CCC 2002
Zahlreiche Hammerlagen, dazwischen Regen

Das CCC-Jahr 2002 war ein sehr gutes Jahr mit aussergewöhnlichen Hammerlagen. Bernhard Stocker übertraf als erster Gleitschirmpilot in der Schweiz die magische 200-km-Marke um 18 km! Damit legte er den Grundstein zu seinem Gesamtsieg. Zehn Gleitschirm- und zwei Delta-Flüge waren weiter als 180 km.

Die 7 Gleitschirmpilotinnen und 103 Gleitschirmpiloten boten Hervorragendes, sammelten sie doch in 372 Flügen über 30'000 Streckenkilometer. Aneinandergereiht würde das einen Ziel-Rück-Flug zum Südpol oder eine freie Strecke um etwa drei Viertel des Erdumfanges ergeben. Den Rekord aus dem Jahr 2000 übertrafen sie um gut 1'000 km. Im Jahr 2001 war die 150-km-Grenze kaum ein Thema, zu selten übertrafen Piloten diese Marke. Nicht so im letzten Jahr: 12 Tage boten 150-km-Verhältnisse, 13 Piloten schafften einen oder mehrere dieser insgesamt 23 Wunderstrecken. Es scheint, dass 100-km-Flüge bereits zum Durchschnitt gehören: An 36 Tagen übertrafen 2 Pilotinnen und 48 Piloten 113-mal diese Distanz. Der Durchschnittsflug war 79 km weit, also fast 7 km weiter als in den letzten beiden Jahren. Abbildung 3 verdeutlicht diese enorme Leistungssteigerung. Auf Kosten der 50-km-Flüge gelangen deutlich mehr Flüge in der Grössenordnung von 100 bis sogar 180 km Flugdistanz. Anderseits zeigt dies, dass der Kampf um CCC-Punkte sehr hart geführt wurde. An der Spitze bedeutete ein Flug über 140 km nur ein Streichresultat.
Erfreulich auch die Leistungen im Delta-CCC. 26 Piloten nahmen am Wettbewerb teil. Letztes Jahr waren es noch 23 Piloten gewesen. Die Deltisten legten 7177 km zurück, flogen also etwa 2'500 km weiter als letztes Jahr. Von den 73 Flügen waren 7 weiter als 150 km und 36 weiter als 100 km. Durchschnittlich flogen die Deltapiloten 98.3 km, etwa 11 km weiter als letztes Jahr und etwa 7 km weniger weit als im Jahr 2000.


Die Schweiz aus der CCC-Perspektive.

Abbildung 1: Tagessumme der CCC-Flugkilometer im Jahresverlauf.

Abbildung 2: Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf.

Abbildung 3: Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke
(horizontale Achse), gemittelt über 10 km. 

1. April
Bereits im März gelangen Streckenflüge mit Weiten über 100 km. Doch erst über Ostern lockte ein flaches Hoch mit recht trockener Luft viele Piloten hinter dem Ofen hervor. So kamen am 1. April – und das war kein Scherz – insgesamt mehr als 2'000 Flugkilometer zusammen, eine Zahl, die erst während den Hundstagen Ende Juli bis Anfang August überboten werden sollte. 8 Flüge über 100 km gelangen an diesem Tag, angeführt von Alfredo Studer. Nachdem er bereits am Sonntag vom Monte Lema ins Engadin geflogen war, gelang ihm vom gleichen Startplatz ein Flug über 172 km bis nach Bozen.
Etwa zwei Wochen später baute sich im Süden die nächste Hammerlage auf, während der Bernhard Stocker, ebenfalls vom Monte Lema aus, ein ähnlicher Flug über 176 km gelang.

