nicht am Wochenende oder an einem Feiertag scheinen liess. Am 3. Juli übertraf Lukas Oertli den letztjährigen Schweizer Gleitschirm-CCC-Rekord um einen Kilometer. Von Gstaad aus flog er bis nach Chur über eine Strecke von 175,5 km. Auch gesamthaft gesehen waren die 152 Gleitschirmpiloten sehr gut, sammelten sie doch in 346 gültigen Flügen 23403,5 Streckenkilometer. Allerdings sind das gegenüber dem letztjährigen Rekord 57 Flüge oder beinahe 5000 km weniger. 56 Flüge waren weiter als 100 km, die 30 Piloten an 28 Tagen verbuchten. Der Durchschnittsflug war 67,64 km weit, also etwa 3 km weniger weit als letztes Jahr. Wie aus Abbildung 3 ersichtlich ist, wurden diese Saison gegenüber 1998 allgemein weniger lange Strecken geflogen.

Die Zahl der aktiven CCC-Deltapiloten ist zu einer spärlichen Menge geschrumpft, nicht nur weil einige auf Exxtacy gewechselt haben. Auch beide Kategorien zusammen gerechnet waren die 15 Deltapiloten — letztes Jahr waren es noch 30 — und die 5 Exxtacypiloten mit 23 resp. 12 gültigen Flügen rund 10 Mal weniger oft in der Luft als die Gleitschirmpiloten. Mit durchschnittlich zwei Flügen flog jeder dieser Piloten allerdings gleich oft wie die Gleitschirmkollegen, obwohl in diesen Kategorien nur drei Flüge gewertet werden. Zusammen erflogen die Deltas 1880,5 km und die Exxtacys 1591 km, was eine Durchschnittsstrecke von 81,76 km resp. 132,58 km ergibt. Die Deltas sind also durchschnittlich etwa gleich weit geflogen wie letztes Jahr.

1. April, Russlandhoch

Den Grundstein zu seinem Erfolg legte Urs Lötscher bereits am 15. März, als er im Tessin 125,5 km zurücklegte. Er nutzte das sonnige Wetter, welches dem Tessin erstmals im Jahr Temperaturen über 20°C brachte. Danach beherrschten wieder Wind und Wolken den Himmel.

Ende März brachte eine breite Hochdruckzone mit Kern über Russland schönes Frühlingswetter. Den Attacken der atlantischen Tiefdruckwirbel trotzte sie hartnäckig. Infolge einer Störung, die am 1. April nordwestlich der Schweiz stehen blieb, sank der Luftdruck etwas und erhöhte die Labilität. Es war wiederum Urs Lötscher, der die Lage nutzte. Im Tessin flog er ein flaches Dreieck von 141 km. Ebenso kurvte Bernhard Stocker dem südlichen Alpenrand über eine Strecke von 130 km entlang. Aber auch auf der Nordseite der Alpen herrschten bereits Bedingungen, die Flüge bis 90 km erlaubten. In den folgenden Tagen verstärkte sich der Luftdruck wieder, und damit gelangen nur mehr kürzere Flüge.

1. und 2. Mai, Südwest-Lage

Das erste Maiwochenende brachte den ersten richtigen Hammer: über 2200 km. Dabei begann der 1. Mai im Osten noch mit etwas Regen, doch im Laufe des Tages kam auch dort die Sonne zeitweise zum Vorschein, und es wurde in der ganzen Schweiz frühlingshaft warm. Dies dank einer schwachen Südwest-Strömung, die milde Luft heranführte. Im Westen hatte die Sonne schon vom Morgen weg die Oberhand. Diese Gelegenheit nutzte Martin Muller zu einem sensationellen Flug von 169 km vom Salève bis nach Meiringen. Am Sonntag war es dann auch im Osten schon am Morgen sonnig. So waren 27 Gleitschirm- und fünf Deltapiloten erfolgreich. Man könnte den Tag als CCC-Flugtreffen auf der Oberen Wengi bezeichnen, denn 21 Piloten starteten dort. Eine wirklich weite Strecke erreichte zwar niemand.

