
Der Sommer fand im April statt
CCC 2007
Ein fabelhafter April mit zahlreichen Rekorden eröffnete die Saison. Am 22. April flogen die CCC-Piloten über 14'000 km. Wolken folgten, unterbrochen durch nur vereinzelte Aufhellungen. Dennoch gab's gesamthaft 14 Flüge über 200 km. Total sammelten die Piloten mit 2142 Flügen 117'568 km, wobei die Frauen 5237 km beitrugen.
Martin Gassner
Kommt er noch der Sommer? Während der Flugsaison 2007 drückte diese Frage die Piloten mehr und mehr. Der heisse April weckte zwar anfangs grösste Erwartungen. Erinnerungen an den Hitzesommer 2003 stiegen auf. Aber auch das schlechte Gewissen regte sich, nichts gegen die Klimaerwärmung unternommen zu haben. Doch es kam anders: Feuchtphase reihte sich an Feuchtphase, ohne nur ein stabiles Hoch dazwischen. Natürlich wirkte sich das auf die CCC-Flüge aus. Grosse Strecken gelangen selten, und die mittlere Fluggeschwindigkeit nahm ab. Durchschnittlich flogen die Gleitschirmpiloten 17,76 km/h schnell; letztes Jahr waren sie mit 20,63 km/h unterwegs. Auch unter den zehn bestplatzierten Gleitschirmpiloten zeigte sich diese Tendenz, wenn auch nur schwach ausgeprägt: 20,66 km/h gegenüber 20,85 km im letzten Jahr.
Weniger FAI-Dreiecke
Dieses Jahr
änderte das Reglement: Die Gewichtung der FAI-Dreiecke wurde von einem Faktor 2
auf 1,4 gesenkt. Damit gewann die freie Strecke wieder an Attraktivität. Die
zehn bestplatzierten Gleitschirmpiloten flogen etwa um einen Drittel mehr freie
Strecken und nur noch halb so viele FAI-Dreiecke wie letztes Jahr. Dennoch
dominierten unter den Erstplatzierten die FAI-Dreiecke.
Die Zahlen
Im CCC 2007 legten
353 Piloten insgesamt 117'568 km zurück. Das ist etwa ein Viertel weniger als im
Vorjahr. Zwar gab's 155 Flugtage; Gelegenheiten für weite Flüge waren aber im
Vergleich selten. So übertrafen sie an 48 Tagen 100 km, an 20 Tagen 150 km und
nur an 8 Tagen 200 km. Letztes Jahr gelangen an 16 Tagen Flüge weiter als 200
km. Die Anzahl der Flüge blieb mehr oder weniger konstant. Aber wie schon
angedeutet, gab es weniger weite Flüge, was auch in Abbildung 3 sichtbar wird.
Von insgesamt 2142 Flügen waren 268 weiter als 100 km, 67 waren weiter als 150
km und 14 weiter als 200 km. Letztes Jahr waren es noch 46 gewesen, also mehr
als dreimal so viele. Noch einige Details: Mit je 25 Flügen waren Roger Richner
und Matthias Mika die fleissigsten Flieger. Knapp 2% der CCC-Gesamtstrecke gehen
auf das Konto von Martin Bühler, welcher mit 16 Flügen insgesamt 2305 km
beitrug. Die gesamte Flugzeit aller Piloten betrug 6539 Stunden. Im Vergleich
dazu waren sie letztes Jahr 7469 Stunden unterwegs. Mit einem Flug von 9 Stunden
38 Minuten bewies Thomas Koster die grösste Ausdauer.
Heisser Auftakt
Eigentlich hatte
die neue CCC-Flugsaison schon im Oktober 2006 begonnen. Trotz des milden Winters
gelangen bis Mitte Februar keine nennenswerten Distanzen. In übermässig warmem
und strahlendem Sonnenschein liess sich Stefan Hollenstein am 22. Februar zu
einem Jojo-Flug über 85 km beflügeln. Auch der März geizte nicht mit Wärme. So
konnte Stefan Schmoker am 16. März beweisen, dass selbst im astronomischen
Winter 170 km möglich sind. Den ersten Grundstein zu seinem Erfolg hatte er
damit bereits gelegt.
