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La Palma / Max Jeanpierre
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Warum sind im Emagramm die Trockenadiabaten krumm? So lautete eine Frage im letzten Fluglehrerkurs. Die Frage war brisant, erschütterte sie doch eine der wichtigsten Konstanten beim Thermikfliegen. Und wirklich, die vermeintlichen Geraden steigen mit zunehmender Höhe immer steiler in die Höhe.
Martin Gassner
Gleich zu Beginn eines Thermikseminars taucht der trockenadiabatische Temperaturgradient erstmals auf. Das ist die Rate, mit der sich eine Warmluftblase abkühlt, wenn sie aufsteigt. Der magische Wert lässt sich einfach merken und beträgt 1 °C pro 100 m Höhenunterschied. Genaugenommen ist er etwas kleiner, nämlich 0.0098 °C/m. Ist diese Konstante also nicht konstant?! Im wissenschaftlichen Umfeld bedeuten Geraden Spezialfälle oder Vereinfachungen, die nur unter bestimmten Bedingungen gültig sind. Kurven sind der Normalfall. So müsste die Frage umgekehrt gestellt werden: Unter welchen Bedingungen sind die Trockenadiabaten Geraden?
Adiabatische Prozesse
Was aber ist eine
Adiabate? Die Thermodynamik bezeichnet einen Prozess als adiabatisch, wenn er
mit der Umgebung weder Energie, dazu gehört auch Wärme, noch Masse austauscht.
In der Thermikblase sind diese Bedingungen weitgehend erfüllt. Geringfügig
verletzt wird die Adiabatenbedingung dadurch, dass die Wirbel am Rand
Umgebungsluft in die aufsteigende Blase hineinmischen. Ein anderes Beispiel für
einen adiabatischen Prozess bildet die Subsidenz, das heisst die Absinkbewegung
in einem Hochdruckgebiet. Sie erfolgt derart grossräumig, dass weder Wärme noch
Masse mit der Umgebung ausgetauscht werden können, da diese gleich warm ist.
Einzig die Strahlungseffekte müssen vernachlässigt werden.
In adiabatischen Prozessen hängen Druck und Temperatur voneinander ab. Wenn eine
Thermikblase aufsteigt, dehnt sie sich entsprechend dem Luftdruck der
Umgebungsluft aus. Innerhalb der Thermikblase folgt der Druck so genau dem
Druckverlauf der Umgebungsluft. Da die Ausdehnung der Thermikblase während ihrem
Aufstieg ein adiabatischer Prozess ist, folgt auch die Temperatur der
Thermikblase dem Druckverlauf der Umgebungsluft. Nun ist der Druckverlauf der
Umgebungsluft nicht gleichmässig, hängt er doch vorwiegend von der
Lufttemperatur ab. Kalte Luft ist schwerer als warme. So nimmt der Luftdruck in
kalter Luft rascher ab als in warmer. Wer zum Beispiel vor der GPS-Zeit auf die
Berge kraxelte, stellte fest, dass er an einem kalten Wintertag seinen
Höhenmesser, der einen Barometer enthielt, häufig justieren musste, auch wenn
stabiles Wetter herrschte. An einem Sommertag war das nicht so oft notwendig, da
die Skala des Höhenmessers besser an warme Temperaturen angepasst war.
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Abbildung 1:
Sondierungen vom 4. März 2008, 21. April 2007 und 18. Juli 2006. Blau
eingezeichnet sind Hilfslinien der Trockenadiabaten. |
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Abbildung 2: Temperaturgradienten der
Thermikblasen. |
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Abbildung 3: Differenz der Temperatur der
Thermikblasen mit und ohne Berücksichtigung der Umgebungstemperatur. |
Ungleichmässiger Druckverlauf
Wie wirkt sich der
ungleichmässige Druckverlauf auf die Trockenadiabate aus? Die Temperatur in der
Thermikblase folgt auf komplizierte Weise der Temperatur der Umgebungsluft. Die
Rate, mit der sich die Thermikblase abkühlt, ist proportional zum Verhältnis der
Temperatur im Innern zur Temperatur der Umgebungsluft. Je grösser dieses
Verhältnis ist, umso grösser ist die Temperaturabnahme. In Abbildung 2 sind die
Verläufe der Temperaturgradienten, wie sie beim Aufstieg der Thermikblasen
auftreten, für die drei in Abbildung 1 dargestellten Sondierungen aufgezeichnet.
