Föhn im Berner Oberland

Teil 3

Das Lokalwissen der Fluglehrer

Wie ist das Verhalten des Föhns in den einzelnen Tälern? Im dritten Teil unserer Serie berichten fünf Berner Fluglehrer von ihrer Erfahrung mit dem Föhn.

Was ist für dich Föhn?
Höisi: Etwas Komplexes, ein Südwest- bis Südwind, der böig und turbulent ist. Es sind absinkende Luftmassen und Rotoren, die nicht sichtbar sind und einen jahreszeitlichen Charakter haben. Im Frühling (April, Mai) ist die Föhngefahr am schwierigsten abzuschätzen, im Herbst dagegen ist der Umgang mit dem Föhn einfacher. Optisch ist die Luft sehr klar, und die Berge kommen näher, es herrscht ein spezielles – kaltes – Licht. Typisch ist eine Föhnmauer an der Grimsel, aber es kann in Meiringen auch föhnen ohne dieses optische Merkmal.
Blätz: Eine Strömung über die Alpen und Pässe, die komplex ist und ein unvorhergesehenes und leicht zu unterschätzendes Windsystem verursacht.
Häppy: Überall auf der Welt, wo Gebirge rechtwinklig angeströmt werden, kann dieses Phänomen vorkommen. Für das Berner Oberland sind vor allem Südwest- bis Südlagen typisch für Föhn, welche oft in Verbindung mit einer Front oder Zyklonen von Westen stehen.
Schmatz: Kurz und einfach gesagt: Ein starker Südwestwind, der trocken ist und den Himmel ohne Cumulus-Wolken zeigt.
Franz: Eine starke Südströmung über die Alpen, die in der Regel auf der Alpensüdseite Regen verursacht und im Norden die Temperaturen steigen lässt. Die Temperaturdifferenzen zwischen Alpensüdseite und Alpennordseite sind ein Mass für die Stärke des Föhns.


Blick über den Thunersee Richtung Süden ins Frutigland und den Niesen (10.5.2002, 17 Uhr). Sieht das nach Föhn aus? Druckdifferenz 7 hPa! Der Südostwind in der Höhe ist an der Wolke über dem Niesen zu erkennen.

Folgende Fluglehrer stellten sich für ein Interview zur Verfügung: (von links) Hans «Höisi» Nägeli, Flugschule Birdwing in Meiringen, Ulrich «Blätz» Bohren, Flugschule Grindelwald, Hanspeter «Häppy» Michel, Flugschule Ikarus in Interlaken, Hanspeter «Schmatz» Schmid, Flugschule Cloud 7 in Frutigen, und Franz Meyer, Flugschule Diemtigtal.


Mit welchen Wetterinformationsquellen informierst du dich über die Wetterlage, insbesondere bei Föhn?
Höisi: Kopf zum Fenster raus, das ist das Wichtigste. Ansonsten schaue ich in der Zeitung, im Teletext und im Internet. Dabei interessiert mich die Druckdifferenz zwischen Comprovasco und Interlaken. Zusätzlich schaue ich bei Föhngefahr die Windmesswerte von Altdorf, Gütsch-Gotthard, Jungfraujoch und Grimsel an. Heute ist das Internet die dominanteste Informationsquelle.
Blätz: Internet und Teletext. Die Textprognosen reichen mir. Ich schätze die Situation nicht mit irgendwelchen Prognosen oder Messwerten ab und achte nicht auf das Druckgefälle. Die Entscheidung liegt in meinem Gespür. Wichtig für mich ist, wie stark und genau aus welcher Richtung die Höhenwinde kommen.
Häppy: Internet! Zusätzlich höre ich abends und morgens Radio. Wenn sie dann allerdings von Föhn reden, ist der Fall eh schon klar. Die birdland-Wetterseite mit Wind, Druck und Wetterkarten stehen bei meiner Abschätzung im Vordergrund.
Schmatz: Internet. Soaringwetter, SMA-Radiosondierung, Karte mit Druckdifferenzen und NZZ-Wetterprognosen. Manchmal auf den SMS-Dienst PABEJU, allerdings stimmen die Daten hier nicht immer.
Franz: Internet. SMA-Druckkarte: Mich interessieren die Druckdifferenzen zwischen Locarno und Zürich und die Differenz zwischen Bodensee und Genfersee. Wertvoll ist auch die Druckdifferenz zwischen Bern und Interlaken. Ansonsten schaue ich die Windmesswerte (ANETZ), die Flugwetterprognose, den NZZ-Wetterbericht und am Abend vorher das Meteo im Fernsehen an.

