Das CCC-Jahr 2003 war ein Jahr der Superlative. Alle bisherigen Rekorde werden im Vergleich auf Durchschnittsflüge hinuntergestuft. Am 20. Juli flog Hansjörg Truttmann mit seinem Atos von Fiesch aus 406 km gegen Osten. Am 13. August legte Alex Hofer von der Ebenalp im Alpstein weltmeisterliche 277 km zurück. Insgesamt sammelten die CCC-Piloten mit 2066 Flügen 135383 km. Verstärkend wirkte sicher die einfache Eingabe der Flüge übers Internet und das weniger strenge OLC-Reglement.
Keine Wünsche blieben offen in
diesem Sommer. Wer flog nicht einen persönlichen Rekord?! Normalerweise folgt
doch auf eine Hammerlage eine längere Schlechtwetterperiode, welche die zuhause
Gebliebenen straft. Nicht so dieses Jahr. Jede nachfolgende Hammerlage überbot
die vorangegangene mit noch stärkeren Aufwinden, die noch weiter hinauf führten,
bis sie beinahe stratosphärische Höhen erreichten. Kein Wunder, dass derart
viele und derart gigantische Strecken geflogen wurden: An insgesamt 132 Tagen
waren CCC-Piloten unterwegs, an 60 Tagen flog jemand weiter als 100 km und an 33
Tagen sogar weiter als 150 km, 13 davon sogar über 200 km. Waren 2002
150-km-Flüge noch Topleistungen, so gehörten sie dieses Jahr zu den
Streichresultaten. Auch die Summe der Flugkilometer ist gigantisch: 135383 km!
Haben alle Flüge aneinandergereiht 2002 knapp einmal um die Erde gereicht, 2003
wäre die Erde gleich drei Mal umrundet worden. 5808 km haben die Damen
beigetragen.
Begonnen hatte der Traum am 24. April, als sich eine flache Hochdruckbrücke
zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer aufbaute. Mit Strecken bis fast 190 km
sammelten die Cracks erste wichtige Punkte. Im Mai gab es zwar auch einige gute
Tage, aber unter dem Eindruck der folgenden Lagen verblassten sie zusehends. Der
folgende Monat war der heisseste Juni seit Menschengedenken. Mit traumhaften
Bedingungen: An drei Sonntagen sammelte die CCC-Gemeinschaft je über 3000
Streckenkilometer. Dies lies befürchten, dass damit der Sommer vorbei sei. Gut,
wer seine Flüge schon im Trockenen hatte. Doch es kam anders. Die im Juni
geflogenen Rekordstrecken blieben weitgehend nur Streichresultate. Einzig Fredy
Studer in der Open-Klasse gelang ein FAI-Dreieck über 179 km, und Beat Spengler
in der Delta-Klasse ein Flaches Dreieck über 231 km, welche den beiden wertvolle
Punkte brachten.
Eine eigentliche Strecken-Hausse begann mit den Sommerferien Anfang Juli und
dauerte bis Mitte August. Ein umfangreiches Hoch platzierte sich über
Zentraleuropa, schwächelte hin und wieder etwas unter den Attacken
heranziehender Störungszonen, baute sich aber immer wieder auf und hatte Europa
fest im Griff. Der Boden trocknete mehr und mehr aus. Die Landwirtschaft erlitt
dramatische Ernteeinbussen. Ob dies nun die Folge der Klimaerwärmung ist, wurde
intensiv diskutiert. Nur die Delta- und Gleitschirmpiloten schwebten so
zahlreich im siebten Himmel wie noch nie. An 9 Tagen überstieg die Summe der
Flugkilometer 3000 km, Spitzenreiter waren der 20. Juli mit 6252 km, der 3. und
4. August mit 9532 km resp. 6940 km und der 10. August mit 6559 km.
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Abb. 1: Ohne Legende |
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Abb. 2: Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke (horizontale Achse), gemittelt über 10 km. |
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Abb. 3: Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf. |
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| Abb. 5 | ||
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| Abb. 5 und 6: Geflogene Strecken der CCC-Saison 2003: oben Flüge der Kategorie Delta, unten Flüge der Kategorie Gleitschirm open class. | ||
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| Abb. 7 | ||
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| Abb. 7 und 8: CCC-Flüge 2003 der Kategorie Starrflügler (oben) und der Kategorie Gleitschirm fun & safety (unten). | ||
20. Juli, Hammer in der
Hammerlage
Unter diesen fabelhaften Bedingungen
glänzte der 20. Juli besonders freundlich. Er begann wolkenlos, wie die Tage
davor. Eine herannahende Störung labilisierte aber bereits die Atmosphäre.
