
Ursachen und Folgen der Klimaänderung
Die Klimaänderung ist Tatsache, und schuld daran ist der Mensch. So lautet das Fazit des ersten von vier neuen Berichten des IPCC, der Anfang Februar erschienen ist. Eine Erwärmung um 1°C bis 3,5°C bis 2050 hat für die Schweiz gravierende Auswirkungen.
Martin Gassner
Die Sonne scheint angenehm warm. Ein Rotmilan dreht in der ersten Frühlingsthermik seine Kreise. Auch zum Gleitschirmfliegen sind die Bedingungen ideal. Zweimal hintereinander fliegt Stefan Hollenstein das Prättigau hinunter und wieder hinauf, insgesamt 85 km weit. Herrlich! Mitte März hätte man diesen Tag ungehemmt geniessen können. Doch es ist erst Mitte Februar, wo Schnee mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eher geschätzt würden.
Extrem warmer Winter
Nicht nur im
Februar, sondern während des ganzen Winters herrschten weit
überdurchschnittliche Temperaturen. Im Januar bewegte sich das Thermometer
durchschnittlich 5 bis 6°C, im Februar 3 bis 4°C über dem langjährigen
Durchschnitt. Bereits Anfang Jahr blühten die Haselsträucher, sodass ausser
einem Erkältungsschnupfen auch ein Heuschnupfen drohte. Erst ungewöhnlich spät,
am 23. und 24. Januar, fiel der erste Schnee bis ins Flachland. Leider erfreute
er nur gerade eine Woche lang die Herzen der Kinder. Der fehlende Schnee und die
hohen Temperaturen heben das Thema Klimaerwärmung zum Diskussionspunkt Nummer
Eins. Sind solch milde Winter die Folge der Klimaerwärmung? Und müssen wir in
Zukunft auf kalte, schneereiche Tage verzichten?
Klimaänderung ist Tatsache
Die Klimaänderung
ist Tatsache, und schuld daran ist der Mensch. So lautet das Fazit des ersten
von vier neuen Berichten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).
Gegründet wurde das IPCC von der World Meteorological Organization (WMO) und vom
Umweltprogramm der Vereinten Nationen (englisch: United Nations Environment
Program, UNEP) mit dem Ziel, Ursachen und Folgen einer vom Menschen verursachten
Klimaveränderung einer breiten Öffentlichkeit aufzuzeigen. Ganz klar sagt der
Bericht, dass es in den letzten 1300 Jahren nie so warm gewesen ist wie heute.
Vermutlich herrschten während der Zwischeneiszeit vor 125'000 Jahren in den
Polarregionen um 3 bis 5°C höhere Temperaturen, wie Untersuchungen von
Eisbohrkernen ergeben haben. Die Ursache war die damalige spezielle
Konstellation der Erdumlaufbahn um die Sonne. Für die jetzigen Temperaturrekorde
sind aber die steigenden Konzentrationen der Treibhausgase wie CO2, Methan und
Stickoxide, verantwortlich. Der Gehalt an CO2 in der Atmosphäre war während der
letzten 650'000 Jahre nie so hoch gewesen wie heute. Beim jetzigen Ausstoss wird
die Konzentration noch weiter ansteigen.
Und damit steigen auch die Temperaturen weiter. Auf Grund von Modellrechnungen
ist in den nächsten zwanzig Jahren eine globale Erwärmung von 0,4°C zu erwarten.
Auch wenn der Ausstoss von Treibhausgasen auf dem Niveau des Jahres 2000
konstant gehalten würde, wäre eine Erwärmung von 0,2°C zu erwarten. In der
Schweiz wird bis Mitte des 21. Jahrhunderts die mittlere Temperatur um 1° bis
3,5°C gestiegen sein.
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Abb. 1
Jahrestemperatur in der Schweiz 1864-2006 |
Folgen der Klimaänderung
Die Folgen wirken
sich bereits spürbar auf unser Klima aus und werden sich noch verstärken:
Einerseits sind extrem kalte Tage seltener und andererseits weniger kalt geworden. Dafür sind die heissen Tage häufiger und zugleich noch heisser geworden.
In tiefen Lagen ist der Schnee im Winter selten geworden. Perioden mit Schneebedeckung unterhalb 1300 m sind bereits deutlich kürzer geworden. Einen milden Winter wie den vergangenen wird es häufiger geben.
Die Westwinde in den mittleren Breiten sind seit den 60er-Jahren stärker geworden. Auch die Zugbahnen der Stürme und Tiefdrucksysteme haben sich verschoben und ziehen weiter nördlich vorbei.
