CCC 1997: Warten auf den Sommer
Gute Tage gab es Ende April, Anfang Mai und im August. Die normalerweise beste Flugperiode war geprägt von Wind und Wolken. Dennoch erflogen die Gleitschirmpiloten mehr CCC-Kilometer als 1996.
Ein
Blick auf die Flugstatistik bestätigt die Erinnerung: 1997 kam der Sommer viel zu spät,
erst als die Ferien beinahe schon vorbei waren. In der Zeit von Mitte Mai bis Ende Juli,
gewöhnlich die beste Flugperiode, legten die Gleitschirmpiloten nur einen Fünftel und
die Deltapiloten einen Viertel der CCC-Kilometer zurück. In den vergangenen Jahren waren
es je etwa die Hälfte. Günstige Phasen gab es Ende April, Anfang Mai und im August, so
dass insgesamt gegenüber 1996 doch mehr Flugkilometer zusammenkamen. Allerdings nur die
Gleitschirmpiloten, 137 waren es heuer, konnten ihre Flugkilometer auf 22283 km steigern,
erreichten aber den Rekord von 1995 nicht annähernd (1996: 20806 km; 1995: 27746 km).
Diese Strecke, etwa die Hälfte des Erdumfanges, setzt sich aus 372 Flügen zusammen,
wovon 222 weiter als 50 km waren, und wurde an 63 Tagen erflogen. Im Schnitt flog der
CCC-Gleitschirmpilot 59,9 km weit, also um 1,7 km weniger weit als 1996. Gelegenheit zu
einem Hunderter boten 17 Tage, die 19 Piloten wahrnahmen. Zusammen waren es 29 100 km
Flüge.
Im Gegensatz zu den Gleitschirmpiloten waren weniger Deltapiloten unterwegs: nur 23 massen sich im CCC. Mit 48 Flügen, welche sie an 25 Tagen erflogen, erreichten sie 4245 km, also etwas weniger als 1996 (1996: 5339 km; 1995: 13930 km), und damit eine durchschnittliche Strecke von 88,4 km. Das sind 8,7 km weniger als 1996. Etwa jeder vierte Flug war weiter als 100 km. Genau waren es 14 Hunderter, geflogen von 8 Piloten an 12 Tagen.
In Abbildung 3 wird deutlich, was die geringere mittlere Flugstrecke schon andeutet: Es gelangen allgemein weniger weite Flüge. Einerseits ist die Spitze, die anzeigt, welches die häufigste Flugstrecke war, gegenüber 1996 weniger hoch, andererseits ist sie zu kürzeren Strecken hin verschoben. Die zweite Spitze bei den Deltas von 1996 bei 120 km fehlt ganz. Unter dem fehlenden Sommer in den Monaten Juni und Juli litten wohl am meisten die mittelstarken Piloten, die normalerweise in dieser Zeit ihre Flugferien beziehen. Hauptsächlich im Wallis unterwegs, gelingen ihnen dann relativ weite Flüge. Nicht aber 1997!
Trotz des gefühlsmässig schlechten Jahres gab es einige gute Wetterlagen, die weite Flüge ermöglichten.
Zeit: 9hca. 17h |
März
Die CCC-Saison begann mit einigen kürzeren Flügen in den Ostalpen, im Wallis und auf der
Alpensüdseite, aber auch im Jura. Ein flaches Dreieck über 72 km, geflogen am 13. März
im Veltlin, war die weiteste Strecke.
April
Bereits am 2. April gelang Roland Würgler der erste Hunderter im Veltlin. Kurze Zeit
später am 10. April war dann auch im Jura und in den Voralpen ein Hammertag. Bevor sich
das Hoch über England über die Schweiz bis nach Griechenland ausdehnte, war in einer
Bisenströmung kühle Luft herangeflossen, in der sich gute Thermik entwickelte. An diesem
Tag kamen beinahe 800 Gleitschirmkilometer zusammen, darunter auch zwei Hunderter.
Die nächste Hammerlage folgte zwei Wochen später am 24. April. Wieder hatte sich in der Kaltluft, die mit einer Störung herangeflossen war, ein Hoch durchgesetzt. Das war wahrscheinlich der beste Tag des Jahres: Kari Eisenhut flog 161 km von Nässli im Simmental den Voralpen entlang bis nach Sargans, Curdin Rohner flog im Engadin 154 km, Paul Tomassi flog 131 km vom Salève ins Wallis und Martin Muller flog ebenfalls vom Salève den Voralpen entlang bis nach Reichenbach. Alle Flüge der elf Gleitschirmpiloten, die unterwegs waren, summierten sich auf 1000 km. Auch der 25. April brachte nochmals drei Hunderter, einer davon von Bernhard Stocker, der von der Fürenalp 131 km bis vor den Arlbergpass flog.
Mai
Ein traumhafter Beginn! Wieder vertrieb ein Hoch die Reste einer Störung. Obwohl die
Sonde von Payerne am 2. Mai noch recht stabile Bedingungen aufzeigte, gelang Martin Tanner
im Jura ein Flug über 130 km. Am 3. Mai herrschte emsiges Treiben in der Luft: fast 30
CCC-Flüge und 1500 km. Obwohl sich das Hoch etwas abgebaut hatte, waren die Bedingungen
nicht mehr so gut, denn es gelangen keine weiten Flüge. Einzig Hansjörg Truttmann flog
mit seinem Delta von den Mythen bis zum Arlbergpass 128,5 km.