Eigentlich hätten aus der kräftigen Thermik Gewitterwolken wachsen sollen, doch
die Luft war einfach zu trocken dazu. So blieb es bei harmlosen Quellwolken mit
einer Basis über 4000 m. Unter den 65 Piloten, die an diesem Tag starteten, war
auch Hansjörg Truttmann mit seinem Atos. Er nutzte diesen ausserordentlichen Tag
zu einem Flug über 406 km bis weit nach Österreich hinein. Damit überquerte
erstmals ein Hängegleiter in den Alpen die 400-km-Marke. Zusammen mit zwei eher
kurzen Flügen reichte es ihm hinter Ulf Huegel auf den zweiten Schlussrang in
der Kategorie Starrflügler. Aber auch Stefan Eggenberg legte mit seinem Delta an
diesem Tag rekordverdächtige 270 km zurück. Dieser Flug war der Grundstein zu
seinem Sieg in der Delta-Kategorie. Erwähnenswert ist noch der Flug von Gebhard
Abächerli, der mit dem Gleitschirm von Fiesch aus 206 km Richtung Osten flog.
Entscheidung fiel Anfang
August
In der ersten Augustwoche herrschten in
den Alpen Bedingungen, wie sie sonst nur in Trockengebieten anzutreffen sind.
Dust Devils zogen über den Startplatz Kühboden hinweg. Eine Hochdruckbrücke
steuerte zwischen den Azoren und dem Russlandhoch trockene Festlandluft gegen
die Alpen. Die Wolkenbasis stieg fast auf 5000 m. Dutzendweise kreisten
Gleitschirme über dem Finsteraarhorn. Die Streckenjäger konnten entsprechend
punkten. Beni Stocker zum Beispiel realisierte in dieser Periode alle seine
gewerteten Flüge, Fredy Studer drei davon. Diese beiden Piloten lieferten sich
einen Kampf fast bis aufs Messer um den Sieg im CCC. Am 12. August gelang Beni
Stocker ein 204-km-FAI-Dreieck und er verdrängte Fredy Studer von der Spitze,
dessen Flug das GPS wegen einer Fehlmanipulation nicht aufgezeichnet hatte.
Fredy Studer liess sich nicht unterkriegen und erarbeitete sich tags darauf das
208-km-FAI-Dreieck nochmals, was zum Sieg sowohl im CCC als auch im OLC reichte.
Auch Alex Hofer erflog in dieser Zeit die Strecken, die ihn auf den dritten Rang
brachten. Mit seinem Rekordflug am 13. August, der ihn von der Ebenalp bis nach
Lienz in Österreich brachte, verdrängte er den unglücklichen André Bussmann vom
Podest. Bei den Damen schob sich Wipke Apholt sukzessive weiter nach vorne und
verwies Naomi Ventura auf den zweiten Rang.
Nicht nur das Wetter
Das geniale Wetter war sicher der
Hauptgrund für die zahlreichen Flüge. Aber auch andere Gründe trieben die Summe
der Streckenkilometer in die Höhe. Die komplizierte Dokumentation mit dem
Fotoapparat war nicht mehr notwendig. Sofort nachdem der Flug im Internet
eingegeben war, erschien auf dem Bildschirm schon die neue Rangliste, was den
Flugeifer anheizte. Aber auch die Änderungen der Flugaufgaben während dem Flug
erleichterten die Teilnahme. So konnte man einfach mal drauflos fliegen und
nachher schauen, wie viele Kilometer das ergab. Auch wurden kurze Flüge
eingegeben, für die der Aufwand früher zu gross war. Neu konnte ein Dreieck auf
dem Schenkel begonnen werden. Dies führte dieses Jahr zu den riesigen
FAI-Dreiecken, welche im Wallis, aber auch im Bündner Oberland und im Engadin
geflogen wurden. Eine kurze Rechnung zeigt, dass ein Fiescher 160-km-FAI-Dreieck
nach alter Regel etwa einem 200-km-Dreieck nach neuer Regel entspricht, denn
früher musste das Goms zweimal abgeflogen werden; einmal um die Startboje zu
holen und am Ende um die Aufgabe zu schliessen. Das ergibt etwa 40 km
zusätzlich. Die Erfassung mit dem GPS brachte aber auch den «Nachteil», dass
Luftraumverletzungen klar ersichtlich wurden. Deswegen wurden einige Flüge
gestrichen.
Fast alle Flüge im Wallis
Eigentlich könnte man den CCC auf das
Wallis beschränken, denn mehr als ein Drittel aller Flüge begann dort, oder von
53% der geflogenen Kilometer war der Start im Wallis. Betrachtet man nur Flüge
weiter als 100 km, so steigt die Zahl auf zwei Drittel resp. sogar auf drei
Viertel bei Flügen weiter als 150 km. In dieser Hinsicht ist die Leistung von
Alex Hofer besonders hoch einzustufen, denn er begann keinen seiner Flüge im
Wallis. Bravo!
Martin Gassner