Sonnenschutz ist ein in den Medien oft diskutiertes und in der Werbung oft aufgegriffenes Thema. Doch vielfach erst beim Kauf der nächsten Sonnenbrille oder nach einem Sonnenbrand beginnt man, sich genauere Fragen nach der UV-Strahlung und einem optimalen Sonnenschutz zu stellen.
Das
UV-Licht ist eine unsichtbare Strahlung jenseits der violetten Farbe mit einer
Wellenlänge zwischen 10 und 400 Nanometer (1 nm = 1 Milliardstel Meter). Das sichtbare
Licht hat eine Wellenlänge von 400800 nm; Wellenlängen grösser als 800 nm liegen im
Infrarotbereich.
Drei Arten von UV-Strahlungen: Aus dem UV-Bereich sind von Bedeutung:
Die Stärke der UV-Strahlung: Diese ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
Die Bedeutung der Ozonschicht: Die Ozonschicht in der Stratosphäre (1250 km über der Erdoberfläche) entsteht durch stärkste Sonneneinstrahlung über den Tropen und verteilt sich von dort nord- und südwärts über die Hemisphären. Seit etwa Mitte der 1970er Jahre wird eine mittlere Abnahme des Gesamtozongehaltes um etwa 5 % pro 10 Jahren festgestellt. Somit ist mit einer UV-B-Zunahme um etwa 5 % pro 10 Jahren zu rechnen. Gemessen an den sehr viel grösseren natürlichen Schwankungen der UV-Strahlung (Sonnenstand, Bewölkungsgrad, Variationen in der Ozonschicht) hat diese Zunahme noch keine biologisch relevante Grösse erreicht.
Anpassung der Haut an die UV-Strahlung
Unsere Haut kann sich durch folgende Mechanismen gegen die UV-Strahlung schützen:
Bräunung: Sofortpigmentierung: Durch die Einstrahlung von UV-A kommt es bereits während der Sonnenexposition zu einer graubraunen Sofortpigmentierung. Sie hält nur wenige Stunden an, kann aber durch wiederholte UV-A-Einwirkung in eine länger dauernde Spätpigmentierung übergehen. Die Sofortpigmentierung kommt durch die Verschiebung des braunschwarzen Hautfarbstoffes (Melanin) innerhalb der Pigmentzellen der Oberhaut zustande. Melanin absorbiert Strahlung bis 400 nm und vermag so das darunterliegende Gewebe zu schützen.
Spätpigmentierung: Die kaffeebraune Spätpigmentierung beginnt ein bis drei Tage nach der UV-B-Exposition und beruht auf einer Mehrproduktion des Melanins. Diese eigentliche Sonnenbräune bleibt Tage bis Wochen bestehen.
Verdickung: Wiederholte UV-Bestrahlung bewirkt eine Vermehrung der Oberhautzellen und eine Verdickung der Hornschicht. Diese sogenannte Lichtschwiele bildet sich in der sonnenarmen Zeit wieder zurück.
Hautveränderung durch UV-Strahlung
Akute Hautschäden durch UV: Ein Sonnenbrand entsteht durch eine Überdosis UV-B,
wobei das Ausmass des Sonnenbrandes von der Intensität und der Dauer der
UV-B-Einstrahlung, aber auch von der Empfindlichkeit der betroffenen Person abhängt. Im
Gegensatz zu Fensterglas ist Wasser für UV-B durchlässig.
Chronische Hautschäden durch UV: Vorzeitige Alterung (UV-A): Die Haut trocknet aus, wird dünner und ärmer an elastischen Fasern. Hautkrebs: Obwohl das UV nur wenige Prozent der Sonnenstrahlung ausmacht, reicht seine Energie, um die Erbanlagen in den Zellkernen des Gewebes zu schädigen. Jahrelange UV-B-Einwirkung kann die Reparaturmechanismen überfordern und die Entstehung entarteter Zellen bewirken. UV-B ist die krebserregende Komponente der Sonnenstrahlung. Personen, die ganzjährig einer mässigen Sonnenbestrahlung ausgesetzt sind, haben erfahrungsgemäss ein kleineres Risiko, an einem Hautkrebs zu erkranken, als solche Personen, die kurzzeitig mit hohen Intensitäten belastet werden, auch wenn die Gesamtdosis gleich ist. Es gibt zudem Hinweise, dass kurze, aber intensive Sonnenexpositionen mit nachfolgendem Sonnenbrand in der Kindheit das Risiko eines späteren Hautkrebses erhöhen.
Schutz vor UV-Strahlung Verhaltensregeln: In Anlehnung an die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheitswesen in Bern sollte man sich wie folgt verhalten:
Sonnenschutzmittel: Um Schäden an der Haut vorzubeugen, sollte jede Hautrötung vermieden werden. Bei starker, den Selbstschutz der Haut überfordernder Sonnenexposition muss man zu Sonnenschutzmitteln greifen. Das Mass für den UV-B-Schutz ist der Lichtschutzfaktor (LSF). Er gibt an, um wievielmal länger ein Aufenthalt in der Sonne möglich ist, bis es zu einer eben noch sichtbaren Hautrötung kommt. Ein LSF zwischen 12 und 15 bietet für alle Gegenden der Erde einen ausreichenden UV-B-Schutz. Herkömmliche Sonnenschutzmittel sollten bei starker Sonnenexposition alle zwei bis drei Stunden aufgetragen werden; mittlerweile sind aber auch sogenannte All-Day-Produkte im Handel, die lediglich ein ein- bis zweimaliges Auftragen pro Tag erfordern. Wer sich zusätzlich vor Sonnenallergie schützen muss, benötigt ein Sonnenschutzmittel, das ebenfalls gegen UV-A schützt. Dies ist nicht immer deklariert, jedoch enthalten viele Produkte ab LSF 8 auch UV-A-Filter. Bei krankhafter Lichtempfindlichkeit helfen Dicksubstanzen, sogenannte Sun-Blocker mit Schutzfaktor 20 und mehr (z.B. Titan- oder Zinkoxidpasten).
Sonnenbrillen: Schutzwirkung: Die UV-B-Strahlung wird von praktisch allen im Handel erhältlichen Sport-, Sonnen- und Schneebrillen zu 100% absorbiert. Die UV-A-Filterung ist bei den einzelnen Sonnenbrillen unterschiedlich, aber meist nahezu 100%. Einige Brillenhersteller liefern differenzierte Angaben über die Schutzwirkung gegen UV-B und UV-A, zudem haben viele Optiker Geräte, mit denen die Absorption gemessen werden kann. Kunststoffmaterial ist hinsichtlich UV-Filterung besser geeignet als Glas. Zudem ist Gewicht und Bruchgefahr geringer. UV-Blocker oder Verspiegelungen halten zusätzlich Strahlung ab. Mineralische Gläser dagegen zerkratzen weniger und verziehen sich nicht in einem Metallgestell.
Karin Litscher
(Dr. med., Schweizerische Gesellschaft für Gebirgsmedizin. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion «Die Alpen»)