26. bis 29. Mai, flaches Hoch

Hinter einer Gewitterstörung baute sich ein flaches Hochdruckgebiet auf, das sich von Deutschland bis zu den Alpen erstreckte. Es sorgte am Mittwoch für viel Sonne. Die zahlreichen Quellwolken verhalfen den Piloten, welche den Gleitschirm aufspannten, zu respektablen Flügen. So legte Marc Vetter im Wallis 163 km zurück. Aber auch im Jura flog Bruno Kneubühl ein flaches 100-km-Dreieck.

Am Donnerstag wanderte die Hammerlage in die Ostschweiz, denn nur im Prättigau und im Engadin gelangen Strecken weit über 100 km. Michi Kobler flog von Fanas bis ins österreichische Fritzens, eine Strecke von 150 km. Am Freitag überquerte eine Gewitterlinie die Schweiz. Lokal fielen grössere Niederschlagsmengen, z.B. im Baselland sogar 20 Liter pro Quadratmeter. Doch am Samstag war die Lage wieder trocken. Aufgestachelt von den guten Tagen vorher schwangen sich unzählige Gleitschirme, Deltas und Exxtacys in die Lüfte, 29 davon erfolgreich. So kamen über 1000 CCC-Kilometer zusammen. Curdin Roner flog im Engadin sogar 174 km, dicht gefolgt von Fabio Profumo mit 158 km und Raphael Pongratz mit 147,5 km.

Mit der guten Lage war vorerst Schluss. Ein sensationeller Flug von 171,5 km gelang Otto Voigt am Donnerstag, 24. Juni. In einer schwachen Bisenströmung flog er vom Solothurner Weissenstein bis ins französische Forens.

3. Juli, SW-Lage

Noch bis Mitte Woche stand die Schweiz unter dem Zustrom feuchter Meeresluft. Als sich aber das Azorenhoch Richtung Mitteleuropa ausdehnte, stiegen die Hoffnungen auf ein gutes Streckenflug-Wochenende. Bereits am Donnerstag setzte sich Urs Lötscher mit einem FAI-Dreieck von 147 km in der Südostschweiz klar an die Spitze des CCC. Während auf der Alpennordseite eine Inversion wenig unter 3000 m Höhe weite Flüge verhinderte, nutzte er die grandiosen Bedingungen auf der Südseite. Aber auch auf der Nordseite steigerten sich die Bedingungen zur Superlage des Jahres. Die warme und trockene Luft aus Marokko und Südspanien sorgte für sommerliche Temperaturen. Die Basis lag bis gegen 4000 m hoch. So war der Erfolg auch recht hoch, denn 30 Piloten konnten CCC-Punkte sammeln. Trotz der Rekordstrecke von 175,5 km schaffte es Lukas Oertli nicht, die Führung im CCC zu übernehmen. Insgesamt flogen alle Gleitschirmler, Deltisten und Exxtacyisten über 2500 km.

Die Entscheidung

Alle Hoffnungen richteten sich auf den kommenden Sommer. Doch wer hätte gedacht, dass er schon vorbei war. Warm war es zwar, aber auch recht feucht, so dass trotz Sonnenschein am Vormittag mit Schauern am Nachmittag zu rechnen war. Einige Lichtblitze waren noch zu verzeichnen, die das Klassement doch noch durcheinander brachten. Die Delta- und Exxtacypiloten waren bis anhin nur spärlich unterwegs. So entschied sich der CCC in den wenigen verbleibenden Flugtagen. Tony Marty-Schraff sicherte sich den Sieg in der Kategorie Delta und Peter Vogel in der Kategorie Exxtacy. Mit seinem 188,5-km-Zielflug am 27. Juli überrundete er den führenden Jürg Ris.

Spannend war der Endkampf bei den Gleitschirmlern: Am 17. Juli gelang Urs Lötscher im Engadin ein Ziel-Rück-Flug über 152 km, was ihm definitiv den Sieg brachte. Doch das war zu dieser Zeit noch nicht klar. Tags darauf schoben sich Lukas Oertli und Fabio Profumo mit je einem Flug wenig über 100 km an die zweite resp. dritte Stelle. Schliesslich schaffte Alex Meyer am 27. Juli auch noch einen 100-km-Flug und sicherte sich damit Platz zwei.

Martin Gassner

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