Als die Meteorologen für Ostern sonniges und mildes Wetter ankündigten, hätte
wohl niemand gedacht, dass dies der Auftakt zum Sommer sein würde. Eine kurze
Labilisierung sorgte am Ostersamstag für phantastische Flugbedingungen. Und
schon folgten - niemand hätte das so früh im Jahr erwartet - die ersten Rekorde:
Im Jura flog Christian Voiblet mit seinem Delta ein flaches Dreieck von 275,5
km, das nicht mehr überboten werden sollte. Im Wallis realisierte Michael Sigel
in der Gleitschirm-Open Kategorie ein erstes Spitzenresultat mit einem Flug über
200 km. Insgesamt sammelten am 7. April 97 Piloten 6040 km. Am Ostersonntag
dämpfte kurzfristig eine garstige Hochnebelschicht die Flugfreuden. Aber bereits
der Ostermontag bot wieder herrliche Thermik. Grosse Spitzenresultate blieben
zwar aus, dennoch legten die 96 Flieger 6210 km zurück, darunter 5 Flüge weiter
als 150 km.
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Abb. 1:
Tagessumme der CCC-Flugkilometer im Jahresverlauf. |
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Abb.
2: Weiteste Flüge pro Flugtag im Jahresverlauf. |
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Abb.
3: Anzahl Flüge (vertikale Achse) über eine bestimmte Strecke (horizontale
Achse), gemittelt über 10 km. |
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Abb.
4: Streudiagramm Distanz versus Geschwindigkeit. Grau schattiert ist die
Flugzeit hinterlegt. |
Sommer im April
Auch in den
folgenden Tagen hielt das sonnige, frühlingshafte Wetter an. Für einen neuen
Rekord sorgte der 13. April, der als frühester Sommertag - Tag mit Temperaturen
über 25°C – in die meteorologischen Jahrbücher
eingetragen wurde. Am Wochenende stiegen die Temperaturen noch weiter an. Trotz
schöner Cumuli blieben die Flüge im Rahmen; am Samstag kamen mit 72 Flügen 5667
km und am Sonntag mit 75 Flügen 3899 km zusammen. Am Montag kehrten alle Piloten
zur Arbeit zurück. Das heisse Wetter jedoch dauerte an. Eine Kaltfront streifte
kurz die Alpennordseite. Auf das Wochenende vom 21./22. April folgte ein neues
Hoch mit traumhaften Verhältnissen. Schon am Freitag gelang Stefan Schmoker im
Wallis ein 200 km-FAI-Dreieck. Tags darauf zeigte Martin Bühler, welche
Möglichkeiten Graubünden bietet. An diesem Wochenende punktete er zweimal mit je
einem FAI-Dreieck. Beim zweiten Versuch am Sonntag konnte er sich auf 204 km
steigern, indem ihm auch noch der Sprung zurück ins Prättigau glückte. Im Berner
Oberland war wiederum Stefan Schmoker mit einem FAI-Dreieck von knapp 200 km
erfolgreich. Auch Regula Strasser konnte dort ihren Vortagesflug um 13 km
steigern und erzielte ein flaches Dreieck von hervorragenden 136 km. Im Jura
flog Christian Voiblet erneut ein flaches Dreieck von 258 km. Das
Spitzenwochenende unterstreicht auch die Gesamtleistung aller Piloten, flogen
sie doch am Samstag mit 75 Flügen 5374 km und am Sonntag, als wahrscheinlich
alle Streckenfluggleitschirme gelüftet wurden, mit 159 Flügen gar 14'001 km.
Bilanz
Es blieb zwar noch
einige Tage heiss und vorwiegend sonnig, die zahlreichen Gewitter in den Bergen
verhinderten aber die Gelegenheiten für Distanzflüge. Schliesslich beendete
kaltes, unbeständiges Wetter den vorzeitigen Sommer. Gute Flugtage wurden rar.
Wer im April mit guten Flügen punkten konnte, hatte im CCC einen Spitzenplatz
auf sicher; eine Steigerung war kaum mehr möglich. Das Zwischenresultat lautete
wie folgt: Beim Gleitschirm Open lag Martin Bühler vor Michael Sigel. Stefan
Schmoker hatte erst drei Flüge eingegeben und lag auf Platz 4. In der Fun-Klasse
lag Stefan Hollenstein vor Rolf von Arx. Bei den Frauen belegte Regula Strasser
vor «Cloudgirl», so ihr XContest-Name, Clarina Barell den ersten Platz. Noch
nicht mit von der Partie waren Thomas Koster, Adrian Lutz und Cornelia Voigt,
welche die wenigen noch kommenden Gelegenheiten für einen Sprung an die Spitze
nutzen konnten. Bei den Deltisten und Starrflüglern lagen bereits die kommenden
Sieger Christian Voiblet und Ulf Hügel vorn.
Wolken
Mitte Mai bildete
sich eine Hochdruckbrücke zwischen dem Azorenhoch und einem Hoch über Osteuropa.
