CCC 2000 Wettkampf auf hohem Niveau

Rekorde kennzeichnen das CCC-Jahr 2000. An den wenigen hervorragenden Fluglagen leisteten die Delta- und Gleitschirmpiloten Ausserordentliches. Es fielen sowohl der Delta- als auch der Gleitschirmstreckenrekord. Auch insgesamt wurden so viele CCC-Kilometer geflogen wie noch nie: 29089 km Gleitschirm, 7027 km Delta. Zusammen reicht das beinahe um den Erdball.

Gleich fünf Piloten übertrafen den letztjährigen Schweizer Gleitschirm-Streckenrekord von 175.5 km, Marc Vetter sogar gleich zweimal. Vier Tage boten dazu das notwendige Hammerwetter. Am 11. August zum Beispiel starteten auf dem Kühboden zahlreiche Piloten zu einem Rekordversuch. Mit je einem Flug über 195.5 km, der die beiden bis zur österreichischen Grenze führte, waren Stephan Morgenthaler und Martin Tanner erfolgreich. Dicht auf ihren Fersen folgte Alex Meyer, der nur wenige Kilometer vorher landete. Auch gesamthaft gesehen waren die 150 Gleitschirmpiloten sehr gut, sammelten sie doch in 395 gültigen Flügen 29'089 Streckenkilometer. Nach dem letztjährigen Tief übertrafen sie sogar den Streckenrekord von 1998. 100-km-Wetter herrschte an 27 Tagen, und zehn Tage boten sogar 150-km-Verhältnisse. 58 Piloten realisierten einen der 104 Flüge über 100 km, wobei neun Piloten sogar einen der zehn 150-km-Flüge verbuchen konnten. Im Durchschnitt flog ein Gleitschirmpilot 73.64 km weit, also etwa 6 km weiter als letztes Jahr. Wie aus Abbildung 3 ersichtlich ist, wurden diese Saison gegenüber 1999 längere Strecken geflogen, besonders im Bereich von 100 bis 130 km.
Vielleicht wegen den neuen Leistungsklassen nahm erfreulicherweise das Interesse am Delta-CCC gegenüber 1999 wieder zu, denn 24 Piloten nahmen am Wettbewerb teil. Letztes Jahr waren es nur gerade 15 Piloten. Allerdings blieb die Beteiligung aus früheren Jahren unerreicht: 1998 waren es 30 und 1995 noch 61 Piloten. Mit seinem Atos überbot Hansjörg Truttmann am 9. Mai seinen CCC-Deltarekord aus dem Jahre 1995. Dass er von der Rothenfluh im Kanton Schwyz startete, zeichnet diesen Flug über 277.5 km noch zusätzlich aus. Insgesamt legten die 24 Deltisten 7'027 km zurück, also etwa die doppelte Strecke wie 1999. Von den 61 Flügen waren fünf weiter als 200 km und elf weiter als 150 km. Durchschnittlich flogen die Deltapiloten 115.2 km weit – gegenüber 1999 eine Steigerung um 15.6 km.
Im Verlauf des Jahres gab es einige gute Fluglagen, besonders im Mai und Anfang August. Sonst herrschte oft feuchtes Sommerwetter mit rasch überentwickelnden Cumulus-Wolken, unter denen nur Unerschrockene punkten konnten. Den Reigen eröffnete eine Hochdruckzone, die sich kurz vor Ostern von den Pyrenäen über die Alpen gegen Nordosten ausweitete. Das flache, aber wirksame Hoch sorgte auch dafür, dass die Winde nachliessen. Damit war die erste Hammerlage im Jahr geboren. Für Spitzenresultate reichte es zwar nicht, doch die Summe der am Karfreitag geflogenen Kilometer war mit 1'760 beachtlich.

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Im CCC-Jahr 2000 wurde geflogen wie noch nie: 29089 km Gleitschirm und 7027 km Delta.

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Abb. 2: Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf.

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Abb. 1: Tagessumme der CCC-Flugkilometer im Jahresverlauf.

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Abb. 3: Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke (horizontale Achse) gemittelt über 10 km.

Mitte Mai
Anfang Mai baute sich die erste Lage auf, die für die Schlussrangliste der Deltisten entscheidend werden sollte. Dank leichtem Föhneinfluss stiegen am 9. und 10. Mai die Temperaturen erstmals bis 28°. Dass die Lage günstig sein würde, hatte Hansjörg Truttmann richtig eingeschätzt. Von der Schwyzer Rothenfluh flog er mit seinem Atos bis nach Bramberg im Pinzgau in Österreich. In 71/2 Stunden legte er 277.5 km zurück. Am 10. Mai legte Lauro Nembrini mit einem Flug über 197 km von Muntischè im Engadin bis nach Unter-Langkampfen in Österreich den Grundstein zu seinem Delta-CCC-Sieg. Bemerkenswert macht diesen Sieg, dass Lauro dazu keinen Flug vom Flug-Mekka Fiesch benötigte. Eine Woche später punktete er an gleicher Stelle gleich nochmals, als er sogar 229 km weit bis Fuerth in Österreich flog. Unter dem Einfluss eines Hochs über Mitteleuropa herrschte in der ganzen Schweiz sonniges und warmes Wetter. Vereinzelt entwickelten sich Cumulonimben, doch nicht für lange, denn die trockene Luft entzog ihnen rasch die Energie. So waren auch zahlreiche Gleitschirme erfolgreich auf Streckenjagd. Marc Vetter flog im Unterwallis ein flaches Dreieck über 187 km, und Michi Müller eines in Graubünden über 143 km.
Am 24. Mai war Michi Müller erneut in der Luft. Wie er selbst berichtete, hätte er oft nicht mehr geglaubt, dass er noch über die nächste Krete komme. Doch immer fand sich irgendwo ein Aufwind, der von einem kurzen Sonnenstrahl zwischen den überquellenden Wolken herrührte. So flog er unter eher mässigen Bedingungen einen weiteren Teil seines Gleitschirm-CCC-Sieges. In neun Stunden kämpfte er sich vom Pragel-pass im Kanton Glarus über 169.5 km bis nach Telfs in Österreich. Doch noch hatte er es nicht geschafft; er musste noch weitere Höchstleistungen zeigen.

