Wetterprognosen vom Internet

Das Internet bietet alles, um das Wettergeschehen von zu Hause aus abzuschätzen. Neben vielen gewöhnlichen Wetterseiten gibt es Wetterzentralen mit einer Fülle von Prognosekarten, berechnet mittels diverser Wettermodelle.

Wer schnell den Wetter-
bericht ansehen will, tippt www.sma.ch, wählt die Sprache und schon erscheint das Wetter auf dem Bildschirm. Mit einigen weiteren Clicks tauchen auch schon Sonne, Wölklein und Regentropfen auf. Nach diesem Überblick interessiert vielleicht, woher der Wind bläst. Hier hilft die SMA weiter, denn unter der Rubrik «Modell» kommt die Windprognose, sowie eine hochaufgelöste Druckkarte des Schweizer Modells SM. Eine feine Sache besonders fürs Fliegen. Weitere, detaillierte Informationen über das SM gibt http://www.sma.ch/deutsch/dienste/SM/SMmerkblatt.html.

Wer allerdings aktuelle Wetterkarten sucht, ist hier am falschen Ort. Jetzt beginnt die Suche, denn die meisten Wetterdienste zeigen nur Sonne und Wölklein. Der letzte der Wetterlinks des SHV (http://www.shv-net.ch) führt zu den Top-Karten aus «Georgs Wetterzentrale» (http://www-imk.physik.uni-karlsruhe.de/~gmueller/met.html) von der Universität Karlsruhe. Die Vielfalt von Wetterkarten lässt kaum einen Wunsch offen. Auch Markus Pfister von der Uni Bern hat eine hervorragende Wetterzentrale (http://www.giub.unibe.ch/~mpfister/wetter_0.html) mit einer grossen Auswahl an Wettermodellen und Darstellungsarten aufgebaut. Nur sind viele dieser Prognosekarten für den Profi bestimmt und setzen fundierte Meteokenntnisse voraus.

Wettermodelle
Schon seit es Computer gibt, versuchen die Meteorologen das Wetter im Elektronengehirn abzubilden. So sind zahlreiche Wettermodelle entstanden, mit welchen heute die Prognosen gerechnet werden.

In Europa ist das ECMWF-Modell wohl das bekannteste, das beim Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage entwickelt und auch gerechnet wird. Es ist ein globales Modell, d.h. es berechnet das kommende Wetter auf dem gesamten Erdball. Weitere Informationen zum ECMWF-Modell sind unter http://www.ecmwf.int/pr/fc_by_computer.html zu finden. Das Modell rechnet täglich neue Prognosen, die ab etwa 7h Sommerzeit für die Wetterdienste verfügbar sind. Auf dem Web sind sie erst einen Tag später zu finden.

Das NCEP (U.S. National Center for Environmental Prediction) betreibt das MRF-Modell (Medium Range Forecast). Viermal täglich wird für die Luftfahrt eine vereinfachte Version des MRF gestartet, das AVN (Short Range Aviation Model). Es arbeitet mit einer reduzierten Menge an Eingangsdaten und ermöglicht durch die kürzere Rechenzeit vier Prognosen pro Tag. Das MRF berechnet sogar Prognosen bis neun Tage voraus.

Selbst der japanische Wetterdienst (Japan Meteorological Agency, http://www.goin.nasda.go.jp/GOIN/JMA) rechnet mit seinem globalen Modell GSM täglich Prognosen für Europa, deren Resultat G. Müller in Bilder umwandelt. NOGAPS stammt von der U.S. Navy und ist ebenfalls ein globales Modell (http://www.nrlmry.navy.mil/aboutnrl/global_mod.html).

Via Universität Barcelona (http://www.infomet.fcr.es) sind auch Karten des Deutschen Wetterdienstes erhältlich. Dieser betreibt ein Modell, bekannt als das DWD-Modell, das den Bereich nördlicher Atlantik plus Europa rechnet. Leider sind die Karten durch die mangelnde Auflösung schlecht lesbar.

Wetterkarten und ihre Aussagen
Gleich zu Beginn eine Warnung: Nicht alle Wetterkarten sind aktuell. Es ist frustrierend, wenn man nach langem, intensivem Studium feststellt, dass es sich um die Prognose von vorgestern handelt. Bei jeder Wetterkarte ist irgendwo angegeben, wann sie erstellt wurde und für welchen Tag sie gilt.

