CCC 2006

Die CCC-Piloten und Pilotinnen übertrafen den Jahrhundertsommer 2003 in allen Belangen. Sie sammelten mit 2160 Flügen 154'081 km, wobei die Frauen 7'323 km beitrugen. Erstmals war das Wallis zu klein für die grössten FAI-Dreiecke von Chrigel Maurer und Jürg Ris.

Martin Gassner

Mit der Flugsaison 2006 verbinden sich in erster Linie das abrupte Ende des Sommers und der nasse August. Begonnen hatte sie mit einem Höhepunkt im April und endete wiederum mit einer Spitzenlage. Gute Lagen bauten sich aber auch Anfang Mai und Mitte Juni auf. Mit 154'081 km übertrafen die 412 Piloten die Strecke des Jahrhundertsommers 2003 deutlich. An 116 Tagen erzielten sie CCC-Punkte, an 49 Tagen übertrafen sie 100 km, an 31 Tagen 150 km und an 16 Tagen gar 200 km. Beeindruckend auch die Anzahl der Flüge: Von insgesamt 2'160 Flügen waren 516 weiter als 100 km, 196 waren weiter als 150 km, und 46 gar weiter als 200 km. Es gelangen also mehr als doppelt so viele 200er als letztes Jahr! Mit 32 Flügen war Marcel Dettling der fleissigste Flieger. Mit 3325 km hat er mehr als 2% zur CCC-Gesamtstrecke beigetragen. Noch eine interessante Zahl: Insgesamt waren die Piloten 7469 Stunden in der Luft, was mehr als 311 Tagen entspricht.

Thermik für alle
Trotz dem vielen Schnee gelangen schon im März die ersten kürzeren Flüge. Anfang April gab es bereits einige passable Streckenlagen. So nutzte Claudio Vosti am 4. April ein kurzes Zwischenhoch für den ersten 100-km-Flug. Auch im folgenden eher wechselhaften Wetter gelangen noch einige ansprechende Flüge. Die grosse Superlativen bauten sich dann am 21. und 22. April auf. Ein flaches Hoch über Zentraleuropa blockierte einen Tiefdruckwirbel über dem östlichen Atlantik. In der Südwest- bis Südströmung entwickelte sich herrliche Thermik. Schon die Tage davor boten einiges, waren doch schon einige Flüge weiter als 150 km. Gar mancher realisierte den ersten 100er. Am Freitag, dem 21. April, kamen insgesamt 6457 km zusammen, was abgesehen vom folgenden Samstag nur noch einmal übertroffen werden sollte. An diesem Tag bot vor allem der Jura fabelhafte Bedingungen, flog doch Martin Tanner ein flaches Dreieck von 167 km. Der 22. April lockte dann auch den letzten Stubenhocker unter die Wolkenbasis: 121 Flüge mit einer Gesamtsumme von 9136 km! Mehr als die Hälfte dieser Flüge erfolgte in Graubünden, da die aufkommenden Gewitter diese Region erst gegen Abend erreichten. Für die ganz grossen Aufgaben war aber doch zu früh Schluss mit der Thermik. Immerhin war der weiteste Flug von Patrick Saluz doch 175 km. Für eine herausragende Leistung sorgte aber Anja Kroll. Mit einer Strecke von 173 km flog sie in der Kategorie Damen schon so früh in der Saison den viertweitesten Flug im Jahr.
Eine Kaltfront beendete diesen kurzen Vorsommer. Es folgte wechselhaftes, eher zu nasses Wetter. Am 30. April flog Christian Voiblet mit seinem Delta im Jura ein flaches Dreieck von 220 km. Ein Jojo über 278 km von Toni Marty im Bündnerland und ein flaches Dreieck über 234 km von Francis Gafner im Jura, ebenfalls beide mit dem Delta, waren am 4. Mai die besten Resultate. Thomas Koster gelang am 7. Mai im Bündnerland ein bemerkenswertes FAI-Dreieck über 175 km.

Gute Lagen im Juni
Regenwolken beeindruckten die Sonne während den folgenden Tagen. Verschüchtert zeigte sie sich eher selten. Anfang Juni übernahm mehrheitlich ein Hoch das Regime und gab der Sonne wieder mehr Raum. Mit der kräftigen Bise trat aber ein weiterer Gegenspieler auf die Bühne. Vereinzelt waren dennoch gute Flüge möglich, wenn die Bise etwas nachliess. Erst mit dem Ende der Bise stiegen die Temperaturen langsam an, und der erste Hitzetag am 13. Juni offerierte auch prompt gute Thermik. Die Piloten liessen sich das nicht zweimal sagen und erflogen 6178 km - und erst noch an einem Wochentag. Eine deutliche Bestmarke setzte Ausnahmetalent Chrigel Maurer mit einem flachen Dreieck über 248 km, das ihn vom Niesen zum Pilatus und weiter bis nach Engelberg führte. Am anderen Ende der Schweiz, im Bündnerland, realisierte Thomas Koster sein zweites FAI-Dreieck über 193 km. Im Jura vergrösserte Francis Gafner mit dem Delta sein flaches Dreieck auf 242 km. Am Mittwoch, 14. Juni, legten die Piloten gar 6867 km zurück. Adrian Lutz und Marcel Dettling gelangen im Wallis erstmals 200-km-FAI-Dreiecke in der Fun&Safety-Klasse.
Das Hoch verflachte sich dann rasch. Aus Südwesten floss schwülwarme und gewittrige Luft in die Schweiz. Mit Streckenfliegen war es für eine Weile vorbei. Anfang Juli steuerte ein Hoch über der Ostsee vorübergehend trockenere Luft gegen den Alpenraum. Doch nur im Wallis reichte es Manuel Croci und Alfredo Studer für ein 200-km-FAI-Dreieck. Mit dem Delta flog Beat Spengler knapp 200 km. Mit diesem Flug übernahm er die Führung in der Kategorie Delta, die er bis zum Ende der Saison halten konnte. Anschliessend wurde es wieder gewittrig mit zum Teil ergiebigen Niederschlägen. Wiederum nur einen kurzen Lichtblick brachte ein Hoch am 10. Juli. Die Bedingungen waren gut, aber nicht ideal. Immerhin kamen 4506 km zusammen. Das Hoch verlagerte sich anschliessend zur Nordsee, und die aufkommende Bise blies die feuchte Gewitterluft fort. Doch war die Bise für weite Flüge zu stark.

