CCC 2004
Ein spannender Finish

Mit nur knapp 9 Punkten Vorsprung gewann Alfredo Studer den Gleitschirm-CCC. Die entscheidenden Flüge gelangen ihm während der besten Fluglage dieses Jahr, Ende Juli. Dicht auf den Fersen folgt Europameister Chrigel Maurer, dessen Rekordflug über 323 km besonders hervorsticht. Ausgangspunkt seiner Flüge war der Niesen. Insgesamt sammelten die CCC-Piloten mit 1189 Flügen 76’530 km.

Martin Gassner Text und Grafiken | Paul Hasenfratz Karten

Einige sensationelle Lagen im Mai, Anfang Juni und Ende Juli prägten das CCC-Jahr 2004, aber auch lange Durststrecken. An insgesamt 98 Tagen waren CCC-Piloten unterwegs (nur gültige Flüge über 10 km wurden berücksichtigt), an 40 Tagen flog jemand weiter als 100 km und an 18 Tagen weiter als 150 km, 8 davon sogar über 200 km. Wie schon letztes Jahr gehörten 150 km Flüge auch dieses Jahr zu den Streichresultaten, genau genommen 9 Flüge. Die Summe der Flugkilometer widerspiegelt, was gefühlsmässig ohnehin klar ist: Der Sommer 2004 war nur halb so gut wie der vergangene Jahrhundertsommer 2003, respektive 76’530 km kamen zusammen gegenüber 135’383 km im letzten Jahr. Aneinandergereiht reicht dies knapp zweimal um die Erde. Vielleicht hatte die Reduktion auf nur 3 zählende Flüge auch einen Einfluss auf den Rückgang. Bei den Frauen ist der Einbruch nicht so ausgeprägt, flogen sie doch mit 5160 km beinahe die letztjährige Distanz.

Das Entrée
Strahlend eröffnete der Sonntag vom 28. März die CCC-Saison. Zahlreichen Piloten glückte der erste Streckenflug, und so summierten sich die geflogenen Distanzen auf 588 km. Fast ein Monat verging, bis die Flügel für weite Flüge starten konnten. Am 21. und 22. April gelangen zahlreiche mittlere und einige weite Flüge, im Tessin flog Beni Stocker gar über 150 km. Es dauerte nochmals einen Monat, bis sich die erste Hammerlage einstellte.

Die ersten Spitzen
Vom 18. bis am 20. Mai bestimmte ein umfangreiches Hochdruckgebiet mit Zentrum über dem Atlantik das Wetter mit trockener und warmer Luft. 101 Flüge wurden eingereicht, die sich auf 12’560 km summierten. Alfredo Studer realisierte mit 184 km den weitesten CCC-Flug vom Monte Lema in dieser Saison und Michael Huppert mit seinem Atos den weitesten Flug im Jura über 195 km, dies im Umfeld der Delta Club SM. Noch ein interessantes Detail: Kari Eisenhut und Martin Tanner flogen vom Niederhorn 160 km resp. 150 km weit in die Ostschweiz.
Fünf Tage später, am 25. Mai, sorgte ein flaches Hoch mit Zentrum über Schottland für die nächste Hammerlage. Sie dauerte nur gerade einen Tag, aber 1’751 km kamen in die Wertung. An diesem Tag gelang Chrigel Maurer erstmals ein weiter Flug vom Niesen; es war ein flaches Dreieck über 201 km.

Abb. 1: Tagessumme der CCC-Flugkilometer im Jahresverlauf.
 

Abb. 2: Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf.
 

Abb. 3: Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke (horizontale Achse), gemittelt über 10 km.
 

Abb. 5: Geflogene Routen der Starrflügler.
 

Abb. 6: Delta.
 

Abb. 7: Gleitschirm fun & safety.
 

Abb. 8: Gleitschirm open class.
 

