Luftfeuchtigkeit ist ein einfacher Begriff, in vielen Belangen aber schwierig zu verstehen. Wiegt feuchte Luft weniger als trockene? Einige Fragen bezüglich Feuchtigkeit sollen hier beantwortet werden.
Anabel Britta und Martin Gassner
Trockene Luft ist ein wichtiges Merkmal für einen guten Flugtag. Die Basis ist dann hoch, und die Cumuli bleiben klein. Je mehr Feuchtigkeit die Luft enthält, umso tiefer liegt die Basis und umso mächtiger wachsen die entstehenden Cumulus-Wolken in den Himmel. Überentwicklungen oder gar Gewitter können sich bilden. Der Feuchtegehalt der Luft ist eine zentrale Grösse im Wettergeschehen!
Definition
der Feuchtigkeit
Das Lexikon der
Meteo Schweiz (www.meteoschweiz.ch/web/de/lexikon)
erklärt die Feuchtigkeit als den Gehalt der Luft an Wasserdampf. Sie wird als
absolute oder als spezifische Feuchtigkeit angegeben, auch als
Mischungsverhältnis, als Dampfdruck, als relative Feuchtigkeit oder als
Taupunkt. Physikalisch gesehen bilden die absolute Feuchtigkeit mit Gramm pro
Kubikmeter Luft (g/m3) als Einheit, die spezifische Feuchtigkeit und das
Mischungsverhältnis mit Gramm Wasserdampf pro Kilogramm feuchter resp. trockener
Luft (g/kg) einfache Masse und sind leicht zu verstehen. Für den Alltagsgebrauch
hingegen sind sie unverständlich. Was bedeutet zum Beispiel ein spezifischer
Wasserdampfgehalt von 10 g/kg Luft?
Relative
Luftfeuchtigkeit
Ist das viel, oder
ist das wenig? Die relative Luftfeuchtigkeit hilft da weiter, denn sie gibt das
Verhältnis zwischen tatsächlichem und maximal möglichem Feuchtegehalt an. In
Abbildung 1 ist der Verlauf der spezifischen Feuchte bei Sättigung mit der
Temperatur aufgezeichnet. Der Verlauf zeigt, dass warme Luft mehr Feuchtigkeit
aufnehmen kann als kalte. Je höher die Temperatur steigt, umso grösser wird auch
die Zunahme. Bei einer Temperatur von 13,5 °C kann die Luft bei 1000 hPa
Luftdruck maximal 10 g Wasserdampf pro Kilogramm feuchter Luft aufnehmen; sie
ist zu 100% gesättigt. Ist die Luft 20 °C warm, könnte sie 15,3 g aufnehmen, sie
ist also zu 65% gesättigt. Bei 30 °C könnte die Luft 28,9 g aufnehmen, und die
relative Luftfeuchtigkeit wäre also nur noch 35% und damit sehr trocken.
Schwüle Luft
«Unerträglich,
diese Schwüle!», klagen an heissen Sommertagen viele Leute. Aber was bedeutet
«schwül» eigentlich? Wieder gibt das Lexikon der Meteo Schweiz Antwort: «Durch
besondere Luftfeuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse gekennzeichnete
klimatische Situation, die das menschliche Wohlbefinden beeinträchtigt; z.B. 80%
und 20 °C, 65% und 25 °C, 45% und 30 °C. ...» In trockener Luft verdunstet
Wasser schneller als in feuchter. Damit ist auch der kühlende Effekt grösser,
wenn Schweiss verdunstet. Bei hoher Luftfeuchtigkeit hingegen verdunstet der
Schweiss nur langsam, und die kühlende Wirkung ist entsprechend gering.
Gleichzeitig wärmt die heisse Umgebungsluft den Körper auf, der mit einer
verstärkten Schweissproduktion reagiert. In schwüler Luft perlt dann der
Schweiss unangenehm auf der Stirn.
![]() |
|
|
Abbildung
1: Verlauf der spezifischen Feuchte bei Sättigung. |
|
![]() |
|
|
Abbildung
2: Verlauf des Sättigungsdampfdruckes mit der Temperatur. |
|
Gewicht der
Luft
Zurück zur
Spezifischen Feuchte. Ihre Einheit ruft sofort die Frage auf, welches Volumen
ein Kilogramm Luft einnimmt, oder umgekehrt, wie viel 1 m3 Luft
wiegt. Trockene Luft besteht zu 78,09% aus Stickstoff, zu 20,95% aus Sauerstoff,
zu 0,03% aus Kohlendioxid und zu 0,93% aus Edelgasen. Aufgrund von
physikalischen Gesetzmässigkeiten lassen sich Volumen und Gewicht jedes dieser
Bestandteile berechnen. Aus ihren Summen folgt dann das spezifische Gewicht von
trockener Luft. Bei 20 °C Lufttemperatur und bei einem Luftdruck von 1000 hPa
wiegt 1 m3 trockene Luft 1,188 kg. Als Faustregel gilt somit, dass 1 m3
Luft etwa 1 kg wiegt. Aus der Erfahrung ist bekannt, dass warme Luft leichter
ist. Unter gleichen Bedingungen wiegt 1 m3 Luft mit einer Temperatur
von 21 °C noch 1,184 kg, bei 25 °C noch 1,168 kg. Bei einer Erwärmung um 1 °C
nimmt das Gewicht um 4 g, bei 5 °C um 20 g ab. Eigentlich erstaunlich, dass so
kleine Differenzen kräftige Aufwinde produzieren können!
