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6000 Wetterlinks für Europa

Wer die Schweiz verlässt, um in Castelluccio, an der Dune du Pyla oder an den Dünen Dänemarks zu fliegen, ist mit den Schweizer Wetterprognosen schlecht bedient. «Westwind» ist nicht nur die häufigste Wetterlage in Europa, sondern auch der Weg zum Ziel, um in den Ferien an gute Flugwetterinformationen zu gelangen.

westwind.ch vereint auf einer Seite die nationalen Wetterdienste, weitere meteorologische Institutionen, Video-, Radar- und Satellitenbilder für ganz Europa, Vorhersagen in Form von Piktogrammen und alle auf dem Internet verfügbaren Wetterkarten, die Europa oder einen Teil davon abdecken.
Keine einfache Aufgabe hat sich Markus Pfister* – Initiator und Betreuer von westwind.ch – gestellt, als er 1995 angefangen hat, Wetterinformationen für ganz Europa in einer Homepage übersichtlich und benutzerfreundlich zu verlinken. Die Liste der Lesezeichen in seinem Browser wurde zu gross, was ihn veranlasste, daraus eine Webpage zu gestalten. Was ursprünglich für den Eigengebrauch gedacht war, wird heute von über 5000 Besuchern pro Tag genutzt. In erster Linie sind dies professionelle Meteorologen von verschiedenen nationalen Wetterdiensten. Aber auch Hobby-Meteorologen und immer mehr interessierte Hängegleiterpiloten finden sich im Labyrinth der 6000 Links zurecht. Für alle, die den Weg zu westwind.ch noch nicht gefunden haben, soll dieser Artikel als kleiner Leitfaden dienen.

Current Weather
Abbildung 1 zeigt die Startseite von westwind.ch. Da sie in Englisch verfasst ist und viele Abkürzungen enthält, ist der Einstieg nicht gerade einfach. In der linken Spalte, die mit Current Wea-ther betitelt ist, findet man aktuelle, beobachtete oder gemessene Werte. Live Pics steht für aktuelle Videokamera-Bilder. Hinter diesem Link erscheint eine Karte mit den Kamerastandorten in der Schweiz und eine Europakarte. Sat Pics ist die Abkürzung für Satellite Pictures (Satellitenbilder). Weather Obs steht für Weather Observations, was soviel heisst wie Wetterbeobachtungen. Hier findet man Karten mit Messwerten, Karten mit Linien- und Flächeninformationen und Listen mit Stationsnamen und Messwerten. Radar Maps steht für Niederschlagsradar-Karten. Eine alphabetische Liste führt schnell zum gewünschten Land und zur Information, wo es im Moment im betreffenden Land regnet. Lightn. Maps sind Lightning Maps und zeigen, wo in den letzten 10 Minuten, in der letzten Stunde oder in den letzten 24 Stunden Blitze eingeschlagen haben. Soundings sind Radiosondierungen. Da Radiosondenmessungen von mehreren Institutionen veröffentlicht werden, kann man hier von einer Liste auswählen.

Abb. 1: Die Startseite von westwind.ch: Portal zu 6000 Wetterlinks
.

 

Abb. 2: Diese Karte führt zu den nationalen Wetterdiensten in Europa.
 

Abb. 3: In dieser Spalte befinden sich alle Wettermodelle.
 

Abb. 4: Übersicht der Wetterkarten von BOLAM 21. Die Wetterkarten für einen Parameter können entweder einzeln für einen bestimmten Zeitpunkt heruntergeladen werden oder alle zusammen mit ALL.
 
Abb. 5: Navigationsseite bei mehreren Wetterkarten. Hier ist der Luftdruck auf Meeresniveau dargestellt, wie er vom Wettermodell BOLAM 21 prognostiziert wird. Der Abstand zwischen zwei benachbarten Isobaren beträgt bei diesen Wetterkarten 2 hPa.
 

Abb. 6: Gleiche Wetterkarte wie in Abbildung 5. Zeitpunkt der Gültigkeit: 9 Stunden später. Über den Alpen hat sich die Luftdruckdifferenz auf 6 bis 8 hPa vergrössert. Die Gefahr von Föhn muss für diesen Tag als sehr gross vorhergesagt werden.