10.–17. Mai
Mitte Mai war Aeolus den Streckenjägern günstig gesinnt und liess den thermischen Aufwinden viel Freiheit. Über Mittel- und Südeuropa hatte sich ein Hoch aufgebaut. Die Luft war sehr trocken. So blieben die Cumuli am 17. Mai klein, obwohl sich das Hoch bereits abbaute. Am 10. Mai gelangen Jürg Ris mit seinem Starrflügler im Jura ein flaches Dreieck über 175 km und Stephan Morgenthaler ein Ziel-Rück-Flug über 153 km von Matzendorf zur Vue des Alpes. Vom Monte Lema starteten am 15. Mai Lauro Nembrini mit seinem turmlosen Delta zu einem Flug über 183 km und Claudio Vosti zu einem Flug über 177 km. Den Höhepunkt bildete schliesslich der Rekordflug von Bernhard Stocker über 218 km. Von der Rotenfluh oberhalb von Schwyz flog er, unterstützt von einem mässigen SW-Wind, bis weit nach Österreich hinein. Erstmals übertraf damit ein Gleitschirmler die 200-km-Marke. Mit einem Delta hatte Jürg Ris Anfang Juli 1994 diese Marke überflogen.

Im Juni
Mitte Juni, vom 14. bis zum 18., waren die Winde wieder günstig für weite Flüge. Eröffnet hatte diese Periode Alex Hofer. Von der Ebenalp im Alpstein flog er am 14. 183 km bis nach Strass im Zillertal. Am 17. doppelte er mit einem Flug von 188 km über den Alpenhauptkamm bis Cavédine nach.
Nachdem Martin Tanner gezeigt hatte, dass von der Wispile oberhalb von Gstaad 185 km bis Malans im Rheintal möglich sind, flog am nächsten Tag gleich ein Trio bestehend aus Stephan Morgenthaler, Thomas Stivanello und Dieter Lutz hinterher. Alle drei übertrafen 180 km und landeten in Nordbünden. Am 29. Juni legte Martin Tanner im Jura 171 km zurück. Danach war bis Ende Juli Schluss mit weiten Streckenflügen.

Das Finale
Normalerweise bieten die Hundstage eine bis zwei gute Streckenfluglagen, welche eine letzte Gelegenheit bieten, das Klassement im CCC umzukrempeln. Dieses Jahr war nach den häufigen Schlechtwetterperioden im Sommer die Hoffnung auf ein Minimum gesunken. Doch am 27. Juli baute sich ein erstes Hoch über Zentraleuropa auf und steuerte mit einer Bisenströmung trockene Luft gegen die Schweiz. Zuerst war die Schichtung noch zu stabil, erst am 29. besserte sich die Situation. Ein Strom von Gleitschirm- und Deltafliegern ergoss sich über das Oberwallis. Obwohl Spitzendistanzen ausblieben, summierten sich die geflogenen Kilometer sowohl am 29. als auch am 30. Juli auf über 2'000 km auf.
Wer glaubte, die letzte Hammerlage sei vorbei, wurde am 17. und 18. August eines besseren belehrt. Ein Hoch über Skandinavien steuerte sehr trockene Luft, die in der labilen Schichtung Überentwicklungen verhinderte, gegen die Alpen. Bei Flughöhen bis 4400 m kamen am Wochenende in 64 Flügen über 5'000 km zusammen. In diesem Streckenrausch fiel auch der Entscheid im Gleitschirm-CCC in der Open-Klasse. Sowohl in den Kategorien Delta als auch in der Gleitschirm-Fun-Klasse lagen die Führenden Toni Marty resp. Roger Bruhin mit grossem Abstand in Führung. Die Kategorie Starrflügler konnte Roger Grossenbacher an diesem Wochenende für sich entscheiden.
Äusserst spannend gestaltete sich das Finale in der Gleitschirm-Open-Klasse. Tanner vor Stocker und Stivanello war die Ausgangslage. Am 15. August schob sich Thomas Stivanello mit einem FAI-Dreieck über 129 km an die Spitze. Damit war er noch nicht zufrieden und versuchte am 17. die Führung mit einem noch grösseren FAI-Dreieck über 149 km weiter auszubauen. Doch Bernhard Stocker heftete sich an seine Fersen und entschied mit einem gewaltigen Exploit am 18. August, ein Zielflug über 192 km von Fiesch nach Nauders, den Gleitschirm-CCC in der Open-Klasse für sich. Mit einem ähnlich gigantischen Flug über 195 km verdrängte Stephan Morgenthaler Martin Tanner vom Podest.

Martin Gassner

Aufgrund unvollständiger Daten sind die Auswertungen ungenau.

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