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| Figürliche Darstellung des Sternbildes Grosser Hund im Sternatlas Uranometria von Johannes Bayer aus dem Jahre 1603, ergänzt mit den Hauptlinien. Der Grosse Hund folgt dem Himmelsjäger Orion als Jagdhund. |
Oft fällt die grösste Hitze des Jahres in die Zeit der Hundstage. Ihre Bezeichnung erhielten die Hundstage in der Antike, als das Sternbild Grosser Hund Ende Juli erstmals am Morgenhimmel auftauchte. Wenn im Flachland hohe Temperaturen vorherrschen, bieten die Alpen oft ideale Flugbedingungen. Unmengen von CCC-Kilometern in vergangenen Jahren bestätigen das.
Das Thermometer zeigt 34°C. Drückende Hitze. Hechelnd verkriechen sich die Hunde unter einem schattigen Baum. So sind die Hundstage, in die gewöhnlich die heisseste Zeit des Jahres fällt. Wahrscheinlich gaben einfühlsame Bauern dieser Periode den Namen. Vielleicht, nur um diesen Gedanken weiterzuspinnen, hat das Sternbild Grosser Hund, das am südlichen Firmament steht, auch so seinen Namen erhalten, denn in der Antike erschien es Ende Juli erstmals am Morgenhimmel. Gemäss der griechischen Mythologie begleitet der Grosse Hund zusammen mit dem Kleinen Hund den Himmelsjäger Orion; sie sind gewissermassen seine Jagdhunde. Schon Aratos (275 v. Ch.) sprach vom Wachhund, der eine gewaltige, verdörrende Glut aushaucht. Der griechische Philosoph Geminus erklärte die Hundstage in seiner Einführung in die Astronomie (70 v. Ch.) folgendermassen: «Allgemein glaubt man, Sirius ist für die Hitze verantwortlich. Das ist aber ein Irrtum. Lediglich fällt der Aufgang des Sirius mit der Sonne zusammen.» So erkannten bereits die alten Griechen klar, dass Sirius nicht die Ursache der sommerlichen Hitze ist, sondern dass der Hauptstern des Grossen Hundes rein zufällig in der heissesten Jahreszeit mit der Sonne aufgeht. In der Antike erschien der Grosse Hund Ende Juli erstmals am Morgenhimmel. Durch die Präzession taucht heute dieses Sternbild erst Ende August am Morgenhimmel auf. Der Grosse Hund ist ein typisches Wintersternbild, das bei uns an klaren Abenden tief am Südhimmel leuchtet.
Wer an die Thermik denkt, verknüpft mit den Hundstagen die Vorstellung an eine Hammerlage. Wie klein werden die Alpen aus über 4000 m Höhen gesehen. Ein Blick auf die letzten Jahre zeigt, dass dies durchaus gerechtfertigt ist. Zum Beispiel flog Toni Marty letztes Jahr am 30. Juli die Jahresbeststrecke von 197,5 km. An diesem Tag wurden Höhen über 4000 m erreicht. In der ersten Hälfte des August, also noch während den Hundstagen, fiel sowohl im Delta- wie auch im Gleitschirm-CCC an zwei Hammertagen mit Basishöhen je über 4000 m die Entscheidung um den Sieg. Auch im Regensommer 1996 boten der 31. Juli und der 1. August vergleichsweise gute Flugbedingungen.
Die Nordlage vom 1. bis 5. August 1995
Eine ausgesprochene Hammerlage herrschte vom 1. bis 5. August 1995. Noch am 31.
Juli bildeten sich im Tagesverlauf zahlreiche Überentwicklungen und Gewitter. Ein flaches
Tief lag über Europa. Der Druck stieg nur wenig von 1012 hPa auf knapp 1015 hPa, zu wenig
gemäss der Regel, nach der der Luftdruck für einen guten Streckenflugtag zwischen 1017
hPa und 1024 hPa liegen sollte. Die Luft war also sehr labil geschichtet, was eigentlich
zu Überentwicklungen hätte führen sollen. Doch das verhinderte die trockene Luft, die
zuerst aus Nordosten, später aus Nordwesten in grosser Höhe gegen die Alpen floss. Die
Tröpfchen an der Oberfläche der Cumuli verdunsteten schnell und entzogen damit der Luft
so viel Wärme, dass die Wolken klein blieben. Das Temp vom 5. August zeigt einen
Temperaturgradienten von 0,7°C und mehr pro 100 m Höhe von etwa 800 m bis fast zur
Tropopause hinauf. Nur zwei schwache Inversionen auf 3800 m und 5200 m unterbrachen diesen
Verlauf kurz. Trotz dieser eher kühleren Kontinentalluft kletterten die Temperaturen nach
und nach auf über 30°C. Vor der Gewitterstörung, die am 6. August die phantastischen
Flugtage beendete, floss zudem in tieferen Lagen aus Südwesten allmählich wärmere,
vorerst noch trockene Luft heran. Unten warm und trocken, oben kalt, das gab die
Superthermik, in der gewaltige Höhen erreicht wurden und die Rekorde nur so purzelten.
Höhen über 4000 m waren die Regel. Am 3. August zum Beispiel erreichte René Hauser gar
4734 m oder am 5. August kurbelte sich Leander Tscherrig bis auf 4450 m hinauf. Das war
auch der Tag, an dem Hansjörg Truttmann von Fiesch 261 km bis ins Tirol flog.
Hitze unter Flachdruck vom 3. bis 5. August
1994
Eigentlich war die Hammerlage von 1995 eine Wiederholung vom Vorjahr. Genau
gleich floss auch am 2. August 1994 kühle Luft aus Norden heran, die unter zunehmendem
Luftdruck rasch austrocknete. In der starken Sonneneinstrahlung kletterten die
Temperaturen weit über 30°C, am 4. August 1994 wurden in Basel gar 34,2°C und am 5.
August in Buchs-Suhr 34,5°C gemessen, beides die höchsten Werte des Jahres. Die
Nullgradgrenze stieg auf über 4500 m Höhe, was für unser Klima extrem hoch ist. Die
Luft, die sich über die Alpen geschoben hatte, war sehr trocken, so dass auch in den
Bergen die Cumuli klein blieben. Ihre Basis stieg mit der Zeit an. Im Osten, speziell im
Engadin, lag sie über 4000 m Höhe. Das Hoch verflachte sich, doch die Hitze blieb, was
zu einer zunehmenden Labilisierung und damit zu vermehrten Gewittern führte, die
schliesslich die Lage beendeten. Wie auch 1995 sammelten die CCC-Piloten während dieser
Periode die meisten Flugkilometer.
Obwohl 1993 mehrheitlich der 30. Juli der wärmste Tag des Jahres war, stellte sich kurz vor Ende der Hundstage eine besondere Streckenfluglage ein, in der Distanzen bis 178 km geflogen wurden. Ein Hoch war von der Nordsee nach Mitteleuropa gezogen. Es brachte Temperaturen bis 32°C. Auch 1992 stellte sich nach einem Kaltlufteinbruch Anfang August die heisseste Zeit des Jahres ein, die einige Hammertage brachte, die sehr weite Strecken ermöglichten.
Zum Schluss stellt sich die Frage, was wohl die Hundstage 1998 bringen, ob sie zu Rekordstrecken verhelfen und ob sie wieder manches Pilotenherz höher als 4000 m schlagen lassen.
Martin Gassner