Mitte Juni, abziehendes Hoch
Für das Wochenende des 18./19. Juni war ausnahmsweise wieder einmal Hochdruckwetter mit Temperaturen bis 30°C angesagt. Die Schweiz lag am Rande eines Hochdruckgebietes, das sich von Deutschland nach Osten verlagerte. Mit einer Bisenströmung war trockene Luft in die Schweiz geflossen. In allen Höhenlagen drehten die Winde allmählich von Ost auf Südwest. Entsprechend wurden auch entscheidende Strecken geflogen. Einen weiteren Beitrag zu seinem Sieg erflog sich Michi Müller am 18. Juni mit einem Flachen Dreieck über 153.5 km. Am 19. Juni brillierte Marc Vetter mit einem Flug über 184.5 km von Loutse im Unterwallis bis ins Bündner Dorf Bonaduz. Aber auch die folgenden Tage boten noch einiges, obwohl die Gewitterneigung dämpfend wirkte. Am 20. Juni flog Bernhard Stocker vom Kühboden bis zum Arlberg, 177.5 km, und am 21. Juni erreichte Otto Voigt nach 155.5 km die Alp Sardasca.

22. Juli
Für einen Monat war dann allerdings Schluss, denn feuchtes Sommerwetter dominierte im Juli. Erst am 22. Juli sorgte trockene Luft für sonniges Wetter. Trotz der flachen Druckverteilung bei 1018 hPa blieben die Quellwolken harmlos. Es war wohl der mässige Nordwestwind schuld, dass sich nur zwei Starrflügler auf Strecke wagten: Hansjörg Truttmann flog vom Kühboden bis ins österreichische Stillebach im Pitztal, und Tony Amrein flog bis Nauders. Für beide war es ein wichtiger Flug, erreichte doch Hansjörg Truttmann mit seinen beiden 200er-Flügen den vierten Schlussrang, und für Tony Amrein war es sein erster Erfolg in einer Serie, die ihn auf den zweiten Schlussrang bringen sollte.

Die Hundstage
Die entscheidenden Punkte waren bereits auf dem Konto; dennoch setzte während der beiden Hammerlagen im August eine unerbittliche Aufholjagd ein. Das Finale eröffnete am Nationalfeiertag ein Hoch, das sich von der Bretagne über den Alpenraum hinweg nach Osten verlagerte. Die über der Schweiz liegende Luftmasse war besonders oberhalb von etwa 4000 m sehr trocken, sodass über den Alpen nur flache und somit harmlose Quellwolken die Aufwinde markierten. Martin Tanner und Tony Amrein waren es, die mit Flügen über 154 km resp. 205 km am meisten Ränge gut machten.
Nach einer Feuchtpause sahen die Prognosen für den 11. August wieder verheissungsvoll aus: «Die ausgedehnte Hochdruckzone, die sich vom Atlantik bis nach Westrussland erstreckt, verflacht sich weiter. Gleichzeitig gelangt in den unteren Luftschichten aus Südwesten noch wärmere Luft zum Alpenraum. Dies führt zu einer deutlichen Zunahme der Labilität, sodass in den Alpen mit einzelnen Abendgewittern gerechnet werden muss.» Wer bleibt bei solch einem Wetterbericht, der Rekordthermik verspricht, zu Hause?! Wie schon am 1. August waren 39 CCC-Piloten unterwegs und legten 3'143 Gleitschirm- resp. 1'176.5 Deltakilometer zurück. 28 CCC-ler erreichten von Fiesch aus die Ostschweiz oder gar Österreich. Tony Amrein punktete in der Kategorie Delta noch einmal und schob sich vor Stefan Eggenberg auf Platz zwei vor, konnte aber den führenden Lauro Nembrini nicht gefährden. Auch Martin Tanner und Stephan Morgenthaler rückten mit ihren Gleitschirm-Rekordflügen bedrohlich nahe an den bislang Zweitplatzierten Marc Vetter auf. An den noch folgenden Flugtagen gelang es ihnen noch, sich an Marc Vetter vorbei, aber hinter Michi Müller, auf Platz zwei und drei zu schieben. Dem Sommer war dieses emsige Fliegen wohl zu viel und er verabschiedete sich Mitte August.

Martin Gassner

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