Insgesamt sammelten die CCC-Piloten und -Pilotinnen mit 1711 Flügen 125’431 km, wobei die Frauen 5519 km beitrugen. Die ganz grossen Rekorde blieben zwar aus, doch gelangen einige sensationelle Flüge.
Martin Gassner Text und Abbildungen, Pauli Hasenfratz Landkarten
Gute Lagen im Frühjahr und im Spätsommer prägten die vergangene Flugsaison. Im Juni und im Juli verlief das Wetter asynchron zu den Wochenenden, weshalb nur wenige Piloten von den vereinzelten Zwischenhochs während der Wochentage profitieren konnten. Doch der Flugwille war enorm: Mit 125’431 km erflogen 340 Piloten fast die Strecke des Jahrhundertsommers 2003. An 108 Tagen war Streckenflugwetter, an 51 Tagen herrschte 100- km-, an 30 Tagen 150-km- und an 14 Tagen gar 200-km-Wetter. Beeindruckend auch die Anzahl der Flüge: von insgesamt 1711 Flügen waren 415 weiter als 100 km, 102 weiter als 150 km und 21 weiter als 200 km.
Erstes
Zückerchen
Bereits Mitte März
lockte die erste Frühlingswärme zahlreiche Piloten hinter dem Ofen hervor. Auf
fast 1800 km summierte sich das Vergnügen am Sonntag 19. März. Eine Steigerung
erfolgte am ersten April-Wochenende sowohl in der Anzahl Flüge als auch in den
geflogenen Kilometern. Ein flaches Hoch über Osteuropa hatte trockene Polarluft
in die Schweiz gesteuert. 116 Piloten legten in 152 Flügen 9824 km zurück. 15
Flüge erstreckten sich über mehr als 100 km, ein Starrflügler erreichte schon
fast 200 km. Im Jura und im Tessin herrschten die besten Bedingungen, gelangen
doch die weiten Strecken ausschliesslich in diesen Regionen.
Der ganz
grosse Hammer
Der ganz grosse
Hammer waren die ersten Sommertage am Wochenende vom 1. Mai. 189 Streckenpiloten
genossen die herrlichen Bedingungen und legten mit 244 Flügen zusammen 21’198 km
zurück. Das Wetterrezept sah wie folgt aus: Eine flache Hochdruckzone fast ohne
Druckgegensätze, eine warme und labile Luftmasse und kleine Cumuli infolge der
geringen Feuchte. Wenn sich dieser Mix nur öfter anrühren liesse! In diesen
Verhältnissen realisierte Beni Stocker zwei Traumflüge: Am Samstag flog er aus
der Gegend von Verbier nördlich am Mont Blanc vorbei Richtung Westen ein Stück
über Grenoble hinaus, insgesamt 203 km weit. Zurück in Chamonix startete er am
Sonntag zu einem Flug das gesamte Wallis hinauf und weiter über Furka, Oberalp
bis nach Chur, was eine Strecke von 238 km ergab. Nur Chrigel Maurer flog diese
Saison mit dem Gleitschirm noch ein Spürchen weiter. Auch Kari Eisenhut gelang
am Sonntag ein besonderer Flug. Von der Mäggisserenalp oberhalb von Frutigen
steuerte er zuerst nach Westen Richtung Lenk, bevor er den Voralpen entlang bis
ins liechtensteinische Triesen flog. In der Kategorie Starrflügler legte Jürg
Ris am Samstag den Grundstein zum Sieg: Mit 286 km legte er den weitesten Flug
während des gesamten CCC 2005 zurück. Das flache Dreieck eröffnete er in der
Nähe von Moutier, wendete erstmals in Olten, um der Jurakette zu folgen und in
der Nähe des Lac de Joux ein zweites Mal zu wenden. Am Sonntag flog Tony Marti
ein bemerkenswertes FAI-Dreieck, das ihn von Fanas aus ins hinterste Eck des
Prättigaus, ins Valsertal und über die Churfirsten führte. Mit diesem
200-km-Flug setzte er sich an die Spitze der Delta-Kategorie, die er
unangefochten bis zum Schluss halten konnte.
