Mit dem Meteogramm kann der Meteorologe und Gleitschirmflieger beobachten, wie sich verschiedene Wettervariablen (z.B. Temperatur, Feuchtigkeit, Wind, Luftdruck, Wolken, Niederschlag) an einem Ort über eine bestimmte Zeitspanne verändern.
Micha Schultze, www.chilloutmeteo.com
Ein Meteogramm kann einerseits bereits beobachtete Variablen rückblickend graphisch darstellen. Mit der Hilfe eines Wettermodells kann ein Meteogramm andererseits auch die künftige Entwicklung, d.h. die Prognose dieser Variablen, zeigen. Im Internet gibt es zwei Quellen für Meteogramme, die dem Hängegleiterpiloten wertvolle Informationen liefern. Das GFS-Meteogramm vom Global Forecasting System und die Meteogramme von Meteoblue.
GFS-Meteogramm: Der Weg zum Ziel. Den Einstieg für ein GF-Meteogramm findet
man über die Website Air Resources Laboratory (ARL) unter http://www.arl.noaa.gov/ready/cmet.html.
Drei Möglichkeiten hat man um hier auf globaler Ebene einen Ort auszuwählen
(Abbildung 1):
> A) wählt einen Ort aus einer Liste aus. Hier steht in der Schweiz allerdings
nur Zürich zur Auswahl.
> B) Man gibt die Geograhische Breite und Länge ein.
> C) Man klickt mit der Maus auf die Weltkarte (relativ ungenau).
Ich empfehle
die Variante B mit ganzen Zahlen für Latitude (Breite) und Longitude (Länge).
Zum Beispiel 47 und 8 entspricht ziemlich genau dem Napf und ist eine gute
Annäherung für die mittleren Landesteile der Schweiz. 47 und 7 eignen sich für
den Jura. 46 und 9 ist ausreichend genau fürs Tessin.
Weiter geht’s mit Continue. Abbildung 2 zeigt die nächste Auswahl an: Neben
Meteogrammen kann man hier auch Windgrams (Winddiagramme), Windrosen und
Soundings (Vertikalprofile bzw. Sondierungen) für diesen Ort berechnen lassen.
Drei Zeitfenster hat man zur Auswahl: 0–84 Stunden, 0–180 Stunden und 192-384
Stunden. Hier empfehle ich nur mit dem ersten Datensatz für die nächsten 4 Tage
zu arbeiten, da die Genauigkeit der Prognose über 4 Tage hinaus je nach
Wetterlage und Jahreszeit beschränkt ist.
Die Qual der
Wahl – Abbildung 3: Ganze 27 Variablen stehen hier zur Auswahl. Folgende
Auswahl empfehle ich allen, die das erste Mal mit Meteogrammen arbeiten:
> A) Choose from Below (Aus der Liste unten auswählen)
> B) – Mean Sea Level
Pressure (Luftdruck auf Meereshöhe)
– Accumulated Precipitation (Niederschlagsmenge)
– Total Cloud Cover (Bewölkungsgrad)
– Wind Flags (Wind Fahnen)
> C) 850 mb
(entspricht ungefähr einer Höhe von 1500 m ü. M.)
Der Wind auf einer Höhe von 1500 m ü. M. eignet sich relativ gut zum Abschätzen der Windstärke und -richtung für Startplätze, die auch ein paar hundert Meter höher bzw. tiefer liegen. SFC steht für Surface und bezieht sich auf die Erdoberfläche. Zum Schluss muss nur noch der Code im Buchstabenfenster unten abgetippt werden (D), und man erhält nach ein paar Sekunden das Meteogramm.
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Abb. 1: Die
Startseite von Air Resources Laboratory, READY: Als Erstes muss der Ort
ausgewählt werden. |
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Abb. 2: Die
verschiedenen Produkte von READY: Das Meteogramm ist eines von vielen
graphischen Darstellungsmöglichkeiten. Rechts hat man drei Modelldatensätze
zur Auswahl. |
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Abb. 3: Die
Auswahlliste der verschiedensten Variablen fürs GFS-Meteogramm.