Forecast Pictograms
In der zweiten Spalte unter Forecast Pictograms ist eine Liste von Institutionen gegeben, die Vorhersagen für Städte oder Regionen in Form von Piktogrammen machen. Abbildung 2 zeigt zum Beispiel die Karte, welche hinter National erscheint. So kommt man schnell zum nationalen Wetterdienst und zu den Wettervorhersagen von fast jedem europäischen Land. Unter Meteonews kann man ebenfalls auf einer Europakarte Piktogramm-Vorhersagen für gewisse Städte anschauen. Wunderground, WetterOnline, Weather.com, USA Today und Yahoo sind weitere Anbieter von Prognosen.

Wettermodelle: Der Kern von westwind.ch
Die Spalten 3 bis 5 sind der Kern von westwind.ch. Jede Abkürzung  steht für ein Wettermodell. In der dritten Spalte sind alle Modelle zusammengefasst, die den Zeitraum von 0 bis 48 Stunden abdecken. In der vierten Spalte finden sich alle Modelle, die die nächsten 3 Tage vorhersagen, und in der fünften Spalte die Langfrist-Modelle, die bis zu 10 Tage prognostizieren.
Indem man mit der Maus über die Abkürzungen fährt, erscheint im darüber liegenden weissen Feld der vollständige Name des betreffenden Modells. An einem konkreten Beispiel soll jetzt gezeigt werden, wie man von hier aus zu den Wetterkarten kommt.

Beispiel BOLAM
Ein Klick auf BOLAM (Bologna Limited Area Model) öffnet eine Unterauswahl, wie sie in Abbildung 3 zu sehen ist. Die Bedeutung der Abkürzung erfährt man, wie oben beschrieben. Hier werden – einfach erklärt – verschiedene Versionen dieses Modells präsentiert. BOLAM 21 steht für eine Version, die mit einem Gitternetzabstand von 21 Kilometern rechnet und ganz Mittel- und Südeuropa abdeckt. BOLAM 6.5 steht für eine Version, die mit einem Gitternetzabstand von 6,5 km rechnet und nur Norditalien und den gesamten Alpenraum einbezieht. BOLAM Difi, BOLAM Sar und BOLAM Noa stehen für weitere Versionen.
Wenn man auf BOLAM 21 klickt, wird man zu einer Tabelle (siehe Abbildung 4) weitergeleitet. In der linken Spalte sind die verschiedenen Wetterparameter aufgelistet. SLP steht für Sea Level Pressure und heisst Luftdruck auf Meeresniveau. Precip steht für Precipitation und bedeutet Niederschlag. Precip 3h steht für den kumulierten Niederschlag der letzten 3 Stunden und Precip 12h ist der aufsummierte Niederschlag der letzten 12 Stunden. Bei Snow 12h wird nur der Niederschlag berücksichtigt, der in Form von Schnee fällt. T2m, Wind10m bedeutet, dass auf dieser Karte zwei Wetterparameter gleichzeitig dargestellt sind, nämlich die Temperatur in 2 Metern Höhe und der Wind in 10 Metern Höhe. Die Liste der Abkürzungen hört nicht auf. Doch zum Glück gibt’s unter Help ein Abkürzungsverzeichnis (list of abbreviations).
Hinter jeder Zahl steckt eine Wetterkarte. Für welchen Zeitpunkt gilt die Wetterkarte? Im betreffenden Feld steht die Anzahl Stunden von 00 Uhr (UTC) des heutigen Tages aus gezählt. Also: Wenn im Feld eine 24 steht, gilt die Karte für heute Nacht um Mitternacht. Diese Information steht immer in der Kopfzeile. Ebenfalls in der Kopfzeile steht der Zeitpunkt, wann das Modell jeweils frisch aktualisiert wird (Update). Um nicht jede Wetterkarte einzeln anklicken zu müssen, sondern gleich alle Karten in Abfolge betrachten zu können, gibt es ganz rechts bzw. ganz unten das Feld ALL, welches alle Karten der betreffenden Zeile bzw. Spalte automatisch herunterlädt.
Im Navigationsfenster (Abbildung 5) kann man dann Schritt für Schritt von einer zur nächsten Wetterkarte klicken (mit 1>) oder mit Play den Loop als Film betrachten. Wobei mit Fast und Slow die Geschwindigkeit reguliert werden kann. Mit Rewind gelangt man stets an den Anfang der Sequenz, und mit Back kommt man zurück zur Übersichtstabelle. Main führt in jedem Fall zur Startseite. Die Wetterkarte in Abbildung 5 ist gültig für den Dienstag 30. März (Tue 30 MAR) um 00Z (00 = UTC, 1 Uhr = MEZ, 2 Uhr = MESZ). Über der iberischen Halbinsel liegt ein Tiefdruckgebiet mit einem Kerndruck von 1006 hPa, über Osteuropa befindet sich das Hochdruckgebiet mit einem Kerndruck von 1026 hPa. Vorsicht mit der weissen Linie, die mit 1000 (fettgedruckt!) angeschrieben ist. Es handelt sich hier um die 1000-mü.M.-Höhenkurve und nicht um eine Isobare! Im Bereich der Alpen hält sich auf der Südseite höherer Druck (orange Fläche), während auf der Nordseite ein tieferer Druck herrscht. Der Abstand zwischen zwei Isobaren beträgt 2 hPa. Die Druckdifferenz über den Alpen wird von diesem Modell mit zirka 4 hPa prognostiziert. Abbildung 6 zeigt den Luftdruck, der für den gleichen Tag um 9 Uhr Z, das heisst für 11 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit vorhergesagt wird. Die Druckdifferenz über den Schweizer Alpen ist bereits auf 6 bis 8 hPa angestiegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass an diesem Tag in den Tälern der Alpennordseite der Föhn bläst, ist sehr gross. Mit diesen Wetterkarten kann in 3-Stunden-Schritten abgeschätzt werden, wie stark sich das Luftdruckgefälle über den Alpen verändern wird. Im «Swiss Glider» 7.04 (Juli) wird detaillierter über die Wetterparameter von BOLAM 21 und BOLAM 6.5 und deren flugmeteorologische Interpretation informiert werden.