Superlage Anfang Juni
Wiederum fünf Tage später, wie auf Pfingsten bestellt, stieg der Luftdruck an, und parallel dazu stiegen zahlreiche Piloten in die Höhe. Der guten Prognose zum Trotz blieben die Strecken im Mittelmass. Die folgende Spitzenlage hingegen heizte das Rennen dramatisch an: Als Auftakt wiederholte Chrigel Maurer am 7. Juni sein flaches Dreieck vom Niesen und flog wiederum 200 km. Tags darauf versuchte er es gleich nochmals und erreichte weitere 192 km. Auch Beni Stocker gelang im Wallis ein respektabler Flug von 190 km das ganze Wallis hinunter. Am 9. Juni erprobten Alfredo Studer und André Bussmann ein riesiges FAI-Dreieck im Engadin und erreichten 183 km resp. 181 km. Am 10. Juni änderte Chrigel Maurer seine Route, flog vom Niesen ins Wallis hinüber und, unterstützt vom langsam aufkommenden Westwind, weiter über Furka, Oberalp bis über die Grenze nach Österreich. Zusammen mit den beiden vorangegangenen Flügen katapultierten ihn die geflogenen 323 km fast uneinholbar an die Spitze des CCC. Wird er den Vorsprung halten können? Die Wetterlage war wirklich gut, erflogen doch 83 Piloten in 105 Flügen 8’785 km, und das während der Woche.

Lange Durststrecke
Bis Ende Juli bot der Sommer 2004 keine nennenswerten Flugtage mehr. Einzig die beiden Flüge von Michael Witschi und Alex Hofer vom 30. Juni leuchten aus dieser eher trüben Periode hervor. Vom Bettmerhorn im Wallis flogen die Beiden ins Engadin und weiter Richtung Landeck resp. Bozen. Während einem weiteren Lichtblick packte Jürg Ris am 17. Juli die Gelegenheit und steuerte seinen Atos das ganze Wallis hinauf und hinunter. Bis auf 259 km konnte er das flache Dreieck ausdehnen. Mit diesem Flug übernahm er im Klassement der Starrflügler die Spitzenposition, die ihm niemand mehr streitig machen wollte.

Entscheidung fiel Anfang August
Als sich während den Hundstagen die obligate Hammerlage einstellte, glaubte eigentlich niemand mehr, dass sich an der Spitze der Gleitschirm-Rangliste noch etwas ändern würde – zu gross war der Vorsprung von Chrigel Maurer. Doch Flug für Flug kämpfte sich der letztjährige Sieger Alfredo Studer nach vorne, erstmals am 29. Juli. Ein Tief war gerade nach Osten abgezogen und machte einem flachen Hoch Platz. Allerdings blieb eine mässige Westströmung über der Schweiz bestehen. Geschickt umkurvte er alle Absauf-Fallen. Am 1. August gelang ihm dann der entscheidende Flug, der ihn an die Spitze brachte: Ein FAI-Dreieck über 210 km. Chrigel Maurer konnte das nicht untätig hinnehmen, schwang sich am 2. August vom Niesen in die Luft, flog wiederum ins Wallis und weiter über den Nufenen ins Misox, 235 km weit. Gerade 6 km fehlten ihm, um den Sieg im Gleitschirm-CCC zurückerobern zu können. Bei den Frauen war die Entscheidung weniger dramatisch, lag doch Wibke Apholt schon vorher an der Spitze.
Die Periode vom 28. Juli bis 3. August war die Fluglage dieses Sommers schlechthin. 132 Piloten waren in der Luft, absolvierten 236 Flüge, flogen zusammen 19’237 km und sammelten 33’093 Punkte. Gigantisch!

Verschiedene Regionen
Nach wie vor gelingen die meisten weiten Flüge im Wallis. Konkret flogen 13 von 23 Piloten insgesamt 51 150km-Flüge in diesem Kanton. Alternativen gibt es aber auch in anderen Regionen. Prominentestes Beispiel ist der Niesen im Berner Oberland, wo Chrigel Maurer zu all seinen Flügen startete. Im Engadin realisierten Alfredo Studer und André Bussmann ein spektakuläres FAI-Dreieck, das noch Potential für zusätzliche Kilometer aufweist. Im Tessin ist der Monte Lema ein beliebter Ausgangsort. Bei idealen Bedingungen sind auch in den Voralpen weite Flüge möglich, wie zum Beispiel Kari Eisenhut mit seinem Flug vom Niederhorn bewiesen hat.

Übrigens
Die Wetterlagen waren oft nur für Spitzenpiloten ideal. Zum Beispiel blies in der Periode vom 28. Juli bis 3. August ein starker Westwind, weshalb viele Piloten frühzeitig umkehrten. In der Verteilung fällt das «Windloch» bei 140 km auf. 100 km legten relativ viele Piloten zurück, weiter flogen nur Toppiloten, für die der Wind kein Problem war – dann aber 170 km und mehr. Übrigens herrschte diesen Sommer jeweils am Mittwoch das beste Streckenflugwetter, gelangen doch 12 Flüge über 150 km an diesem Wochentag, gefolgt vom Donnerstag und Freitag.

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