Gibt es unterschiedliche Föhnlagen oder -stufen in deinem Tal?
Höisi: Der Grimselföhn ist der Normalfall. Alle zehn Jahre kommt der Föhn auch mal von der grossen Scheidegg und sehr selten vom Susten. Dann ist das Wetter allerdings eh schlecht. Es gibt verschiedene Föhnstufen. Bei der schwächsten Stufe finden wir an der Planplatte Aufwinde, der Talwind reicht bis in eine Höhe von 600 bis 1000 m ü.M., und dazwischen auf einer Höhe von 1000 bis 1500 m liegt eine Warmluftzunge mit Südwinden. Wenn der Föhn zunimmt, dann halten sich Föhn und Talwind in Grenzen. Ein nicht routinierter Pilot merkt kaum, dass Föhn im Spiel ist. Jetzt ist an der Planplatte klarer Südwind, allerdings ist es schwierig zu unterscheiden, ob es sich um thermische Ablösungen handelt oder um Föhn. Bei der nächst stärkeren Stufe starten nur noch diejenigen Piloten, die nichts wissen. In der Luft dominieren Klapper, und das Landefeld kann man nicht mehr selbst bestimmen. Wer in diese Situation kommt, sollte sich mit viel Höhe vom Föhnwind das Haslital hinunterblasen lassen. Im allgemeinen wird der Wind zwischen Meiringen und Brienz schwächer, und es hat in diesem Gebiet grosse Wiesen. Wenn der Föhn noch stärker wird, hat es Rotoren in alle Richtungen. Für viele (v.a. für Männer) ist dieser Moment sehr lehrreich. Dann kann unmöglich gestartet werden, am Landeplatz hält die Schnur des Windsacks nicht mehr, die Gondel fährt nur noch langsam, und das Bahnpersonal warnt jeden Gleitschirmpiloten.
Blätz: In Grindelwald spielt die Windrichtung in der Höhe eine entscheidende Rolle. Bei Südwestlagen herrscht oft perfektes Flugwetter, sogar bei relativ starkem Wind. Inversionen, der Temperaturgradient und die Jahreszeit sind weitere Einflussfaktoren. Bei Südlagen muss man sehr vorsichtig sein. Dann kann der Föhn erstens am Jungfraujoch, zweitens aus der Fiescherwand die Gletscherschlucht und drittens vom oberen Gletschergebiet und vom Schreckhorn runterkommen. Im allgemeinen ist der Föhn zuerst unten und erst bei zunehmender Stärke an der First bemerkbar. Im Winter wird unter Umständen noch geflogen, aber im Sommer ist es bei der gleichen Föhnstärke nicht mehr fliegbar. Dann kommt der Föhnwind am Startplatz aus der perfekten Startrichtung, aber es kann unmöglich geflogen werden. Südostwind in der Höhe ist für Grindelwald das Schlimmste. Dann ist der Wind oben am Startplatz früher bemerkbar und ein Start bei dieser Situation sorgt für katastrophale Bilder. Die schwächste Föhnstufe bietet kugellagerartige Bedingungen, und es ist in einer Höhe um 1600 m nicht sauber. Bei mittlerer Stufe herrscht auf der First eine klare Strömung, und 10 km/h Wind ist der absolute Limit, denn kaum ist man in der Luft, steigt es überall. Am Fuss des Eigers ist kaum etwas bemerkbar, doch wenn der Föhn dann kommt, setzen extreme Stürme ein. Dann ist das ganze Tal erfasst, wobei das Dorf voll betroffen ist und die First am wenigsten.