Mit «500 hPa» wird die Höhendruckkarte bezeichnet. Eigentlich ist es keine Druckkarte, da nicht der Druck dargestellt wird, sondern die Höhe, wo der Luftdruck 500 hPa gross ist, also etwa auf 5500 m. Zu lesen ist sie aber wie eine Druckkarte. Der Wind bläst den Isohypsen, den Linien gleicher Höhe, entlang. Liegen die Linien weit auseinander, sind die Winde schwach, liegen sie näher beisammen, sind sie kräftiger und tragen rasch Störungen heran. Im Uhrzeigersinn gekrümmte Linien weisen auf ein Hoch, im Gegenuhrzeigersinn gekrümmte auf ein Tief hin. Häufig ist gleichzeitig der Bodendruck in diese Karten eingezeichnet, der mit SLP abgekürzt wird.

«850 hPa T» zeigt die Temperatur auf der Höhe, wo der Druck 850 hPa beträgt, also etwa auf 1500m. Auf einer Höhe von 500 m ist es etwa 5 bis 8 °C wärmer, vorausgesetzt das Mittelland liegt nicht unter einer Hochnebeldecke, was im Frühling selten vorkommt. Wenn man 100 m hinuntersteigt, nimmt die Temperatur um 0,5 bis 0,8 °C zu, in stabilen Wetterlagen weniger, in labilen mehr.

Die Chart «Mittlere Wolken» zeigt die Wolken in mittlerer Höhe zum Vorhersagetermin, zusammen mit den Isobaren.

Die Karte «Niederschlag» zeigt die über den Vorhersagezeitraum (12h) summierte Niederschlagsmenge in mm. Über die erwartete Art der Niederschläge erfolgen keine Angaben. Mit Hilfe der Temperaturprognose lässt sich entscheiden, ob Regen oder Schnee fällt. Schnee fällt bis zu einer Temperatur von etwa 3 °C, wenn z.B. die Nullgradgrenze auf 1500 m liegt, ist die Schneefallgrenze etwa bei 1200 m. Im Sommer sind bei Flachdrucklagen und bei Kaltfronten eher schauerartige Niederschläge zu erwarten, wogegen Warmfronten und Staulagen gleichmässigen Niederschlag bringen.

Vorticity-Advektion hier zu erklären würde zu weit führen. Eine gute Beschreibung findet sich unter http://www-imk.physik.uni-karlsruhe.de/~gmueller/doc/esys/sw_karl.html.

Mit «700 hPa Vertikalbewegung» ist nicht die Thermik auf 3000 m Höhe gemeint. In Gebieten, wo die Luft grossräumig ansteigt, sind Wolken und Niederschlag zu erwarten. Zu starke Absinkbewegungen dämpfen allerdings die Thermik.

Die-10-m-Wind-Karten zeigen den Oberflächenwind. Die Windpfeile geben wie üblich Windrichtung und -geschwindigkeit (in Knoten) an. Zusätzlich sind die Gebiete unterschiedlicher Windgeschwindigkeit verschieden eingefärbt. In den Wettermodellen sind die Alpen als ein etwa 2500 m hoher Hügelzug abgebildet. Dementsprechend sind auch grosse Abweichungen zu erwarten. Die Windkarte der SMA ist einiges detaillierter.

Sicherheit der Prognose
Um die Prognosequalität abschätzen zu können, lohnt sich ein Vergleich mit anderen Modellen, denn wenn schon nach fünf bis sechs Tagen grosse Abweichungen bestehen, ist die Vorhersage sehr unsicher. Auch sollte die Prognose für einen bestimmten Tag je näher er kommt möglichst gleich bleiben. Unter der Rubrik «Forcast Comparison» bei Pfisters Wetterzentrale werden die Vorhersagen, die an verschiedenen Tagen gerechnet wurden, miteinander verglichen.

Weitere Wetterlinks
Ist man mal in einer guten Wettersite, gibt es Links zuhauf. Georg Müller hat einige zusammengestellt und bewertet und noch zahlreiche weitere in einer separaten Liste aufgeführt. Ein absolutes Muss für Gleitschirm- und Deltapiloten ist die Wettersammlung von Stefan Egli, http://www.stud.ee.ethz.ch/~segli/main.wetter.html. Ein guter Startpunkt für leichtere Kost ist http://www.meteo.ch. Stop, keine weiteren Wetterlinks, keine weiteren Wetterinfo. Selber erkunden und erfliegen ist besser.

Martin Gassner

Seitenanfang