In den tiefen Lagen der Alpennordseite beginnt der Frühling immer früher. Mit 2,3 bis 5,1 Tagen pro Jahrzehnt ist die Verschiebung seit 1988 besonders ausgeprägt. Hauptgrund dafür ist die steigende Temperatur. In höheren Lagen und auf der Alpensüdseite ist die Änderung nicht so ausgeprägt.
In der Schweiz sind im Herbst und im Winter intensive Niederschläge häufiger geworden. In Zukunft werden im Winter noch 20% mehr Niederschläge erwartet, dafür werden die Sommer um 5% bis 30% trockener. In hohen Breitengraden nehmen die Niederschläge zu, im Gegensatz dazu trocknen subtropische Regionen aus.
Hitzewellen treten häufiger auf, die Variabilität der Temperatur in den Sommermonaten nimmt in Mitteleuropa zu, d.h. ein Sommer wie in 2003 könnte sich oft wiederholen.
Trockene Flussbetten
Wie sieht damit
das Wetter in der Schweiz aus? Vereinfacht gesehen erhalten wir in der Schweiz
ein ähnliches Klima, wie es jetzt im Mittelmeerraum herrscht: Häufige heisse,
trockene Sommer und nasse Winter ohne Schnee. Mit der Hitze verschärft sich die
Ozonbelastung im Sommer. Schlechte Luft und dauernd überschrittene Grenzwerte
werden unsere Lungen zunehmend belasten. Wald- und Landwirtschaft unter der
Sommertrockenheit leiden unter dem Wassermangel. Als Folge des trockenen Sommers
2003 stieg der Anteil der Bäume mit einer Kronenverlichtung unbekannter Ursache
im Jahr 2004 stark an. In den Monaten Juni und Juli 2006 führte die grosse Hitze
und Trockenheit zu einer miserablen Kartoffelernte. Dank der Gletscher
verknappten während der heissen Zeit die Wasserressourcen nicht. Was aber, wenn
die Gletscher weggeschmolzen sind? Die Flussbetten werden weniger Wasser führen
oder gar ganz austrocknen. Dies hat Auswirkungen auf die Energiewirtschaft, die
eine Produktionseinbusse von 7-10% erwartet.
Schweiz ohne Gletscher
Seit dem Ende der
Kleinen Eiszeit um 1850 haben die Schweizer Gletscher schon über 50% ihres
Volumens verloren. Eine von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und
Glaziologie VAW der ETH Zürich durchgeführte Analyse der Messungen vom Herbst
2005 zeigt, dass sich in der Messperiode 2004/2005 von 91 Schweizer Gletschern
84 um durchschnittlich 1 m bis 30 m zurückgezogen haben und nur 7 stationär
geblieben sind. Mit 216 m wies der Triftgletscher den grössten Rückzug auf,
gefolgt vom Grossen Aletschgletscher mit 66 m. Die beiden Gletscher sind damit
seit den ersten Messungen im Jahr 1861 um 2771 m bzw. 2639 m kontinuierlich
zurückgegangen. Bis 2050 dürfte vielleicht noch ein Viertel der Gletscher übrig
bleiben, das Gletscherland Schweiz wird der Vergangenheit angehören.
Mittelland ohne Schnee
Verschneite
Landschaften werden in tiefen Lagen ebenfalls Geschichte sein. Lag die
0°C-Grenze, die ungefähr der Schneefallgrenze entspricht, während der
Wintermonate 1960 noch bei ca. 600 m Höhe, stieg sie bis Ende der 90er-Jahre auf
etwa 900 m Meereshöhe an, wie eine Studie der MeteoSchweiz ergab. Mit der
fortschreitenden Erwärmung wird auch die 0°C-Grenze weiter ansteigen und damit
auch die Schneegrenze. Skifahren wird nur noch in hochgelegenen Gebieten möglich
sein. In tiefen Lagen fällt vornehmlich Regen. Da im Gegensatz zum Schnee das
Wasser sofort abfliesst, werden während Regenperioden die Pegel in den Flüssen
weit ansteigen. Überschwemmungen werden öfter zu erwarten sein.
In seinem Bericht zeigt das IPCC einen klaren Zusammenhang zwischen dem
CO2-Gehalt der Atmosphäre und der Klimaerwärmung. Verschiedene Massnahmen wurden
bereits diskutiert, um den CO2-Ausstoss zu limitieren. Doch genügt das?
Eigentlich wäre als Ziel 100% erneuerbare Energien anzustreben. Das ist aber
weder kurzfristig noch einfach zu realisieren.
Links:
http://www.ipcc.ch/SPM2feb07.pdf
http://www.meteoschweiz.ch/web/de/wetter/wetterereignisse/warmer_januar_2007.html
http://www.proclim.ch/products/heatwave03/heatwave03_bericht.html
http://www.bafu.admin.ch/klima/index.html
http://www.satw.ch/