Häppy: Die Mehrheit der Föhnfälle kommt aus dem Haslital. Es ist wie eine Warmfront ohne Bewölkung, die aus Bergwindrichtung kommt. Manchmal merkt man zuerst am Startplatz Amisbühl grossflächiges Steigen, während unten noch Talwind oder Nullwind herrscht. Seltener ist der Föhn aus den Lütschinentälern, doch wenn sich dieser durchsetzt, dann wird es wild. Dieser hat in Därligen schon Häuser, Dächer und Leitungen beschädigt. Südostlagen sind besonders heikel für Interlaken. Bei schwachen Föhnlagen telefoniere ich nach Meiringen. Wenn dort kein Föhn ist, heisst das für mich Entwarnung. Wenn aber Meiringen Föhn meldet, heisst’s Achtung. Wenn dann der Talwind plötzlich am Nachmittag nachlässt, ist das für mich ein weiteres Alarmzeichen, denn dann muss ein Gegendruck vorhanden sein. Dies ist für mich der Zeitpunkt, wo ich mit Schulungsflügen sofort aufhöre, auch wenn die fliegerische Tätigkeit noch länger anhält. Bei Inversionen sieht man schön, wie die Schirme darüber gegen diesen föhnigen Hasliwind aus Osten stehen und sinken. Irgendwann sind sie aus dieser Höhe draussen und kommen wieder gut gegen den Wind an. Ein klare Höhenzuordnung dieser Schicht ist nicht möglich. Bei mittlerer Stufe ist der Himmel mit Lentis und Staubewölkung versehen. Dann haben alle Angst. Allerdings kann die gleiche Föhnstärke ohne optische Anzeichen vorkommen. Der Himmel ist in diesem Fall stahlblau, und man kann auf den hohen Bergen Schneefahnen sehen. Alle, die vom Niederhorn her kommen, schwärmen von einem perfekten Wind am Startplatz. Am Landeplatz ist klarer Bergwind von ca. 10 km/h, und ab einer bestimmten Höhe fliegen die Schirme plötzlich in ein totales Gehack von Scherwinden, und es bleibt turbulent bis am Boden. Bei dieser Situation ist trockene warme Luft am Landeplatz spürbar. Auch am Amisbühl sind die Startbedingungen ideal. Abgesehen davon, dass dieser Wind ein Problem werden kann, sind die Flugbedingungen eigentlich gut. Bei der stärksten Stufe ist der Brienzer- und Thunersee über die ganze Seebreite voller Schaumkronen. Es ist eine interessante Wetterlage, optisch schön und dramatisch, verbunden mit ganz klarer Luft. In allen Gebieten ist der Wind stürmisch.
Schmatz: Grundsätzlich gibt es keinen Föhn in Frutigen, da das Talwindsystem sehr stark ausgeprägt ist. Dies betrifft vor allem den Frühling und Sommer. Im Herbst und Winter kann der Föhn durchgreifen, weil dann der Talwind schwächer ist. Am Niesen kann Föhn im Spiel sein, während unten noch nichts zu bemerken ist.  Es gibt auch so etwas wie Westwindföhn. Dieser ist zwar selten, kann aber bis zum Boden durchgreifen. Bei schwachen Föhnlagen ist bis Grathöhe nichts zu merken. Es ist thermisch gut bis sehr gut und hat durchaus mal Cumulus am Himmel. Bei der nächsten Stufe sind der Talwind und die Aufwinde normal, aber es hat keine Wolken, höchstens Lentis. Es ist komisch zum Fliegen und nur für Erfahrene. Gewinnt jetzt der Föhn noch mehr an Stärke, hat es keinen bis schwachen Talwind in Frutigen. Jetzt fliegt niemand mehr. Bei starken und stürmischen Verhältnissen ist der Bergwind am Nachmittag ein 100%iges Erkennungszeichen. Allerdings ist dieser Fall wirklich selten.
Franz: Im unteren Simmental kommt der Föhn bei Süd- bis Südwestlagen aus Westen. Bei Südostlagen triff der Föhn quer zur Talachse ein. Im hinteren Diemtigtal reagiert die Station Chilei sehr fein auf Föhn. Schwache Föhnstufen gibt es praktisch nicht. Wenn der Föhn durchbricht, dann schüttelt es die Schirme kräftig, und das Sinken kann zum Teil extrem werden. Das Durchgreifen des Föhns ist jahreszeitenabhängig. Wenn Inversionen sichtbar vorhanden sind, kann man mit gutem Gewissen fliegen. Im Frühling ist die Situation heikler, die Schichtung ist dann labil, und der Föhn kann somit leichter durchgreifen.