Abb.1: Tagessumme der CCC-Flugkilometer im Jahresverlauf.
 

Abb.2: Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf.
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Abb.3: Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke (horizontale Achse), gemittelt über 10 km.
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Abb.4: Streudiagramm Distanz versus Geschwindigkeit. Grau schattiert ist die Flugzeit hinterlegt.
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FAI-Bedingungen
Erst als sich das Hoch etwas abbaute, verbesserten sich die Flugbedingungen. Es bildeten sich sogar jene Verhältnisse, in welchen die CCC-Entscheidungen fallen sollten. Ab dem 16. Juli wuchs die Summe der geflogenen Kilometer stetig. Am 19. Juli stieg sie schliesslich auf den zweithöchsten Wert im Jahr. Parallel dazu gelangen zunehmend weitere Strecken. Es kam die Periode der 200-km-FAI-Dreiecke schlechthin, flogen doch insgesamt zwölf Gleitschirmpiloten, darunter vier in der Fun&Safety-Klasse und sechs Deltapiloten diese Aufgabe. Das 265-km-FAI-Dreieck von Chrigel Maurer bildete einen Höhepunkt. Auf dem Kühboden gestartet wendete er erstmals knapp hinter dem Furkapass, flog das Wallis hinunter, überquerte bei der Plaine Morte den Hauptkamm der Berner Alpen, um vor Chateau-d'Oex die zweite Boje zu umrunden. Zurück im Wallis folgte er der Standardroute bis zuhinterst ins Saasertal. Bei den Damen flog Pia Oechslin ein 179-km-FAI-Dreieck und realisierte damit den Damen-Streckenrekord. Erwähnt werden sollte auch das FAI-Dreieck über 211 km von Adrian Lutz, der damit einen Rekord in der Fun&Safety-Klasse aufgestellt hat. Im Klassement behielt er immer knapp die Nase vorn und holte sich auch den Sieg.

Unerwarteter Endspurt
Am 20. Juli war Schluss mit den FAI-Dreiecken. Chrigel Maurer zog von Fiesch Richtung Osten bis über die Grenze nach Österreich hinaus und kehrte bis ins Oberengadin zurück. Das ergab 288 km. Auch Stefan Schmocker flog in diese Richtung 252 km weit. Damit setzten sich die beiden an die Spitze in der Gleitschirm-Open-Klasse. Das Hoch zog im Laufe des Tages nach Osten ab und machte feuchtheisser Luft aus Spanien Platz. Vor allem im Alpenraum bildeten sich Überentwicklungen und Gewitter. Das hielt die Streckenjäger aber nicht zurück. Am 22. Juli machte Jürg Ris mit seinem Atos einen Spaziergang über 258 km. Gerade mal fünf Stunden benötigte er dazu und erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 51.6 km/h. Niemand war je schneller geflogen. Angespornt vom Sensationsdreieck von Chrigel Maurer versuchte er zwei Tage später eine analoge Aufgabe, welche er seinem Fluggerät entsprechend erweitert hatte. Das Resultat war ein FAI-Dreieck über 358 km. Von Fiesch flog er nach Disentis und zurück und weiter über die Berner Alpen bis nach Gruyère. Der dritte Wendepunkt schliesslich führte auch ihn bis zuhinterst im Saasertal. Damit war ihm der Sieg in der Kategorie Starrflügler sicher. Die Entscheidung in der Gleitschirm-Open-Klasse fiel am 24. Juli. Stefan Schmocker konnte mit einem FAI-Dreieck von 229 km seine Führungsposition vor Chrigel Maurer ausbauen. Mit einem Vorsprung von 1.5 Punkten erkämpfte sich Michael Sigel den dritten Rang. Sein FAI-Dreieck war knappe 5 km grösser als jenes von Alfredo Studer. Den Sieg bei den Damen sicherte sich Wipke Apholt mit einem FAI-Dreieck über 177 km.

Ende Sommer
Wer auf die Hundstage im August gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Ein Regentag folgte dem anderen. Keine Möglichkeit bot sich mehr, CCC-Punkte zu jagen.
Nach dieser Saison entsteht der Eindruck, dass ausschliesslich FAI-Dreiecke geflogen wurden. Über alle Flüge betrachtet täuscht das; nur 14% aller Flüge sind FAI-Dreiecke. Im Bereich 200 km bis 250 km hingegen wurden fast doppelt so viele FAI-Dreiecke geflogen wie alle anderen Aufgaben zusammen. FAI-Dreiecke über 200 km sind mittlerweile Bedingung, um in den ersten Rängen dabei zu sein. Die freie Strecke über 252 km zum Beispiel, die Stefan Schmocker geflogen hatte, war am Schluss nur ein Streichresultat.

Links:
http://www2.onlinecontest.org/holc/2006/dailyscore.php

http://www.meteoschweiz.ch/web/de/wetter/wetterereignisse.html
http://www.sf.tv/sfmeteo/diverses_archiv.php  

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