Auf die nächste Hammerlage mussten die Streckenjäger fast einen Monat warten.
Endlich dehnte sich Ende Mai ein Hochdruckgebiet von Polen bis zu den Alpen aus
und brachte hochsommerliche Temperaturen, wie sie für den Mai nur selten
vorkommen. 185 Piloten waren während den vier Tagen vom Donnerstag bis am
Sonntag 29. Mai in der Luft und legten mit 271 Flügen 22’778 km zurück. Ein
erstes Highlight setzte Ulf Hügel am Donnerstag, als er von Fanas aus via
Montafon ins Unterengadin und über den Julierpass wieder zurück flog, was ein
246 km grosses FAI-Dreieck ergab. Am Freitag glückte Chrigel Maurer ein
FAI-Dreieck über 208 km. Die Eckpunkte legte er nördlich der Ortschaft Les
Diablerets, eingangs Binntal und nördlich von Thun schon fast im Flachland
draussen. Bei den Gleitschirm-Damen hatte Wibke Apholt bereits so viele Punkte
gesammelt, dass ihr, obwohl sie unfallbedingt nicht mehr fliegen konnte, niemand
mehr den Sieg streitig machen konnte.
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Abb. 1:
Tagessumme der CCC-Flugkilometer im Jahresverlauf. |
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Abb. 2:
Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf.
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Abb. 3:
Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke (horizontale
Achse), gemittelt über 10 km. |
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Abb. 4:
Streudiagramm Distanz versus Geschwindigkeit. Grau schattiert ist die
Flugzeit hinterlegt. |
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Abb. 5: FAI
1 (Flex): Toni Marty rot/orange, Reto Dettli schwarz/violett, Christian
Voiblet grün/schwarz. |
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Abb. 6: FAI
3 (Gleitschirm) open class: Chrigel Maurer. |
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Abb. 7: FAI
3 (Gleitschirm) open class: Alfredo Studer. |
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Abb. 8: FAI
3 (Gleitschirm) open class: Beni Stocker. |
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Abb. 9: FAI
5 (Starr): Jürg Ris rot/orange, Ulf Hügel blau/hellblau, Michael Huppert
schwarz. |
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Kurze
Lichtblicke
Der Juni begann
trist, kaum ein Flug über 100 km war möglich. Am 21. Juni stimmte der Wettermix
wieder, den Chrigel Maurer zu einem flachen Dreieck vom Niesen aus den Voralpen
entlang nutzte. Die geflogenen 240 km entpuppten sich als Saisonrekord in der
Kategorie Gleitschirm-Open.
Am Sonntag 26. Juni bot ein Hoch gute Flugbedingungen, die sich noch in die
folgende Woche erstreckten. Deutlich zeigt sich hier der Wochenendeffekt: Am
Sonntag summierten sich die 40 Flüge auf 3399 km, am Montag hingegen ergaben die
16 Flüge nur noch 1393 km. Alfredo Studer packte am Sonntag die Gelegenheit und
realisierte im Wallis ein FAI-Dreieck über 202 km. Damit übernahm er kurzzeitig
die Führung im CCC-Gleitschirm-Open. Doch am Montag überholte ihn Chrigel Maurer
mit einem Flug über 218 km vom Niesen ins Tessin.
Wo bleibt
der Sommer?
Die letzte
Spitzenlage vor einer langen Durststrecke baute sich am 14. Juli auf. In 42
Flügen kamen 4317 km zusammen. Mit wenigen Ausnahmen erfolgten diese Flüge aber
ausschliesslich im Wallis. Eine dieser Ausnahmen war Manuel Croci mit einem
209-km-FAI-Dreieck. Entlang der Route von Chrigel Maurer querte er via Les
Diablerets ins Wallis, wo er weit hinten im Saasertal den zweiten Wendepunkt
setzte. Knapp schaffte er den Rückflug ins Berner Oberland, wo die Thermik
deutlich schlechter war. Trotz relativ kräftiger Winde gelang Jürg Ris am 27.
und am 28. Juli je ein flaches Dreieck mit den Eckpunkten Goppenstein und Flims.
