Luftmassen bilden sich in grossen Hochdruckgebieten, wo sie charakteristische Eigenschaften wie Temperatur und Feuchte annehmen. Einmal unterwegs, sind sie wechselnden Einflüssen ausgesetzt. Verschiedene atmosphärische Prozesse transformieren diese Luftmassen in andere um. Dazu zählen auch Thermik und Gewitter.
Martin Gassner
Eine Kaltfront beendete die schwüle Hitzeperiode. Temperaturen weit über dreissig Grad hatten den Schweiss aus den Poren getrieben, und die dunstige Luft trübte die Sicht auf die Berge. Nur unterhalb der Wolkenbasis herrschte noch ein angenehmes Klima. Im Gegensatz dazu war in der Luft, die hinter der Kaltfront herangeflossen war, eine warme Jacke ganz angenehm. Kristallklar zierte das Alpenpanorama den Horizont.
Definition
Luftmassen
Was war
meteorologisch gesehen geschehen? Kühle, klare Polarluft hatte heisse Tropikluft
verdrängt. Letztere war vor einigen Tagen aus Südwesten in unser Land geflossen.
Mit Wärme und Staub hatte sie sich irgendwo über der Sahara vollgetankt. Die
Polarluft stammte vom nördlichen Atlantik und war deshalb kalt und fast
staubfrei. Wie bilden sich diese Luftmassen, die über grosse Distanzen doch
recht homogene Eigenschaften aufweisen?
Die Temperatur der Luft nimmt von den heissen Tropen zu den kalten Polen hin
nicht kontinuierlich, sondern in Stufen ab. Es gibt grössere Gebiete, die von
relativ einheitlich temperierter Luft erfüllt sind. Dazwischen liegen Zonen, wo
auf geringe Entfernung grosse Temperaturunterschiede auftreten. Diese gestufte
Verteilung gilt auch für andere Eigenschaften der Luft, wie zum Beispiel den
Feuchtegehalt oder die Sicht. Luft, in der diese Eigenschaften in einem
grösseren Raum gleich bleiben, bezeichnet man als Luftmasse. In den
Übergangszonen zwischen den Luftmassen treten grosse Änderungen über kurze
Distanzen auf, wie zum Beispiel in der Polarfront.
Wie
Luftmassen entstehen
Trotz der ständig
sich bewegenden Atmosphäre bleiben immer wieder grössere Luftmengen für längere
Zeit gleichmässigen Bedingungen ausgesetzt. Wesentlich sind dabei Strahlung und
Untergrund. Sie prägen die Luftmasse bezüglich Temperatur, Feuchte, Stabilität,
Staub oder Schadstoffe. Im hohen Norden etwa bilden sich arktisch kalte und in
Äquatornähe tropisch heisse Luftmassen. Über dem Ozean formen sich feuchte und
staubfreie Luftmassen, während über dem Festland eher trockene dafür
staubhaltige Luftmassen entstehen. Ausserdem ist auch die vorherrschende
Vertikalbewegung von Bedeutung, erwärmt doch eine Absinkbewegung (Subsidenz) die
Luft adiabatisch und trocknet sie zugleich aus. Wassertröpfchen verdunsten und
Wolken lösen sich auf. Umgekehrt führt Hebung zu Abkühlung und zu einem Anstieg
der relativen Luftfeuchtigkeit verbunden mit der Bildung von Wolken und
Niederschlägen (Abb. 1). Quellgebiete für die Luftmassen sind besonders die
grossen quasistationären Hochdruckgebiete. Dazu gehören die Hochdruckzonen in
den Subtropen mit dem Azorenhoch als prominentes Mitglied und die Hochs der
Polarregion, zu welchen das bekannte Russlandhoch zählt.