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Abb. 4: Das
GFS-Meteogramm vom 12. März 2006. |
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Abb. 5: Das
NMM-Meteogramm vom 12. März 2006. |
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Das GFS-Meteogramm vom 12. März 2005.
In Abbildung 4 ist die Prognose der vier
ausgewählten Variablen graphisch dargestellt. Ganz unten findet man die
Zeitachse. Z steht für Zulu time und ist das gleiche wie UTC (Universal Time Coordinated). Zu dieser Zeit muss man im Winter 1 Stunde und im Sommer 2 Stunden
dazu addieren, um zur mitteleuropäischen Zeit zu gelangen.
Das oberste Fenster zeigt den Wind auf 1500 m. Man sieht schön, wie der Wind in
den nächsten 24 Stunden von Nord auf Nordost dreht und in den folgenden Tagen
zunehmend aus Osten kommt. Die Windstärke kann mit Hilfe der Striche am Ende
eines Fähnchens ermittelt oder direkt unterhalb der Fähnchen an der Zahl
abgelesen werden. Die Skala ist in Knoten. Die Erfahrung zeigt, dass aufgrund
der Reibung im Gelände, diese Windwerte in vielen Fluggebieten um 30 bis 50%
nach unten korrigiert werden müssen. Zumindest was die Mittelwerte betrifft.
Im nächsten Fenster ist der aufsummierte Niederschlag in mm innerhalb von 3
Stunden dargestellt. Es regnet bzw. schneit noch ein bisschen in der Nacht auf
Montag. Ab Montag Mittag bleibt es trocken. Wichtig ist hier, dass man immer die
Skala links beachtet. Diese ändert je nach Wetterlage. Werte unter 1 mm sind nur
sehr wenig Niederschlag.
Die Wolkenbedeckung wird in Prozent angegeben. Bis Montag Abend muss noch mit 60
bis 80% Wolken gerechnet werden. Erst in der Nacht auf Dienstag und am Mittwoch
Vormittag nehmen die Wolken auf 20% ab. Der Anstieg am Dienstag Nachmittag ist
durch den Tagesgang begründet und lässt sich durch die Sonneneinstrahlung mit
entsprechender Thermik erklären. Es handelt sich hier also um konvektive
Bewölkung.
Im untersten Fenster wird die Entwicklung des Luftdrucks vorhergesagt. Er steigt
noch bis in die Nacht auf Montag auf 1030 hPa an und sinkt dann bis Mittwoch
mehr oder weniger kontinuierlich.
Meteoblue-Meteogramm. Auf der Seite von www.meteoblue.ch der Universität
Basel findet man Meteogramme für ganz Europa. Über eine Karte kann der
gewünschte Ort gewählt werden. Hier gibt es zwar keine Auswahl an Variablen,
dafür ist die Darstellung ansprechend und besonders informativ. Das Standard
Meteogramm (Abbildung 5) beinhaltet Temperatur, Taupunkt und Relative Feuchte 2
m über Boden, ein Wind- und Temperatur-Diagramm vom Boden bis auf eine Höhe von
zirka 6000 m ü. M., Luftdruck auf Meeresniveau, Niederschlagsmenge und
Wolkenbedeckung. Beim Niederschlag wird zusätzlich unterschieden, ob es sich um
Schnee oder Regen handelt. Bei der Wolkenmenge sieht man auf einen Blick, in
welcher Höhe sich die Wolken befinden – vorausgesetzt, man ist sich gewohnt, bei
den Höhenangaben in hPa zu denken. Hier kurz die Standardhöhen:
500 hPa = 5500 m ü. M. 600 hPa = 4000 m ü. M.
700 hPa = 3000 m ü. M. 800 hPa = 2000 m ü. M.
850 hPa = 1500 m ü. M. 900 hPa = 1000 m ü. M.
Wie bei den GFS-Meteogrammen stehen auch hier verschiedene meteorologische Datensätze zur Auswahl. Oben rechts auf der Website von Meteoblue können 5 verschiedene Modelle ausgewählt werden. Unbedingt immer auf das Datum achten, da nicht alle Modelle operationell in Betrieb sind. Weitere Interpretationshilfen für die Meteoblue-Meteogramme sind jeweils direkt unter der Karte gegeben.