Welche Zeichen (Wolken, Wind) kennzeichnen die verschiedenen Situationen?
Höisi: Der Föhn bewirkt oft, dass es von Interlaken her bis zum Brienzer Rothorn Cumulus hat, aber an der Planplatten keine Wölkchen stehen. Dies ist ein erster Anhaltspunkt, dass man aufpassen muss. Man hat mehr Durst als sonst, und es hat keinen Talwind, obwohl es einen haben sollte. Die Lentis am Himmel sind ein klares Zeichen, doch diese sind bei manchen Föhnfällen auch nicht vorhanden. Das Rauschen in den Bäumen ist bei Föhn anders als das Rauschen des Talwinds.
Blätz: Ein klares visuelles Zeichen ist die Föhnmauer am Jungfraujoch. Anhand dieser kann man mit viel Erfahrung erkennen, ob es sich um eine Süd-, Südwest- oder Südostlage handelt.
Häppy: Das habe ich bereits bei vorheriger Frage beantwortet.
Schmatz: Adelboden ist viel anfälliger auf Föhn als Frutigen. An der Tschenten kann man unter Umständen Lentis im Jungfraugebiet sehen, doch sind diese nicht immer vorhanden. Dann ist es sehr anspruchsvoll, den Föhn zu erkennen. Im Winter wird bei dieser Wetterlage oft laminar gesoart. Manchmal sieht man auch Schneefahnen am Wildstrubel. Es hat dann gut 20 km/h Wind zum Starten. In der Luft fliegt es sich wie auf Kaugummi. Extreme Steig- und Sinkwerte sind dicht beieinander, und die Thermik ist nach Norden versetzt. In der Regel merkt man den Föhn am Startplatz zuerst und erst später am Landeplatz, doch wer dann noch in der Luft ist, hat ein ernsthaftes Problem.
Franz: Im Chilei im hinteren Diemtigtal sind die Föhnanzeichen zuerst oben am Startplatz und kommen von links. Am Landeplatz ist der Föhn relativ stark. Bei den Fluggebieten im unteren Simmental ist der Föhn ebenfalls zuerst am Startplatz feststellbar und kommt aus Westen. Er bricht im Allgemeinen langsam ein. Doch sobald er an Stärke gewinnt, dann stürmt’s. Zuverlässige optische Zeichen gibt es kaum. Es können viele Himmelsbilder zum Föhn gehören. Wenn die Messstation auf dem Stockhorn Wind aus südlichen Richtungen meldet, dann ist dies der erste Vorbote.

