CCC 2001
Eine einzige Hammerlage, der Rest war gut
Eine Hammerlage Ende Mai und einige Spitzentage im August kennzeichnen die Saison 2001. Dazwischen herrschten oft gute, aber keine Topbedingungen. So blieben die Rekorde der Saison 2000 unangetastet.
Das CCC-Jahr 2001 war ein gutes
Jahr. Allerdings fehlten die aussergewöhnlichen Hammerlagen. So blieb der
letztjährige Schweizer- Gleitschirm-CCC-Rekord von 195,5 km unerreicht. Beni
Stocker realisierte den weitesten gültigen Flug mit 172,5 km und legte damit den
Grundstein für seinen CCC-Sieg. Er folgte den Spuren, die Volker Nies mit seinem
Flug über 165 km einen Monat zuvor gelegt hatte. Die beiden Flüge beweisen, dass
auch ausserhalb des Wallis weite Strecken möglich sind. Insgesamt übertrafen
vier Gleitschirmpiloten und ein Atos-Pilot sechs Mal die 160-km-Marke.
Gesamthaft gesehen waren die 121 Gleitschirmpiloten gut, sammelten sie doch in
330 gültigen Flügen 24'237 Streckenkilometer. Den letztjährigen Rekord
verpassten sie jedoch um annähernd 5'000 km. 100-km-Wetter herrschte an 30
Tagen, und nur 3 Tage boten 150-km-Verhältnisse, deutlich seltener als letztes
Jahr. Nur 36 Piloten realisierten einen der 78 100-km-Flüge; dies gelang letztes
Jahr noch 58 Piloten. Der Durchschnittsflug war 73,45 km weit, also etwa gleich
weit wie letztes Jahr.
Wie aus Abbildung 3 ersichtlich ist, wurde diese Saison allgemein weniger oft
und weniger weit geflogen. Deutlich weniger Flüge gelangen in der Grössenordnung
von 100 bis 120 km Flugdistanz. Vermutlich schaut mancher Pilot etwas enttäuscht
auf die Saison zurück. Die weiten Flüge über 180 km fehlen dieses Jahr gar
vollständig.
Die Beteiligung am Delta-CCC nahm gegenüber 2000 leicht ab; 23 Piloten nahmen am
Wettbewerb teil. Letztes Jahr waren es noch 24 Piloten gewesen. Die neue
Unterteilung in Starrflügler, Delta mit Turm und Delta ohne Turm vermochte das
Interesse nicht zu wecken. Insgesamt legten die Deltisten 4'974 km zurück, also
etwa 2000 km weniger als letztes Jahr. Von den 57 Flügen waren 2 weiter als 150
km und 16 weiter als 100 km. Durchschnittlich flogen die Deltapiloten 87,26 km,
etwa 18 km weniger weit als noch im Vorjahr.
![]() Relief mit Flügen. |
![]() Abbildung 1: Tagessumme der CCC-Flugkilometer im Jahresverlauf. |
![]() Abb. 2: Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf. |
![]() Abb. 3: Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke (horizontale Achse) gemittelt über 10 km. |
28. April
Erstmals im Jahr übertraf am 13. April
Roger Grossenbacher mit seinem Starrflügler die
Hundertkilometermarke. Ihm glückte ein Ziel-Rück-Flug von der Schwengimatt bis
zur Vue des Alpes. Mit dem Gleitschirm übertraf Peter Hilty diese Marke am 14.
April mit einem Flug vom Kühboden nach Chur. Zur ersten Spitzenleistung steuerte
Volker Nies seinen Schirm mit einem Flug vom Monte Lema bis nach Malé in der
Nähe von Bozen. Dabei legte er 165 km zurück. Während eine Störung die
Alpennordseite streifte, boten die Berge genügend Schutz, sodass es im Süden,
abgesehen von hohen Wolkenfeldern, recht sonnig war.
12./13. Mai
Das warme, frühlingshafte
Muttertags-Wochenende vom 12./13. Mai verhalf vielen Piloten zu weiten Flügen.
Eine Bisenlage hatte sehr trockene Luft zu der Alpennordseite geführt. Während
sich das Nordatlantische Hoch unter Abschwächung Richtung Osteuropa verschob,
labilisierte sich die Luft vor der auf Montag angekündigten Störung zusehends.