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![]() Abb. 1: Erwärmung infolge Subsidenz, bzw. Abkühlung infolge Hebung. |
![]() Abb. 2: Änderung des Temperaturverlaufs durch turbulente Mischung. Eine Bodeninversion löst sich auf, dafür bildet sich oberhalb der turbulenten Schicht eine neue Inversion. |
![]() Abb. 3: Erwärmung vom Boden her führt zu einer Labilisierung, Abkühlung zu einer Stabilisierung. |
![]() Abb. 4: Wenn zusätzlich zur Erwärmung noch Kondensationswärme frei wird, können grosse Cumulus-Wolken oder gar Gewitter entstehen, die Wärme bis zur Tropopause transportieren. |
Turbulente
Mischung
Kommt Bewegung
auf, weil sich zum Beispiel ein Hochdruckgebiet abgebaut hat, gelangt die
ursprüngliche Luftmasse in Gebiete mit anderen Umgebungsbedingungen und beginnt
sich zu verändern. Erfassen die kräftigen Winde eines Sturmtiefs eine
winterliche Kaltluftmasse, die eine ausgeprägte Bodeninversion charakterisiert,
durchmischt die Turbulenz die untersten Luftschichten, wirbelt die kälteste Luft
vom Boden hinauf und wärmere Luft aus höheren Schichten hinunter. An der
Obergrenze dieser turbulenten Schicht bildet sich eine neue Inversion (Abb. 2).
Erwärmung
vom Untergrund
Streicht kalte
Luft über einen warmen Untergrund, wird die Luft von unten her aufgeheizt. Die
Luft wird zunehmend labilisiert und mit der einsetzenden thermischen
Durchmischung rasch hochreichend erwärmt (Abb. 3). Schwachwindige Nord- bis
Nordostlagen sind deshalb günstig für Streckenflüge. Der umgekehrte Prozess,
wenn warme Luft über einen kalten Untergrund streicht, läuft nicht so schnell
ab, da die Abkühlung von unten her die Luft stabilisiert und damit den
vertikalen Wärmeaustausch hemmt. Ausgeprägt zeigen sich diese Abläufe über dem
Meer. Infolge der grossen Wärmeleitfähigkeit und -kapazität des Wassers reagiert
die Temperatur kaum auf ändernde Lufttemperaturen. Die Ozeane stellen daher je
nach Lufttemperatur riesige Wärmequellen bzw. -senken dar. Die Feuchtigkeit
spielt hier eine wichtige Rolle. Von der Meeresoberfläche gelangt Wasserdampf in
die Atmosphäre. Wird gleichzeitig die Luft abgekühlt, reichert sich die
bodennahe, stabile Schicht rasch mit Feuchtigkeit an. Die Sichtbedingungen
verschlechtern sich und es kann sogar Nebel entstehen. Bei gleichzeitiger
Erwärmung und der damit verbundenen Labilisierung führt die aufgenommene
Feuchtigkeit zu hochreichender Cumulus-Bewölkung oder gar zu Gewittern (Abb. 4).
Labilisierung im Sommer
Über dem Festland
bildet die Strahlung den Hauptfaktor für die Erwärmung. Bei wolkenarmem Wetter
im Frühling und im Sommer heizt sich die Luft von Tag zu Tag zunehmend auf.
Damit ist eine fortschreitende Labilisierung und eine Abnahme der relativen
Feuchte verbunden. Bei einer flachen Druckverteilung, d.h. wenn der grossräumige
Einfluss gering ist, sinkt mit der Labilisierung auch der Luftdruck. Die
Flugbedingungen werden zwar besser, das Risiko für Wärmegewitter steigt jedoch
an. Für Delta- und Gleitschirmflieger drohen von Gewittern vor allem zwei
Gefahren. Unterhalb der Cumulonimben herrschen derart starke Aufwinde, die
Hängegleiter in die Wolke saugen und in grosse Höhen katapultieren können. Schon
einige Piloten sind so erfroren. Die aus Gewittern ausfliessende Kaltluft
verursacht am Boden kräftige Turbulenzen, auch noch weit von der Wolke entfernt.
In diesen Turbulenzen hat es Deltapiloten beim Landeanflug überschlagen.
Damit ein Hoch im Sommer über längere Zeit bestehen bleibt, müssen
strömungsdynamische Faktoren das Hoch stützen. Die Labilisierung infolge der
Erwärmung führt sonst zur Abschwächung des Hochs, das dann den Attacken der
Störungsfronten nicht mehr Stand halten kann. Die heisse Tropikluft muss dann
kalter Polarluft weichen.