Alternativen zur Segelflugprognose
Die Segelflugprognose erscheint jedes Jahr von April bis September. Doch im Oktober 2005 haben die Meteo Schweiz sämtliche meteorologischen Informationen plötzlich kostenpflichtig gemacht. Darunter auch die von vielen Gleitschirm- und Deltapiloten geschätzte Segelflugprognose.
Micha Schultze, www.chilloutmeteo.com
April 2006:
Wo ist sie, die von vielen geliebte Segelflugprognose? In einem «massgeschneiderten
Angebot» steckt sie noch drin: Preis: Fr. 100.– pro Jahr. Der Aero-Club, der SHV
und andere Verbände erachten das Vorgehen der Meteo Schweiz als nicht angebracht
und versuchen, eine andere Lösung für ihre Mitglieder zu finden. Bis heute ohne
Erfolg.
Der Frühling kommt und damit auch die Thermik. Wie stark bläst der Wind? Wie
gut wird die Thermik? Welche Veränderungen sind im Tagesverlauf zu erwarten?
Gibt es einen guten Streckenflugtag? Wer bisher auf die Segelflugprognose
gesetzt hat, muss nicht ohne Informationen an den Startplatz. Es gibt
Alternativen. Hier ein paar Beispiele mit Interpretationshinweisen.
Ein Tag im Mai vor ein paar Jahren. Damals, als die Welt noch heil war, und alle
Flieger sich dort informieren konnten, wo sie es sich gewohnt waren. Damals gab
es alles: Die Segelflugprognose, das Regtherm, Emagramme, Thermik-Checklisten –
alles was das Herz begehrt – kostenlos im Internet. Doch auf wie viele
Informationen müssen wir wirklich verzichten, wenn wir ohne Segelflugprognose
auskommen wollen?
Alternative
1: NZZ Wetterbericht
Abbildung 1 zeigt
die Segelflugprognose vom 20. Mai 2004. Ein Tag, der auch im CCC-Bericht als
Stichtag in Erinnerung geht. Der erste Abschnitt der Segelflugprognose
informiert über die Wetterlage. Meistens ist wortwörtlich die gleiche
Information im ersten Abschnitt der NZZ-Wetterprognose
http://www.nzz.ch/wetter/wetterbericht.html zu lesen. Auch die Informationen
im achten Abschnitt der Segelflugprognose stimmen gut mit dem Wetterbericht auf
der NZZ-Seite überein.
Alternative
2: Das Regtherm
Im zweiten
Abschnitt der Segelflugprognose werden Wind- und Temperaturvorhersagen für 14
Uhr für Alpen, Mittelland und Jura auf verschiedenen Höhen angegeben. Hier
eignet sich das Regtherm als beste Alternative. Das Regtherm ist zwar im «massgeschneiderten
Angebot» der Meteo Schweiz enthalten, kann aber auch über die NZZ-Seite
kostenlos abgerufen werden:
www.nzz.ch/wetter/thermikprognose.html. Das Regtherm – ein regionales
Thermikmodell – wurde im «Swiss Glider» Nr. 3 vom Jahr 2004 erklärt. Diesen
Meteo-Bericht findet man aber auch auf der SHV-Website unter Wetter – «Swiss
Glider» Archiv
www.shv-fsvl.ch/d/wetter/index.htm.
Abbildung 2 zeigt den Regtherm Output für die Freiburger Voralpen/Napf
vom 20. Mai 2004. In der Spalte Wind sind die Windprognosen in Richtung (deg)
und Stärke (Knoten – kt) im Tagesverlauf dargestellt. Die Höhe dieser Angaben
bezieht sich jeweils auf die Höhe der Wolkenbasis bzw. auf die Höhe der
Thermikobergrenze.
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Abbildung
1: Die Segelflugprognose vom 20. Mai 2004 und die Alternativen im Überblick.
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Abbildung
2: Das Regtherm ist eine wichtige Alternative zur Segelflugprognose.
Erklärungen siehe Text. |
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Alternative
3: Verschiedene Meteodienste der Schweiz
Im dritten
Abschnitt der Segelflugprognose wird die Tageshöchsttemperatur in den
Niederungen prognostiziert. Da es sich hier um eine Prognose handelt und diese
Temperatur ausschlaggebend ist für die Höhe der Wolkenbasis, macht es Sinn, die
Prognosen der verschiedenen Wetterbüros kurz untereinander zu vergleichen. Bei
SF Meteo und Meteonews findet man unter Bergwetter zusätzlich die
Temperaturprognosen für verschiedene Höhen. Hier die Websites:
Meteotest, Bern:
www.meteotest.ch
SF Meteo, Zürich:
www.sf.tv/sfmeteo/
Meteonews, Zürich:
www.meteonews.ch
Meteomedia, Ostschweiz:
www.meteomedia.ch
Alternative
4: Das Emagramm
Das Emagramm ist
wohl eine der besten Möglichkeiten, um die Thermikgüte an einem Tag
abzuschätzen. Das Emagramm ist eine graphische Darstellung der Vertikalprofile
der Temperatur, des Taupunktes und des Windes, welche mit Wetterballonen erhoben
werden. Die Interpretation der Emagramme bzw. Radiosondierungen setzt
Grundkenntnisse voraus. Diese kann man sich im «Swiss Glider» Nr. 6 vom Juni
2003 aneignen. Der Artikel ist ebenfalls auf der SHV-Website unter Wetter –
«Swiss Glider» Archiv
www.shv-fsvl.ch/d/wetter/index.htm zu finden.