So gelangen entlang der Voralpen Flüge bis 153 km. Bemerkenswert sind die Flüge
über je 143 km von Martin Tanner, der vom Niederhorn bis ins liechtensteinische
Schaan flog, und von Thomas Blatter, der ein flaches Dreieck über das Prättigau
und die Churfirsten realisierte. Insgesamt sammelten die Gleitschirmler beinahe
2'000 km. Auch eine Woche später, am 19. Mai, stellte sich hinter einer
Kaltfront eine gute Fluglage ein. In der trockenen Luft flog Fredy Studer über
die Churfirsten und das Prättigau hinauf und zurück.
26./27. Mai
Das folgende Wochenende war der absolute
Mega-Hammer! Ein Ausläufer des Azorenhochs hatte sich bis weit in den Kontinent
ausgedehnt. Auf der Vorderseite war in den unteren Schichten mässig warme,
trockene Kontinentalluft aus Nordosten herangeflossen, welche die hoch stehende
Sonne rasch erwärmte und damit labilisierte. Dennoch blieb das Wachstum der
Quellwolken durch den zunehmenden Hochdruckeinfluss begrenzt. 2'830 km legten
die Gleitschirmpiloten am Samstag und 1'722 km am Sonntag zurück. Auch die vier
Deltas, die am Samstag unterwegs waren, legten zusammen 382 km zurück, wobei das
flache Dreieck über 143 km, das Tony Marty in den Ostalpen flog, beachtlich ist.
Ebenfalls am Samstag flog Thomas Stivanello mit seinem Gleitschirm von der
Oberen Wengi im Jura bis ins französische Le Sentier, eine Strecke von 134 km.
Dass die Bedingungen auch auf der Alpensüdseite gut waren, bewies Beni Stocker
am Sonntag und realisierte den Jahresrekord von 172,5 km mit einem Flug vom
Monte Lema bis fast nach Bozen.
14./15. August
In der folgenden Zeit gab es oft
Bedingungen für gute Flüge, doch die Hammerlagen für Spitzenleistungen fehlten.
So mussten die Piloten bis Ende Juli warten, bis wieder einmal ein Flug über 140
km möglich war. Wieder war es Beni Stocker, der die
entscheidenden Punkte sammeln konnte. Am 28. Juli flog er vom Kühboden bis nach
Zuoz im Engadin. Mitte August baute sich schliesslich die Wetterlage auf, die
das Schlussklassement nochmals durcheinander wirbeln sollte. Das flache Hoch,
das zuerst über Westeuropa lag, verstärkte sich vorübergehend und zog Richtung
Osteuropa. Gleichzeitig floss in den unteren Luftschichten warme Luft heran. Die
aus Südwesten heranströmende Luft war zunehmend feuchter, womit in den folgenden
Tagen die Gewitterneigung zunahm. An den beiden Tagen 14. und 15. August legten
die Gleitschirmler über 3'000 km und die Deltisten 610 km zurück. Das Rennen
fand hauptsächlich auf der Strecke
Fiesch–Furka–Ostalpen statt. Stephan Morgenthaler
war der Sieger, rückte er doch in der Gesamtrangliste weit nach vorne.
Erstklassig waren seine beiden Flüge nach Schiers im Prättigau über 137 km und
nach Innerbraz in Vorarlberg über 162 km. Auch Beni Stocker realisierte am 15.
August einen Flug ins Engadin über 161 km, der ihn an die CCC-Spitze brachte. In
der Kategorie Starrflügler sicherte sich Markus Schramm den Sieg mit einem Flug
über 160 km. Bei den Deltas holte sich Tony Marty den Pokal mit einem
Ziel-Rück-Flug im Engadin.
Kampf um Platz zwei
Ende August gab es noch einige gute Tage,
an welchen sich die Gleitschirmpiloten einen erbitterten Kampf um die Plätze
zwei und drei boten. Stephan Morgenthaler konnte zweimal punkten und überholte
damit den bis dahin zweitplatzierten Martin Tanner. Auch Otto Voigt gelang noch
ein Spitzenflug, mit dem er bis auf den vierten Rang vorstiess.
Martin Gassner