Forecast Model Special
In der letzten Spalte (Abbildung 1) befinden sich Werkzeuge, mit denen Meteorologen abschätzen, wie sicher bzw. wie zuverlässig die Wetterkarten einen künftigen Zeitpunkt vorausberechnen. Dazu zählen die Ensembles und die Comparisons. In Archives findet man mehrere Wetterkartenarchive. Einzelne gehen zurück bis 1950. Meteograms, Soundings, Long Range und Sea Models sind weitere Werkzeuge, mit denen die klassischen Boden- und Höhenwetterkarten ergänzt werden können.

Search
Neben Weather parameter kann aus einer vorgegebenen Liste ein Wetterparameter (zum Beispiel der Wind) ausgewählt werden. Zusätzlich kann mit Area die Auswahl auf ein bestimmtes Land beschränkt werden. Mit Search werden alle Modelle gesucht, die den entsprechenden Parameter im bestimmten Land prognostizieren.

Help & News
Unter Help findet man Links zu Interpretationshilfen von Wetterkarten sowie weitere Starthilfen. Besonders wertvoll ist das umfangreiche Abkürzungsverzeichnis. Unter News führt Markus Pfister alle Änderungen auf, die an der Webpage vorgenommen worden sind.
Die grösste Gefahr ist es, sich im Labyrinth der tausend Wetterkarten zu verirren. Wer zum ersten Mal mit westwind.ch arbeitet, sollte sich auf ein einziges Wettermodell, vielleicht sogar auf nur einen Wetterparameter innerhalb eines Modells beschränken. Für Hängegleiterpiloten ist das obige Beispiel ein idealer Start. Der Luftdruck auf Meereshöhe ist bereits ein aus der Theorieprüfung bekannter Parameter. Wenn man zum Beispiel über mehrere Tage beobachtet, wie sich dieser Parameter in den Vorhersagen in 3-Stunden-Schritten verändert, kann dies den Bezug zur Praxis und langfristig das Verständnis des Wettergeschehens verbessern.

Micha Schultze

* Markus Pfister ist in Luzern aufgewachsen und hat an der Universität Bern Geografie mit Schwerpunkt Meteorologie und Fernerkundung studiert. Danach war er drei Jahre als Meteorologe bei Meteonews in Zürich tätig. Seit Anfang 2004 ist er bei Meteomedia angestellt. Da seine Website nicht kommerziell genutzt wird, ist sie eine Plattform für Modellierer, Universitäten und andere meteorologische Institutionen. Im März 2004 stammten 25% der Besucher aus Italien, 10% aus der Schweiz, 6% aus den USA und der Rest aus den übrigen europäischen Ländern. Pfisters oberstes Ziel ist Kontinuität. Im Internet sei alles einem schnelllebigen Wandel unterworfen, meint er. Dieser Entwicklung will er entgegenwirken. Seine bevorzugten Modelle sind ETA 2003, MESO-ETA, BOLAM 21 und NMM.

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