Hat man diese Zeilen gelesen, weiss man nicht nur, auf welcher Höhe die
Nullgradgrenze liegt, sondern auch, auf welchen Höhen Inversionen sind, und wie
stark diese ausgeprägt sind. Somit hat man schon die Informationen vom 4. und 5.
Abschnitt der Segelflugprognose.
Im sechsten Abschnitt der Segelflugprognose werden Angaben über Wolkenmenge und
Höhe der Wolkenbasis gemacht. Die Informationen zur Wolkenmenge findet man
ebenfalls im Regtherm in der Spalte, die mit Cumuli (Octas) betitelt ist. Keine
Sterne zu allen Zeiten heisst, dass aufgrund der Berechnungen keine Cumuli in
dieser Region zu erwarten sind, das heisst, Blauthermik bestimmt den Tag. Dies
ist im Beispiel vom 20. Mai 2004 (Abbildung 2) der Fall. Das gilt aber
wohlverstanden nur für die Region Voralpen/Napf! Daher folgt die Abweichung zur
Segelflugprognose vom gleichen Tag. Im Regtherm bedeutet ein Stern (*) =1/8
Cumulus Bedeckung zur gegebenen Zeit. Zwei Sterne (**) stehen für 2/8 Cumulus
Bedeckung. Man kann also mit dem Regtherm die Entwicklung der Cumuli-Menge im
Tagesverlauf vorhersagen.
Wer die Höhe der Wolkenbasis im Segelflugwetterbericht in der Vergangenheit
beobachtet hat, wird selbst gemerkt haben, dass die Angaben oft um ein paar
hundert Meter zu hoch vorhergesagt wurden. Das Regtherm liefert hier
erfahrungsgemäss genauere Angaben: Zu finden in der Spalte, die mit Basis-Top
betitelt ist. Die Zahlenwerte in der Spalte Basis geben die Höhe der Wolkenbasis
an. Die Angaben in der Spalte Top geben die Höhe der Wolkenobergrenze an. Gibt
es keine Wolkenbasis wegen Blauthermik, sind die Angaben in der Spalte Top die
Obergrenze der Blauthermik.
Im Abschnitt 7 der Segelflugprognose wird über die zu erwartende mittlere
Thermik Auskunft gegeben. Diese Information holt man sich jetzt am besten auch
im Regtherm. Die Spalte Aufwind (0,5 m/s) zeigt, zu welcher Zeit in welcher Höhe
mit wie starken Aufwinden gerechnet werden kann. Dabei wird davon ausgegangen,
dass das Fluggerät um 1 m/s sinkt. Da Gleitschirme enger kreisen als
Segelflugzeuge, können die angegebenen Zahlenwerte für Hängegleiter grob als
Aufwind in m/s verwendet werden. 1er und 2er sind als schwach bis mässig
einzustufen, 3er und 4er als mässig bis gut. Alles darüber kann schon als gut
bis sehr gut interpretiert werden. Weiterführende Hinweise zur Interpretation
vom Regtherm-Output findet man im «Swiss Glider» Nr. 3, 2004.
Alternative
5: Die Thermikcheckliste
Die
Thermikcheckliste kann als Alternative und/oder Ergänzung zur Vorhersage der
Thermikgüte gesehen werden. Alle Infos dazu unter
www.thermikcheck.ch
Alternative
6: Wetter- und Thermikprognosen für Segelflug und Gleitschirm
Auf der Seite
www.schaenissoaring.ch/
schreibt der Meteorologe und Segelflieger H. P. Geier in der Rubrik Meteo
unregelmässig bei guten Streckenfluglagen eine persönliche Prognose.
Zielpublikum sind zwar die Segelflieger. Die Prognosen kann man aber jedem
Gleitschirm- und Deltapiloten wärmstens empfehlen. Der «Wetterfrosch von
Schaenissoaring» hat eine gute Thermiknase, und die Prognosen sind stets
aktuell, wenn es aufwärts geht.
Im Berner Oberland gibt es unter
www.chilloutmeteo.com
einen speziellen Wetterdienst fürs Gleitschirmfliegen. Von Mai bis Oktober
schreibt Chill-Out-Meteorologe und Fluglehrer Micha Schultze regelmässig zwei
Mal pro Woche eine Wetterprognose für das Berner Oberland. Die Prognosen
erscheinen in der Regel jeweils Mitte Woche und am Wochenende und werden nicht –
im Gegensatz zu den Schänis-Prognosen – bei besonders guten Wetterlagen
aktualisiert. Via Newsletter kann man sich über eine aktualisierte Prognose
informieren lassen.
Alternatvie
7: Teletext
Unklar ist zurzeit
noch, ob die Segelflugprognose weiterhin im Teletext auf Seite 790 erscheinen
wird. Dann dürfte sie auch im Internet zu finden sein unter
www.swisstxt.ch/SF2/790-00.html