Diese beiden Flüge bedeuteten den Sieg in der Kategorie Starrflügler.
Nachdem die Hundstage, die oft mit den besten Fluglagen im Jahr brillieren, nass
und trüb vorbeigegangen waren, baute sich Ende August ein Hoch über
Zentraleuropa auf. 63 Piloten nutzten die warme und trockene Luft im Alpenraum
und flogen während zwei Tagen mit 74 Flügen 7653 km. Den knappen Vorsprung von 4
Punkten konnte Chrigel Maurer mit zwei Rekordflügen klar ausbauen. Am 30. August
flog er ein FAI-Dreieck über 226 km und am 31. August flog er von Fiesch nach
Flims und zurück, womit ihm der Sieg in der Open-Kategorie sicher war.
Den Genussfliegern bot ein Hoch über Polen am 3./4. September ein letztes
Streckenflugwochenende. Spitzendistanzen blieben zwar aus, doch kamen immerhin
mit 99 Flügen 8299 km zusammen.
Nicht nur im
Wallis
Bisher war das Wallis die reichhaltigste Quelle für CCC-Punkte. Mehr und
mehr zeigt sich jedoch, dass das Wallis für ganz grosse Flüge zu klein wird.
Diese Saison offenbarten auch andere Gebiete ihr Potential. So begannen etwa 30%
der Flüge im Wallis und je etwa 20% in den Ostalpen, in den Berner- und
Zentralalpen und im Jura. Sicher gelangen dank den guten Lagen im Frühjahr in
den Voralpen und im Jura zahlreichere und weitere Flüge. Umgekehrt fehlten die
für die Hundstage so typischen Hammerlagen, was die Streckenkilometer in den
Hochalpen reduzierte.
Geschwindigkeit, der Schlüssel zu weiten Strecken
In Abbildung 4 sind alle Flüge in einem Streudiagramm mit der Distanz als
X-Achse und der Geschwindigkeit als Y-Achse aufgezeichnet. Grob lassen sich zwei
Bereiche unterscheiden, der Absauf- und Ausdauerbereich und der
Schnellflugbereich. Im Absauf- und Ausdauerbereich, der sich unterhalb 150 km
Flugdistanz befindet, gelingen die weiten Flüge mit dem Geschick nicht
frühzeitig landen zu müssen, und mit dem Willen, bis zum Ziel durchzuhalten. Im
Schnellflugbereich gelingen die ganz weiten Flüge nur dank einer höheren
Reisegeschwindigkeit. Wer pro Stunde 20 km schafft, kann bei 10 Stunden
Thermikdauer 200km weit fliegen. Mit 25km pro Stunde wären 250km möglich. Hier
kommt eine lineare Gesetzmässigkeit zum Tragen. Schlüssel zu höherer
Fluggeschwindigkeit sind abgesehen von leistungsfähigeren Gleitern bessere
Flugfertigkeiten, präzisere Gebietskenntnisse und eine ausgefeiltere Flugtaktik.
Die Entwicklung der letzten Jahre beweist, dass hier Verbesserungen möglich
sind. Wer hätte vor zehn Jahren, als Hansjörg Truttmann mit seinem Flug über
261 km die Hängegleiterpiloten in Staunen versetzte, gedacht, dass solche Flüge
heute Bedingung sind, um im CCC in den vorderen Rängen mitmischen zu können?
Links:
http://www.meteoschweiz.ch/web/de/wetter/wetterereignisse.html
http://www.chilloutmeteo.com/contx.php?CID=174