Nicht nur plötzliche Klapper, auch rasch ändernde Windrichtung und Windstärke können auf Turbulenzen zurückgeführt werden. Sowohl thermische Aktivität als auch starker Wind erzeugen diese Turbulenzen. Beide Entstehungsformen können bei der Landung Schwierigkeiten bereiten.
Noch während des Gegenanfluges hatte der Windsack talaufwärts gezeigt, doch jetzt, im Queranflug, drehte er so, dass eine Rückenwindlandung unausweichlich wurde. Eigentlich kein Problem bei diesem schwachen Wind, wäre da nicht ein 30-m-Landekreis gewesen, den es zu treffen galt. Eine verpatzte Landung bei einer Prüfung nervt zwar, ist im Übrigen aber harmlos. Wirklich unangenehm wird es erst, wenn Hindernisse wie Hochspannungsleitungen oder Bäume den Landeplatz begrenzen.
![]() Abb.1 Modellversuch im Windkanal: Die laminare Strömung löst sich ab, sodass sich hinter dem rechteckigen Block eine Rezirkulationszone bildet, aus der sich weitere Wirbel ablösen. |
![]() Abb. 2 Klapper, wenig über Grund, in der Leezone einer Talmündung. |
Thermisch erzeugte Turbulenz
Das Stichwort, das solche unangenehme
Situationen beschreibt, heisst thermisch erzeugte Turbulenz. In einem Rhythmus
der Grössenordnung von 10 bis 20 Minuten lösen sich Warmluftblasen an
unterschiedlichen Stellen vom Boden ab und saugen Luft aus der näheren Umgebung
an. Das kann mal vor dem Landeplatz geschehen, mal dahinter oder seitlich davon.
Löst sie sich vor dem Landeplatz ab, erzeugt die angesaugte Luft einen günstigen
Gegenwind. Umgekehrt bewirkt eine hinter dem Landeplatz aufsteigende
Warmluftblase unangenehmen Rückenwind. Steigt sie links oder rechts vom
Landeplatz auf, entsteht Seitenwind von rechts resp. von links.
Die thermisch erzeugte Turbulenz bereitet noch in einer anderen Weise
Schwierigkeiten bei der Landung. Aufgrund der aufsteigenden Warmluftblasen
bilden sich ausgleichende, abwärts gerichtete Luftströmungen. Diese vertikalen
Strömungen, welche oft recht nahe nebeneinander liegen, können den Landeanflug
unangenehm verlängern oder verkürzen. Zusätzliche S-Schlaufen müssen in der
aufsteigenden Luft geflogen werden, um nicht weit über den Landeplatz hinaus
getragen zu werden. Doch aufgepasst, rasch kann der schwache Aufwind in Abwind
wechseln. Durch das plötzlich eintretende starke Sinken wachsen vorher harmlose
Hindernisse zur akuten Gefahr heran. Dabei sind Hindernisse besonders heikel,
welche nicht umflogen werden können, wie zum Beispiel Telefonleitungen.
Ein generelles Rezept, um solche Situationen zu meistern, gibt es nicht. Die
Wahl eines langen Landeplatzes oder eines geeigneten Landeanfluges, der
möglichst nicht über Hindernisse führt, hilft bestimmt. Mein Fluglehrer hatte
mir am Ende der Ausbildung geraten, bei jeder Landung, auch bei einfachen
Verhältnissen, eine Präzisionslandung zu üben. Vor der Landevolte sucht man sich
einen Punkt am Landeplatz und versucht dann diesen zu treffen. Zu diesem Zweck
legen Flugschulen einen markanten Gegenstand auf die Wiese. Auf den Gewinn an
Erfahrung kann man in heiklen Situationen zurückgreifen.
Mechanisch erzeugte
Turbulenz
Ein konstanter Wind erleichtert eine
Landung wesentlich. Doch auch hier gilt es Vorsicht walten zu lassen, denn
überströmte Hindernisse erzeugen Turbulenz, so genannte mechanisch erzeugte
Turbulenz, wie es im Fachausdruck heisst. Dabei steigt die Zahl und die Stärke
der Wirbel überproportional mit der Windstärke an. Das heisst, wenn der Wind
sich von 15 km/h auf 30 km/h verdoppelt, vervierfacht sich die Intensität der
Turbulenz. Die Wirbel werden kräftiger, grösser, leben länger und werden somit
durch den Wind auch weiter fortgetragen. Direkt hinter Hindernissen wie Gebäude,
Bäume oder steil abfallende Hügel bildet sich eine so genannte
Rezirkulationszone (siehe Abbildung), in der sich am Boden eine Rückströmung
bildet, also eine gegen die Windrichtung gerichtete Strömung. Modellversuche
haben gezeigt, dass die Rezirkulationszone bis zu einer Distanz, die der
zehnfachen Höhe des Hindernisses entspricht, reichen kann. Zum Beispiel kann sie
bis 100 m hinter 10 m hohe Bäume reichen. Zudem werden aus dem Randbereich
dieser Hindernisse Wirbel mit dem Wind weit weggetragen.
Besonders bei starkem Gegenwind, bei dem man eine kurze Landung erwartet und
daher denkt, dass auch eine relativ kleine Wiese für eine sichere Landung
reicht, kann die Rezirkulationszone sehr heimtückisch sein. Man stellt während
des Anflugs den starken Gegenwind fest und gibt sich daher keine grosse Mühe,
möglichst niedrig über die Hindernisse am Anfang der Wiese zu fliegen, da der
Gleitwinkel sehr schlecht und ein kurzräumiges Ausschweben sicher erscheint.
Doch durch die plötzliche Abnahme der Windgeschwindigkeit in der bodennahen
Schicht und durch die sogar sich eventuell umkehrende Windrichtung in der
Rezirkulationszone hinter dem Hindernis wird das Gleiten am Boden unerwartet
verlängert, und es droht ein direkter Kontakt zum Beispiel mit den Bäumen am
Ende der Wiese. Die Verwirbelungen, welche beim Hindernis entstehen und vom Wind
weggetragen werden, stellen eine andere Gefahr dar. Klapper in Bodennähe können
die hässliche Folge sein. Die Konsequenz ist klar: Je stärker der Wind bläst,
umso offener sollte der Landeplatz sein, und umso weiter hinter einem Hindernis
sollte die Landung erfolgen, um nicht von solchen Wirbeln attackiert zu werden.
In den Alpen entstehen hinter scharfen Talbiegungen auf der Innenseite der
Biegung oder bei Einmündungen von Seitentälern auf der dem Wind zugewandten
Seite grössere Leezonen, in welchen Landungen einem Tanz in einem Hexenkessel
gleichen. Besonders ungemütlich wird es vor allem dann, wenn zusätzlich noch
thermische Ablösungen die Turbulenz verstärken und die Wirbel in die Höhe
tragen. Die offiziellen Landeplätze liegen gewöhnlich nicht in diesen Zonen. Auf
Streckenflügen hingegen, wo der Landeplatz aus der Luft gewählt werden muss,
sollte dies in die Suche einbezogen werden.
Martin Gassner