Als es sich am 19. Mai langsam wieder abbaute, entstanden günstige, labile
Verhältnisse. Diesmal war es Thomas Koster, der das Bündner FAI-Dreieck über 200
km von Fanas aus realisierte. Fünf Tage später am 24. Mai gelang Stefan Schmoker
nochmals eine abgekürzte Variante mit 144 km, womit er die Führung im Klassement
übernahm. Thomas Koster zog es mehr Richtung Alpstein. Er konnte ein flaches
Dreieck über 161 km verbuchen und rückte damit in der Open-Klasse bereits an
vierte Stelle vor. Im Berner Oberland flog Cornelia Voigt ein flaches Dreieck
über 124 km, was sie auf Platz 3 brachte.
Aufhellungen
Dann war es für
mehrere Tage ruhig am CCC-Himmel. Am 10. Juni drückte wieder einmal die Sonne
durch und lockte zahlreiche Piloten in die Berge. Während sich in der Nord- und
Westschweiz zum Teil heftige Gewitter entluden, herrschten in Graubünden
ansprechbare Verhältnisse. Einige Piloten versuchten das Bündner FAI-Dreieck,
jedoch ohne Erfolg. Immerhin schaffte Martin Bühler 153 km, ein Lichtstrahl im
Dunkel, denn bis zur nächsten Streckenfluglage dauerte es mehr als einen Monat!
Endlich, am 14. Juli, legte sich ein Ausläufer des Azorenhochs über die Alpen
und sorgte für sonniges Sommerwetter mit Temperaturen bis 33°C. Sofort kurvten
auch die Streckenjäger über die Berggipfel im Wallis. Die 77 Flüge beliefen sich
auf 4755 km. Die grössten Strecken legten Christian Voiblet mit dem Delta und
Martin Bühler mit dem Gleitschirm zurück. Beide flogen ein flaches Dreieck von
202 km resp. von 168 km. Martin Bühler reichte dies, um mit wenigen Punkten
Vorsprung die Spitze im Klassement zurückzuerobern.
Erneut Wolken
Wieder zogen
Wolken auf und dämpften die Flugfreuden für mehrere Tage. Dank einem Hoch, das
sich von Frankreich bis nach Tschechien erstreckte, dominierte am 26. Juli
blauer Himmel, verziert mit einigen Cumulus-Wolken. Während die übrigen Flüge
eher bescheiden endeten, gelang Thomas Koster mit Unterstützung durch Rückenwind
ein Flug bis nach Sölden in Österreich. «Eines der besten Flugerlebnisse meiner
Fliegerei», schrieb er als Kommentar in den XContest. Mit 254 km verbuchte er
den Jahresstreckenrekord in der Kategorie Gleitschirm Open und schob sich damit
auf den dritten Platz vor. Auch Cornelia Voigt gelang ein Glanzresultat, indem
sie mit einer Strecke von 136,5 km den Jahresstreckenrekord bei den Damen
realisierte.
Tag der Entscheidung
Jetzt
konzentrierte sich die Hoffnung auf die Hundstage, die gewöhnlich gute Flugtage
bringen. Tatsächlich baute sich Anfang August eine Hochdrucklage auf. Am 6.
August, als sich das Hoch bereits Richtung Ostsee verabschiedete, kam der Tag
der Entscheidung: Stefan Schmoker holte sich mit dem Walliser-FAI-Dreieck über
207 km den Sieg in der Gleitschirm Open-Klasse. Adrian Lutz tat es ihm in der
Fun-Klasse gleich und holte sich den Sieg. Ihm gelang das Dreieck mit 158 km.
Damit war der CCC-Cup gelaufen – hätte man meinen
können. Eine Entscheidung war aber noch offen: Würde nämlich Cornelia Voigt ein
Flug mit mehr als 115,94 Punkten gelingen, könnte sie den CCC für sich
entscheiden. Zu ihrem ultimativen Versuch, einem weiträumigen Hoch sei Dank,
setzte sie am 13. September an, überbot alle Gleitschirme und gewann mit einem
flachen, 101 km grossen Dreieck.
http://www.xcontest.org/2007/switzerland/en/
http://www.meteoschweiz.ch/web/de/wetter/wetterereignisse.html
http://www.sf.tv/sfmeteo/diverses_archiv.php
| Einfache Strecke | Ziel-Rück, flaches Dreieck | FAI-Dreieck | |
| 2005 | 42 | 35 | 33 |
| 2006 | 29 | 44 | 50 |
| 2007 | 37 | 41 | 24 |
Tabelle 1: Anzahl Flüge pro Flugart der zehn bestplatzierten Gleitschirmpiloten.
