Ostwind bringt
Heuwetter
Westwind
Krautwetter
Südwind Hagelwetter
Nordwind
Hundewetter
Diese Bauernregel kann auch für die Abschätzung des Flugwetters verwendet werden: Die besten Thermiklagen entstehen hauptsächlich bei Nord- bis Ostlagen, wenn kalte, trockene Luft gegen unser Land gesteuert wird.
Luft, die mit West- bis
Nordwestwinden herantransportiert wird, ist gewöhnlich sehr feucht. Auch wenn
Hochdruck dominiert, liegt die Wolkenbasis oft zu tief für weite Streckenflüge.
Die Herkunft der herbeigeschafften Luftmassen bildet also den Schlüssel für
diese Bauernregel.
Wie werden Luftmassen definiert? Wenn sich Luft während einer anhaltenden
Hochdrucklage längere Zeit über einer gleichartigen Gegend aufhält, zum Beispiel
über den weiten Ebenen von Sibirien oder über den Azoren, so gleichen sich ihre
Eigenschaften wie Temperatur, absolute Feuchte, Schichtung oder Staubgehalt über
grosse Strecken aneinander an. Man bezeichnet sie als eine Luftmasse. Es ist
klar, dass eine Luftmasse, die über den Azoren geformt wurde, sich in ihrer Art
stark von einer sibirischen Luftmasse unterscheidet. Über dem Atlantik wird die
Luftmasse warm und feucht sein, während über Sibirien die Luft kalt und eher
trocken sein wird. Da der Feuchtigkeitsgehalt ein wesentliches Merkmal ist,
unterscheidet man maritime und kontinentale Luftmassen, die sich über dem Meer
respektive über dem Land geformt haben. Maritime Luft ist deshalb sehr feucht,
während Kontinentalluft trocken ist.
![]() Zunehmender Hochdruckeinfluss trocknet feuchte, maritime Luft aus, die Nordwest-Winde herangetragen haben. |
![]() Eigenschaften und Wetter der Luftmassen, die im Sommer nach Mitteleuropa fliessen. |
Transport
Durch eine Wetterumstellung geraten die
an einem Ort geformten Luftmassen in Bewegung und werden über weite Gebiete
verfrachtet, wo der sich ändernde Untergrund ihre Eigenschaften stark
beeinflusst. Über dem Meer nimmt sie weiterhin Feuchtigkeit auf, ihr
Wasserdampfgehalt steigt auch während des Transports noch an. Streicht die Luft
dagegen über Festland, wächst der Staubgehalt. Für das Wetter in der Schweiz hat
das Konsequenzen: Bei Wind aus westlichen Richtungen erreicht uns die Luft nach
einem weiten Weg über den Atlantik, wo sie reichlich Wasser aufgenommen hat und
in Form von Wolken und Regen zu uns trägt, der das Kraut im Garten spriessen
lässt. Luft aus Russland, wenn also Wind aus Nordosten weht, lockt im Sommer
wegen ihrer geringen Feuchte zur Heuernte. Dafür sinkt wegen des grossen
Staubgehalts die Sichtweite.
Aber auch die Stabilität ändert sich. Kalte Luft aus nördlichen Gegenden gerät
auf ihrem Weg nach Süden zunehmend über wärmeren Boden. Die unterste Schicht
wird aufgeheizt, was zu starker thermischer Aktivität führt. Das zeigt sich an
den schönen Cumuli bei trockener Luft oder an den imposanten Gewitterwolken bei
genügender Feuchtigkeit.
Umgekehrt wird warme Luft aus südlichen Gegenden von unten her abgekühlt. Ihre
Schichtung stabilisiert sich zunehmend. Durch die Abkühlung nimmt die relative
Feuchtigkeit zu. Feuchter Dunst, Nebel oder bei starkem Wind tiefe Schichtwolken
sind die Folge.
Herkunft
Luftmassen unterscheidet man neben ihren
Eigenschaften auch nach ihrer Herkunft. Gebräuchlich sind die vier
Hauptkategorien Tropikluft, Polarluft, Arktikluft und Äquatorialluft.
Tropikluft bildet sich in subtropischen
Hochdruckzellen. Aus dem Azorenhoch oder seltener aus dem Mittelmeergebiet, also
aus Südwest bis Süd, kommt warme, feuchte Luft zu uns mit starker Bewölkung,
Nebel und Nieselregen. Von Nordafrika, Kleinasien, Arabien und im Sommer noch
Südrussland und Innerasien gelangt im Sommer trockene, heisse und partikelreiche
Luft zu uns und führt zu trockenem Dunst. Im Winter bringt sie feuchten Dunst,
Nebel, Nieseln und tiefe Wolken.
Polarluft, ihren Namen erhielt sie aus historischen Gründen, stammt aus den
mittleren Breiten und subpolaren Gebieten. Aus Kanada oder vom Nordatlantik bei
etwa 50° gelangt sie über den Atlantik zu uns. Im Sommer, wenn das Wasser kälter
als das Festland ist, bringt sie uns kühles, unbeständiges Regenwetter mit
Schauer und Gewitter, im Winter eher Tauwetter oder nassen Schnee.
Arktikluft gelangt vom hohen Norden nur im
Winter in unsere Gegend und bringt extreme Kälte, wird aber oft auf dem Weg von
Nordkanada hierher in Polarluft transformiert. Von Spitzbergen oder Grönland
bringt sie uns viel, von Sibirien oder Nordrussland nur wenig Schnee, dafür
eisige Temperaturen und eine gute Sicht.
Äquatorluft bildet sich in den Tropen. Sie erreicht Mitteleuropa nicht.
Luftmassengrenzen
Der Übergang von einer Luftmasse zu
einer anderen erfolgt natürlich kontinuierlich, kann aber in bestimmten Fällen
sehr scharf sein. In Bewegung geratene Luftmassen können so gegeneinander
strömen, dass die Änderung der Eigenschaften über eine sehr kurze Distanz
erfolgt. Wenn zum Beispiel kalte Polarluft auf ihrem Weg nach Süden auf warme
Tropikluft aufprallt, die nach Norden fliesst, entstehen über kurze Strecken
grosse Temperaturunterschiede. Diese Bereiche, in welchen das Wetter seine
dramatische Seite entfaltet, bezeichnet man als Fronten. Sie können sich
verschieben oder stationär bleiben. In der Polarfront grenzen Tropikluft und
Polarluft aneinander, in der Arktikfront Polarluft und Arktikluft.
Martin Gassner