Es zeigt sich, dass im unteren Bereich, also in der thermisch aktiven Schicht,
die Temperaturänderung über dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten liegt,
um mit zunehmender Höhe stetig abzunehmen. Doch so weit steigt die Thermikblase
gar nicht auf. Auf absolute Werte umgerechnet, sinkt die Temperatur der
Thermikblase zuerst unter den Wert, den man erhalten würde, würde
ausschliesslich der trockenadiabatische Gradient zur Berechnung verwendet.
Dieser Verlauf ist in Abbildung 3 dargestellt.
Konstanter Gradient im Emagramm
Zurück von der
Thermikblase ins Emagramm, genauer ins «Skew T-log p»-Diagramm. Per Definition
folgen diese dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten. Weshalb also sind
dort die Hilfslinien der Trockenadiabaten krumm eingezeichnet? Die Antwort
liefert die vertikale Koordinate. Als Höhenkoordinate dient nämlich nicht die
Höhe selbst, sondern der Logarithmus des Luftdrucks. Dieser entspricht nur
ungefähr der Höhe. Mit zunehmender Höhe streckt sich die Meterskala etwas.
Infolge dieser Streckung streben die Trockenadiabaten im «Skew T-log p»-Diagramm
gegen oben immer steiler hinauf. Mit einer normalen Höhenskala in Meter sind
diese Hilfslinien exakte Geraden.
Modellatmosphären
Aufgepasst: Die
Höhenskala, welche gewöhnlich im Emagramm eingezeichnet ist, basiert auf der
«U.S. Standard Atmosphere 1976». Dies ist eine Modellatmosphäre, die vor allem
für die Luftfahrt definiert wurde. Als Ausgangswerte gelten: Luftdruck in
Meeresniveau 1013,2 hPa, Temperatur in Meereshöhe +15°C, vertikaler
Temperaturgradient 0,65°C je 100 m Höhenzunahme. Höhe der Tropopause 11'000 m,
Temperatur in der Tropopause und darüber konstant -56,5°C. Die Höhenberechnung
aufgrund dieser Modellatmosphäre unterscheidet sich von der Höhenberechnung, wie
sie sich aus einer Sondierung ergibt. Unterschiede über 100 m sind möglich.
Ebenfalls auf einer Art Modellatmosphäre beruht die Definition der
Trockenadiabaten als Gerade. Wird nämlich eine Atmosphäre angenommen, die
bereits einen trockenadiabatischen Temperaturgradienten aufweist, folgt daraus
ein konstanter Gradient von 0.0098 °C/m. Ist die Luft anders geschichtet, weicht
der Temperaturgradient von diesem Wert ab und ist auch nicht konstant.
Fazit
Betrachtet man die
Unterschiede, so entsteht der Eindruck, dass es sich bei dieser Diskussion um
gekrümmte Trockenadiabaten um eine akademische Frage handelt, die in der
Realität nicht von Belang ist. Zu gross sind die Unsicherheiten bei der Wahl der
Maximaltemperatur und des Taupunktes. Eines jedoch bestätigt sich, Geraden sind
Spezialfälle.
Links
http://www.shv-fsvl.ch/d/wetter/archiv/0603.htm
http://en.wikipedia.org/wiki/U.S._Standard_Atmosphere
http://de.wikipedia.org/wiki/Standardatmosphäre
http://www.aviation.ch/tools-atmosphere.asp