Welchen Einfluss hat der Feuchtegehalt auf das Gewicht der Luft? Enthielte Luft
mit einer Temperatur von 20 °C bei 1000 hPa Luftdruck 10 g/kg Wasserdampf, würde
1 m3 1,181 kg wiegen, also um 7 g weniger als trockene Luft. Wären 11
g/kg Wasserdampf enthalten, würde 1 m3 1,180 kg wiegen, und die Luft
wäre nochmals um 1 g leichter. Es gibt Behauptungen, dass über einer frisch
gemähten Wiese Aufwind zu erwarten sei. Vielleicht ist das geringere Gewicht der
angefeuchteten Luft ein Teil einer Erklärung. Zu bedenken ist, dass die
Verdunstung des Wassers mehr Energie benötigt, als wenn die Luft direkt erwärmt
würde.
Dampfdruck
Wie schon erwähnt,
besteht die Luft aus verschiedenen Gasen. Der Luftdruck lässt sich entsprechend
dem Anteil der einzelnen Gase in Partialdrücke aufteilen. So beträgt bei 1000
hPa Luftdruck der Partialdruck von Sauerstoff in trockener Luft 209,5 hPa. In
feuchter Luft trägt auch der Wasserdampf einen Teil zum Luftdruck bei. Jedes
dieser Gase kann für sich betrachtet werden, da sie sich in ihren physikalischen
Eigenschaften nicht beeinflussen.
Im Gegensatz zu den anderen Gasen kommt Wasser in der Atmosphäre in flüssigem,
festem und auch in gasförmigem Zustand vor. Zwischen den einzelnen Zuständen
wechseln dauernd Wassermoleküle hin und her, vom flüssigen Wasser zum
Wasserdampf und umgekehrt oder bei tiefen Temperaturen auch vom Eis zum
Wasserdampf und wieder zurück. Ist der Druck im Wasserdampf zu tief, verlassen
mehr Wassermoleküle den flüssigen Zustand als vom gasförmigen zurückkehren, das
heisst Wasser verdunstet. Ist der Druck zu hoch, wechseln mehr Moleküle vom
gasförmigen zum flüssigen Zustand, kurz, Wasserdampf kondensiert. Wenn gleich
viele Moleküle hin und her gehen, sind Dampf und Flüssigkeit im Gleichgewicht.
Der Druck im Wasserdampf wird dann als Sättigungsdampfdruck bezeichnet oder
kürzer als Dampfdruck.
Siedepunkt
Steigt die
Temperatur an, so gewinnen die Wassermoleküle mehr Energie, um das flüssige
Wasser zu verlassen. Das Gleichgewicht zwischen Dampf und Flüssigkeit verschiebt
sich in Richtung Dampf. Mit der Temperatur nimmt also auch der
Sättigungsdampfdruck zu. Dies erklärt, warum warme Luft mehr Feuchtigkeit
aufnehmen kann. Abbildung 2 zeigt den Verlauf des Sättigungsdampfdruckes mit der
Temperatur, die auch Dampfdruckkurve genannt wird.
Steigt die Temperatur so weit an, dass der Dampfdruck den gesamten Luftdruck
übersteigt, beginnt das Wasser zu sieden. Dampf bildet sich nicht nur an der
Oberfläche, sondern auch im Innern der Flüssigkeit in Form von Blasen. Wasser
siedet nur bei 1013 hPa bei 100 °C. Auf etwa 1500 m Höhe, wo der Luftdruck auf
850 hPa gesunken ist, siedet das Wasser bereits bei 95 °C.
Taupunkt
Die Luft ist im
Allgemeinen nicht mit Wasserdampf gesättigt. Kühlt die Temperatur so weit ab,
dass der Sättigungsdampfdruck unterschritten wird, kondensiert das überschüssige
Wasser zu Tau oder Nebel. Die Temperatur, bei welcher der Druck des
Wasserdampfes dem Sättigungsdampfdruck entspricht, heisst daher Taupunkt. Sind
Lufttemperatur und Taupunkt identisch, ist die relative Luftfeuchtigkeit 100%.
Der Taupunkt kann nie höher als die Lufttemperatur liegen! Dies würde einer
Übersättigung der Luft mit Feuchtigkeit entsprechen. Sinkt die Lufttemperatur
weiter als der Taupunkt ab, kondensiert die Feuchtigkeit zu Wolkentröpfchen.