Eine Kaltfront leitete dann das lange Warten ein. Regen, gewittrige Flachdrucklagen und durchziehende Zwischenhochs folgten einander. Nur die besonders wachsamen Piloten brachten einige CCC-Kilometer unter ihre Flügel. Zuerst am 16./17. Mai, mit je einem Flug über 120 km, und am 26. Mai mit einem weiteren Hunderter.
Juni und Juli
Der Juni war wirklich traurig. Nur gerade 3 Delta- und 27 Gleitschirmflüge mit einer
Summe von 268,5 km resp. 1549,5 km erlaubten die Verhältnisse. Ein kurzer Lichtblick war
der 10. Juni, mit einem Delta- und einem Gleitschirmflug über 138,5 km resp. 119,5 km der
Fiescher Standardstrecke entlang in die Ostalpen. Die Gunst eines schwachen Hochs im
Westen nutzte Martin Muller, der am 18. Juni mit Jahresrekord von 164,5 km vom Salève ins
Wallis gleitete.
Der Juli war durch eine kräftige Höhenströmung geprägt, gegen die sich kein Hoch so richtig durchsetzen konnte. Nur vereinzelt gab es gute, schwachwindige Bedingungen. Nach dem 9. und 13. Juli, wo der Deltapilot Heini Moser beachtliche 168,5 km resp. 155,5 km erreichte, war der 30. Juli so ein Tag. 1400 Gleitschirm- und 400 Deltakilometer kamen zusammen. Einsame Spitzenleistung war Toni Martys Flug von Fiesch ins Engadin, mit 197,5 km der weiteste CCC-Flug des Jahres. Ebenfalls bemerkenswert war der 100- km-Ziel-Rück-Flug, der Hans Kocher im Jura gelang.
August
Der Sommer versuchte nachzuholen, was er bisher nicht geboten hatte. Nach einigen
Anläufen setzte sich das Hoch schliesslich durch und brachte warmes Wetter und etliche
gute Tage. So gab es recht viele Flugtage, während denen die Gleitschirmpiloten in 147
Flügen 9141,5 km erflogen. Wegen des sinkenden Sonnenstandes waren aber mit einigen
Ausnahmen wenig Hammertage dabei. Am 10. August kämpfte sich der Spitzenpilot Toni Marty
ein weiteres Mal von Fiesch ins Engadin und holte sich damit vor Heini Moser den
Delta-CCC-Titel.
Ein spannender Tag war der 23. August, an dem die Entscheidung um den Gleitschirm-CCC-Titel fiel, waren doch die sieben bestklassierten Piloten unterwegs. Mit einem 107-km-FAI-Dreieck setzte sich Fabio Profumo vor Alex Meyer durch. Gleichzeitig war auch ein erbitterter Kampf um den Gleitschirm-Clubtitel im Gange, den die Iisvögel vorläufig für sich entschieden.
Im September
Am 1. September flog André Bussmann den letzten Hunderter der CCC-Saison 1997. Ein
entscheidender Flug, sicherte er doch damit dem Gleitschirmclub PARAnoia knapp den
Club-Titel.
Martin Gassner
Lernen direkt von den Profis der SMADie Wetterprofis des Flugwetterdienstes der SMA wollen ihr Wissen an Gleitschirm- und Deltapiloten weitergeben. In Zusammenarbeit mit dem SHV führt die SMA zu diesem Zweck im März 1998 Meteokurse durch. Um den verschiedenen Wünschen gerecht zu werden, bietet sie einen Basis- und einen High-Level-Kurs an. Wetter ist überall. Speziell beim Fliegen sind Meteokenntnisse von besonderem Wert, sei es am Startplatz, um die Verhältnisse genau analysieren zu können, sei es unterwegs, um gefährliche Turbulenzen zu meiden und rasch den nächsten Aufwind zu finden, oder sei es zu Hause, um den optimalsten Startplatz zu ermitteln. Als Vorbereitung auf die kommende Flugsaison gilt es wieder, mit gründlichem Studium von Zeitschriften und Büchern das Wissen ums Wetter flugtauglich zu machen. Erstmals dieses Jahr bietet die SMA Meteokurse an. Die erfahrenen Profis Peter Joss und Urs Müller aus der Flugwetterzentrale Zürich, unterstützt vom Delta- und Gleitschirmpiloten Martin Gassner, stellen ihre Meteokenntnisse interessierten Piloten zur Verfügung. Um den recht unterschiedlichen Bedürfnissen der Delta- und Gleitschirmpiloten gerecht zu werden, führt die SMA zwei verschiedene Kurse mit unterschiedlichem Niveau durch. Der Basiskurs richtet sich an Piloten, die ihr Wissen auffrischen und mit für die Schweiz typischen Erscheinungen erweitern wollen. Der High-Level- Kurs ist für Piloten gedacht, die den Expertenstand erreichen wollen. Das Programm Martin Gassner |