Hast du dich bei der Einschätzung einer Föhnlage schon verschätzt?
Die Fluglehrer vom Berner Oberland scheinen ihre Aufgabe im Griff zu haben. Einzelne geben zu, dass die Finger schon warm geworden, aber nicht verbrannt sind. Was mehr vorkommt: Man fliegt nicht, weil man meint, der Föhn kommt; doch dann kommt er doch nicht. Die Erfahrung hat allen Fluglehrern gezeigt, dass es sehr schnell gehen kann. Dadurch wird man vorsichtig.

Hat es bei Föhnlagen in deinem Tal schon Unfälle gegeben?
Hier ist das Bild unterschiedlich. Gewisse Täler hatten schon föhnbedingte Unfälle, die meisten liegen aber in den Anfangszeiten des Hängegleitersports. Es kommt allerdings immer wieder vor, dass man Gleitschirme in der Luft sieht, wenn der Föhn durchbricht. Das führt jeweils zu katastrophalen Bildern. Anscheinend sind in letzter Zeit die meisten mit Glück davongekommen.

Wo liegen die grössten Gefahren beim Umgang mit Föhnlagen?
Höisi: Der Mensch, insbesondere der Gleitschirmpilot, möchte klare, einfache Regeln aufstellen. Er weiss z.B., dass die Druckdifferenz nur 2 hPa beträgt, es aber bläst wie die Sau, und dann wird einfach dem Computer Glauben geschenkt. Man darf Messdaten nie blind glauben. Dazu kommt, dass zwischen Landeplatzentscheid und der Landung eine Dauer von zwei Stunden liegt. Während diesen zwei Stunden kann sich viel ändern.
Blätz: Bei schwachem Wind am Startplatz kannst du dir gar nicht vorstellen, wie unangenehm diese Gefahr werden kann. Für einen Normalpiloten ist eine Föhnlage fast nicht einschätzbar, das heisst, er sollte im Zweifelsfall nicht mehr fliegen.
Häppy: In Interlaken ist die Gefahr jahreszeitenbedingt. Denn wenn der Föhn einbricht und Gleitschirme verblasen werden, dann landen sie gezwungenermassen im Thunersee. Am schlimmsten ist es, wenn viele Gleitschirme im Winter in der Luft sind und dies passiert. Eine Seelandung im Winter würde kaum einer überleben. Bis der Föhn einmal ein ganzes Tal erfasst hat, kommt es zu einer Durchmischung von Kalt- und Warmluft. Diese Walzen können extrem gefährlich werden. Das Problem für Interlaken ist, dass bei 10 hPa unter Umständen nichts los ist, ein anderes Mal aber bereits bei 3 hPa komische Winde vorkommen. Jede Föhnlage ist individuell, d.h. man kann keine scharfen Regeln aufstellen.
Schmatz: Bei Föhntendenz sind im Frutigtal die besten Flüge mit hoher Basis möglich. Dazu kommt ein schwacher Talwind, der angenehm zum Landen ist. Diese Gratwanderung ist eine heikle Sache.
Franz: Das eigene Föhnwissen ist nicht auf andere Täler übertragbar. Je nach Windrichtung (S, SW, SE) und Geschwindigkeit reagiert jedes Tal anders. Föhnerfahrungen sind immer nur sehr lokal.

Gibt es unbeantwortete Fragen?
Höisi: Warum haben wir auf 2000 m Westwind, und im Talboden einen böigen Föhnwind mit 40 km/h? Antwort: Trotz Westwind in der Höhe kann in den unteren Luftschichten eine Druckdifferenz über dem Alpenkamm liegen, welche den Föhn induziert. Siehe dazu auch die Ergebnisse der Studie von Michael Tamas: Je mehr die überregionale Windrichtung von Süden abweicht, desto grössere Druckdifferenzen sind nötig, um eine Föhnlage im Haslital zu erzeugen.
Häppy: 1. Haben Föhnlagen in den letzten zehn Jahren zugenommen? 2. Wenn wir immer mehr wissen, werden wir eher mehr oder eher weniger fliegen? 3. Werden wir jemals in Schwierigkeiten geraten, wenn wir die einzelnen Föhnlagen wie bisher abschätzen? 4. Wenn der Föhn einbricht, sind dann stets die gleichen oder stets andere Bedingungen erfüllt? Antwort: 1. Klimatologisch gesehen sind die letzten 30 Jahre von einem zonalen Druckgefälle bestimmt gewesen, das heisst grosse Druckdifferenzen zwischen den Azoren und Island haben dominiert, was zu mehr Westwind für den Alpenraum geführt hat. Diese Wetterlage steuert Zyklonfamilien gegen die Schweiz und kann in den Bergen mehr Föhnlagen verursachen. Die Beantwortung der Fragen 2 und 3 würden wohl eher hellseherische als meteorologische Kenntnisse voraussetzen. Die Frage 4 werde ich in einer späteren Ausgabe des «Swiss Glider» zu beantworten versuchen. Meine diesbezügliche Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.
Schmatz: Wann greift der Föhn ins Tal durch und wann nicht?
Antwort: Diese Frage werden wir für Frutigen wohl nie beantworten können, da es auf den Passübergängen und in den Tälern im Frutigland fast keine Messstationen gibt und die Datengrundlage darum eine Untersuchung verunmöglicht.

Worin siehst du die Ursachen für das Durchgreifen der Föhnströmung in deinem Tal?
Höisi: Druckkonstellation, Druckgefälle, Luftmassenunterschiede, das Eintreffen von Kaltfronten.
Blätz: Windrichtung und Windgeschwindigkeit in der Höhe, abhängig von der Jahres- und Tageszeit.
Häppy: Sobald der schützende Kältesee verdrängt ist. Ursachen sind das Druckgefälle und der Wind.
Schmatz: Tiefe Pässe, fehlendes Talwindsystem, Druckdifferenz.
Franz: Stabilität bzw. Labilität der Luftschichtung. Inversionen und starker Talwind sind föhnhemmende Faktoren.

Interview: Micha Schultze

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